Wahnwegen
Fragen und Antworten: Alles zu geplanten Nahwärmenetz
Partner der Gemeinde Wahnwegen ist die Naturstrom AG mit Sitz in Düsseldorf, die nach eigenem Bekunden seit 25 Jahren im Bereich regenerativer Energien tätig ist. Tobias Huter und Klaus Gruber, bei dem Unternehmen zuständig für Projektentwicklung, Realisierung und Vertrieb dezentraler Energieversorgungen, stellten am Dienstagabend ein Zwischenergebnis der Machbarkeitsstudie zum geplanten Nahwärmenetz vor, zuerst dem Gemeinderat und unmittelbar anschließend in einer Info-Veranstaltung den Menschen aus dem Dorf.
Was ist Nahwärme?
Nahwärme bezeichnet die Versorgung eines klar umrissenen Gebiets durch Wärme, die in einer Heizzentrale erzeugt wird. In der Regel wird dort Wasser erwärmt und über ein Rohrleitungsnetz zu den einzelnen Wärmeabnehmern und Haushalten transportiert. Über Wärmetauscher werden die Zentralheizungen mit der nötigen Wärme versorgt und für heißes Wasser gesorgt.
Was ist das Außergewöhnliche am Nahwärmenetz, das für Wahnwegen derzeit geplant wird?
Die Versorgung der Heizzentrale mit der notwendigen Energie, um das Wasser im Nahwärmenetz aufzuheizen, erfolgt ausschließlich elektrisch. Dabei heizt ein kombiniertes System aus drei Luft-Wasser-Wärmepumpen, einer Ammoniak-Wärmepumpe und einer sogenannten Power-to-Heat-Anlage (ein Riesen-Tauchsieder), das Wasser für das Rohrleitungsnetz auf die notwendige Betriebstemperatur von rund 85 Grad auf. Auf eine zusätzliche Befeuerung mittels Biomasse wird verzichtet.
Warum ist die Anlage so kompliziert geplant?
Wegen der Fördermöglichkeiten und aus Kostengründen. Für Power-to-Heat-Anlagen gibt es keine staatlichen Förderprogramme, wohl aber für den Einsatz von Großwärmepumpen. Außerdem lägen die Investitionskosten für die Transformatoren, die benötigt würden, um die Heizzentrale in Wahnwegen ausschließlich über Power-to-Heat zu beheizen, deutlich über denen der Wärmepumpen.
Woher kommt der Strom für die Heizzentrale?
Der wird in Wahnwegen selbst erzeugt. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Naturstrom AG plant die Gemeinde den Bau einer Windkraftanlage mit einer Leistung von 7,2 Megawatt und den Bau eines Solarparks, der bis zu 25 Megawatt Strom erzeugen kann. Der Strom, den beide Anlagen produzieren, wird über ein Umspannwerk direkt in die Heizzentrale eingespeist. Dadurch spart man zum einen die Kosten für die Netzentgelte und ist zum anderen als Eigenerzeuger unabhängig von Preisschwankungen auf dem Strommarkt. Produzieren das Windrad und die Photovoltaikanlage mehr Strom, als die Heizzentrale verbraucht, werden die überschüssigen Mengen in das allgemeine Stromnetz eingespeist.
Was passiert bei einer sogenannten Dunkelflaute, wenn es also Nacht ist und gleichzeitig kein Wind weht?
Dann kann die Heizzentrale über Strom aus dem öffentlichen Stromnetz betrieben werden. Allerdings verfügt die für Wahnwegen konzipierte Heizzentrale über einen Pufferspeicher mit einem Volumen von 500 Kubikmetern Wasser, das ausreichend Wärme zwischenspeichern kann, um eine längere Dunkelflaute zu überbrücken. Außerdem soll an den Tagen, an denen die Solar- und Windanlagen sehr viel Strom produzieren, zunächst der Pufferspeicher voll aufgeheizt werden, bevor Strom ins Netz eingespeist wird, um eine möglichst große Effektivität der Anlage zu erzielen.
Welche Dimensionen wird das Nahwärmenetz in Wahnwegen haben?
Bei einer Interessensbekundung 2021 haben sich mehr als 150 der insgesamt 220 Wahnwegener Haushalte für einen Anschluss an das Nahwärmenetz ausgesprochen. Demnach können alle Straßenzüge an das Netz angeschlossen werden, das eine Gesamtlänge von rund 8,6 Kilometern haben wird. Die Leitungen werden in einer Tiefe von bis zu einem Meter im Straßenuntergrund verlegt. Insgesamt benötigt Wahnwegen fürs Heizen und fürs warme Wasser eine Energiemenge von 3500 Megawatt pro Jahr.
Ab wann kann man in Wahnwegen Nahwärme beziehen?
Nach den Plänen der Naturstrom AG und der Ortsgemeinde könnte das Nahwärmenetz in Wahnwegen aller Voraussicht nach 2026 in Betrieb gehen. Die meiste Vorlaufzeit braucht der Bau der Windenergieanlage.
Wann wissen die Bürger, welche Kosten auf sie zukommen?
Im Frühjahr kommenden Jahres. Bis dahin wird die Machbarkeitsstudie abgeschlossen sein und belastbare Zahlen werden auf dem Tisch liegen. Dann will man damit beginnen, verbindliche Vorverträge mit den künftigen Kunden des Wahnwegener Nahwärmenetzes abzuschließen.