Thallichtenberg
Freie Wähler: Helge Schwab will „Steuermann für lebenswerte Region“ sein
Ein Sonntag wie aus dem Bilderbuch: blauer, wolkenloser Himmel und Sonnenschein bei knackigen Minusgraden. Vor dem Burgtor und dahinter säumen Plakate und Transparente mit Porträts der Kandidaten den Fußweg. „Verantwortung für unseren Landkreis“ wirbt der Slogan. Dicht an dicht sitzen die Gäste im Kaminzimmer. Viele Mandatsträger aus den Gemeinderäten, auch aus Nachbarkreisen, Bundestagskandidaten und Promis der rheinland-pfälzischen Freien Wähler sind darunter. Einige Besucher müssen sich mit Stehplätzen begnügen oder in den Nebenraum ausweichen.
Den Aufschlag macht nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden Olaf Radolak, der an die jahrzehntelange Präsenz der Freien Wähler in einigen Orten erinnert, Helge Schwab. Der 53-Jährige tritt am 23. Februar für die Freien Wähler als Kandidat für die Landratswahl an. Die Freien Wähler seien eine „verlässliche Größe“ im Kreis, hebt der Ortsbürgermeister von Hüffler hervor. Ohne seinen Ortsbürgermeisterkollegen Thomas Danneck aus Rammelsbach explizit zu erwähnen, der für den Verein Votum kandidiert, reklamiert Schwab: „Wir sind das Original.“
Schwab fordert Entbürokratisierung
An Selbstbewusstsein lässt er es nicht fehlen. Schwab beschreibt sich als einen Kommunalpolitiker mit einem Rucksack voller Erfahrungen, bewandert auf allen Politikebenen – Gemeinde, Verbandsgemeinde, Kreis- und Landtag – und „in Ministerien bis auf Sachbearbeiterebene bekannt“. Respekt zollt er den sozialdemokratischen Kuseler Landräten, die mit langfristiger Planung im Kreis „Spuren hinterlassen“ hätten, beispielsweise mit dem Musikantenlandpreis, der Jugendherberge und dem Geoskop auf der Burg Lichtenberg.
Diese lebenswerte Region brauche Entbürokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung und bessere finanzielle Ausstattung. Dass seine Heimatgemeinde die niedrigsten Grund- und Gewerbesteuersätze im Landkreis aufweise, lässt der Ortsbürgermeister nicht unerwähnt. „Ich weiß, wie wir den Kommunen helfen“, versichert der Landratskandidat und ergänzt: „Der Landkreis braucht einen Steuermann.“ Als „Landrat für alle“ wolle er „führen, lenken und repräsentieren“, stellt Schwab in Aussicht.
„Bürgerliche, liberale und konservative Kraft“
Natürlich fehlt ein Rückblick auf die turbulente Bundestagswoche beim Neujahrsempfang nicht. Das ist der Part von Joachim Streit, der für die Freien Wähler im Europaparlament sitzt. Über den Kurs von Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) sagt Streit, mitten im Wahlkampf fange ein Kapitän auf einem Schiff kein neues Manöver an. Dies könne Merz den Sieg kosten. Auch die Freien Wähler träten für eine regulierte Zuwanderung ein, aber nicht für billige Lösungen. Die Freien Wähler seien eine „bürgerliche, liberale und konservative“ Kraft und beileibe „nicht so sexy“ wie das BSW. Ihre Stärke liege in den Gemeinden und Kreisen, die Freien Wähler seien „der parlamentarische Arm der Kommunen“.
Rudolf Rinnen, FW-Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz bei der Bundestagswahl am 23. Februar, präsentiert sich als „Machertyp“ und „Umsetzer“. „Wir brauchen die Freien Wähler im Bundestag, damit sich etwas ändert“, wirbt der Mann aus der Eifel zusammen mit der Bundestagskandidatin Jasmin Awan. Nach den aufmunternden Impulsen vertreten sich die Teilnehmer der familiären Veranstaltung in der Burganlage – kundig geführt von „Ritter Andreas“ – die Füße, bevor aufgetischt wird.