Kusel: Das Jahr 2025 im Rückblick Flucht nach vorn: Volksbank Lauterecken berichtet von Verfehlungen eines Mitarbeiters
Immer öfter ist von angeblichen Bankmitarbeitern zu lesen, die sich als Vertrauenspersonen ausgeben und so gutgläubige Menschen um Hab und Gut erleichtern wollen. Ganz und gar ungewöhnlich war da die Nachricht, dass sich ein echter Mitarbeiter der Volksbank Lauterecken offenbar über Jahre hinweg an Kundengeldern bedient hat.
„Dass anscheinend einer unserer Mitarbeiter Kundengelder unterschlagen hat, bedauern wir zutiefst und sind auch persönlich entsetzt“, hatte Joachim Wagner, Vorstand der Volksbank Lauterecken, erklärt. Interne Untersuchungen hätten ergeben, dass seit 2018 unautorisierte Transfers zwischen Kundenkonten vorgenommen worden seien. Dabei sei – so der Kenntnisstand damals fünf Kunden Schaden entstanden. Insgesamt summiere sich der Schaden auf rund 225.000 Euro. Die Betroffenen seien über die Vorfälle informiert worden, hieß es damals. Der Schaden werde wiedergutgemacht.
Kollegen des mutmaßlichen Sünders in „Schockstarre“
Die Mitarbeiter der Volksbank Lauterecken hätten mit „Schockstarre und tiefer Betroffenheit“ auf den mutmaßlichen Betrug des langjährigen Kollegen reagiert, sagten Joachim Wagner und sein Vorstandskollege Harald Gabriel. Keiner habe ihm so etwas zugetraut. Nun solle offen mit dem Vorfall, „dem Imageschaden“, umgegangen werden. So etwas könne jeder Bank passieren.
Die Bank habe rekonstruiert, dass der Beschuldigte Bargeld von Kundenkonten abgehoben und zum Teil auf seine Girokonten beziehungsweise Girokonten einer anderen nahestehenden Person eingezahlt habe. Um die Bargeld-Abhebungen zu verschleiern, habe der Mann Überweisungen zwischen Kundenkonten vorgenommen und dafür Unterschriften gefälscht. Zwischendurch habe er auch kleinere Summen abgehoben.
Mutmaßlicher Betrüger nutzt Kontakte zu älteren Kunden
Involviert waren nach Angaben des Bankvorstands 16 weitere Kunden, deren Konten seien aber immer wieder „glatt gestellt“ worden, was bedeutet, dass kein Schaden entstanden sei. Sowohl für die Verschleierung der Geldtransfers als auch für die Barabhebungen seien Konten älterer Kunden beziehungsweise „ausgewählter unkritischer Kunden“ missbraucht worden, die kein Online-Banking nutzen.
Der beschuldigte Kollege habe über Jahre ein besonderes Verhältnis gerade zu älteren Kunden aufgebaut. „Sie haben ihm blind vertraut, so wie wir auch“, sagte Wagner.
Kunde reklamiert: „Mir fehlt Geld“
Der mutmaßliche Betrug fiel am 19. Februar auf, als ein Kunde mit seinen Kontoauszügen in die Bank kam und reklamierte: „Mir fehlt Geld.“ Innerhalb von fünf Minuten habe man zurückverfolgen können, wie und wo das Geld verschwunden ist. Der Mitarbeiter sei mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Er habe die Vorwürfe eingeräumt und sich entschuldigt. Dem langjährigen Angestellten sei fristlos gekündigt und es sei Anzeige erstattet worden. Die juristische Aufarbeitung des Geschehens steht nach Lage der Dinge noch aus.