Kreis Kusel
„Friedliche Einigung ist besser als ein Urteil“
Das Eckzimmer im obersten Geschoss besticht mit einer Aussicht, wie sie wohl nur wenige Büros in Kaiserslautern bieten. Der Blick schweift über die Dächer der Innenstadt. Stiefenhöfer möchte nirgendwo anders sein. Kaiserslautern ist die Heimat des heute 60-Jährigen.
Im Justizzentrum ist der seit Anbeginn zu Gange. 2001 waren Gerichte und Staatsanwaltschaft von der Morlauterer Straße zum Hauptbahnhof übergesiedelt. Im Mai 2002 zog auch Stiefenhöfer ein, kehrte nach zweijährigem Abstecher zum Landgericht Frankenthal in die Westpfalz zurück.
Dort hatte er im Oktober 1997 seine erste Richterstelle angetreten und war zweieinhalb Jahre geblieben. Im November 1993 eingestellt, hatte Stiefenhöfer zuvor als Richter auf Probe vier Jahre am Landgericht Zweibrücken verbracht. Ende dieses Jahres wird er im Eckzimmer des Justizzentrums auch auf 30 Jahre in Diensten der rheinland-pfälzischen Justiz zurückblicken können. Und dort auch bis zur Pensionierung bleiben. „Dauert nicht mehr sooo lange“, sagt er seufzend – und lacht. Zur Sorte Griesgram zählt dieser Richter nun beileibe nicht; Stiefenhöfer lacht gerne, wenn sich nur Gelegenheit bietet.
Die Arbeit sei ja schließlich ernst genug. Seit 2007 ist Stiefenhöfer als Vorsitzender Richter tätig, führt die zweite Zivilkammer am Landgericht. Deren vier sowie eine Kammer für Handelssachen umfasst der zivilrechtliche Zweig des Hauses, daneben gibt es acht Strafkammern sowie eine Strafvollstreckungskammer. Rund 20 Richter und um die 75 Bedienstete zählt allein das Landgericht, ungefähr 300 Personen sind im Justizzentrum tätig.
Auch der Verlierer muss sich ernst genommen fühlen
Die Gerichtsbarkeit sei da etwas ganz Zentrales, betont Stiefenhöfer: eine Institution, die dazu beiträgt, dass Streit beendet wird. Gestritten wird auf vielerlei Art. Dem Vorsitzenden Richter obliegt es, möglichst einen Schlussstrich zu ziehen, zu einer Konfliktlösung beizutragen. Am liebsten ist ihm, wenn „Parteien sich einigen“: Dass die Widerstreitenden nach gütlicher Einigung friedlich auseinandergehen, „kommt durchaus vor“. Für ihn sind dies Erfolgserlebnisse – rar gesät, aber motivierend.
Stiefenhöfer weist die Wege zum Vergleich – muss aber zur Not auch urteilen. „Aber wie das auch immer ausgeht: Wichtig ist, dass auch der Unterlegene, der nicht Recht bekommen hat, sich trotzdem ernst genommen fühlt.“ Das kann ein Richter nur vermitteln, wenn er entsprechend tief in die jeweilige Materie eindringt und mit Fakten und Argumenten aufwarten kann. Transparenz sei von gehöriger Bedeutung. „Wir wollen ja die rechtlich richtige Entscheidung treffen. Daher kämpfe ich darum, die Realität zu erfassen – was auch einen nicht unerheblichen Aufwand bedeutet.“ Der spiegelt sich darin wider, dass sich der Jurist denn auch nicht selten in Aktenberge vergraben muss.
Der interne „Zusatzjob“ hat Stiefenhöfer zuletzt mächtig auf Trab gehalten: Als im zweiten Halbjahr 2022 die Polizistenmorde von Kusel verhandelt wurden, war Stiefenhöfer als Mediensprecher des Landgerichts weit mehr als sonst in dieser Funktion gefragt.
Seit einem halben Jahr ist er zudem als Vizepräsident mit in die Behördenleitung eingebunden. Stiefenhöfer folgte Gerold Siebecker, der in den Ruhestand gegangen ist. Lässt Stiefenhöfer die Akten und Paragrafen mal hinter sich, ist der Vater dreier Töchter, der seit 2021 in Trippstadt lebt, auch als Opa immens gefordert. Sieben Enkelkinder schaffen’s locker, den früheren Kampfsportler mit dem scharfen Verstand sanftweich werden zu lassen.
Ehe er in Saarbrücken Jura studierte, hatte Stiefenhöfer auch mit Psychologie und Maschinenbau geliebäugelt. Beides spielt hinein in die Arbeit als Richter, zumal Stiefenhöfer bevorzugt mit Rechtsstreitigkeiten um Bausachen zu tun hat.