Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel „Fit für die Schule?!“: Tipps und Tricks für Eltern von angehenden Schulkindern

Stellen das Schulscreening „Fit für die Schule?!“ vor: Martina Antes-Lauder und Markus Carbon.
Stellen das Schulscreening »Fit für die Schule?!« vor: Martina Antes-Lauder und Markus Carbon.

Wie bereiten Eltern ihre Kinder am besten auf die Schule vor? Psychologin Martina Antes-Lauder und Markus Carbon von der Diakonie geben Tipps.

Psychologin Martina Antes-Lauder, die seit mehr als 30 Jahren in der Erziehungsberatung tätig ist, und Markus Carbon, der Regionalleiter für die Häuser der Diakonie in der Westpfalz, erklären im Gespräch mit Sabrina Schreiner, worauf es beim Schuleintritt ankommt. Unterstützung bietet das kostenlose Angebot „Fit für die Schule?!“ der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Diakonischen Werkes.

Frau Antes-Lauder, warum gibt es das Angebot, und was ist beim Übergang zur Schule wichtig?
Der Übergang ist ein sogenanntes kritisches Lebensereignis. Die Kinder müssen sich auf eine neue Umgebung, Mitschüler, Aufgaben und Anforderungen einstellen. Eine gute Begleitung durch die Eltern ist wichtig. Das Angebot richtet sich auch an Eltern von Kann-Kindern bei der Entscheidung, ob das Kind vorzeitig eingeschult werden sollte. Das sind schwierige Entscheidungen, und häufig machen sich Kinder weniger Gedanken als Eltern.

Welche Ängste und Sorgen haben Eltern, und nehmen diese zu?
Antes-Lauder: Ganz viele Fragen gehen Eltern durch den Kopf. Kann mein Kind still sitzen? Wie reagiert es auf Kritik? Die Sorgen nehmen zu, waren aber schon immer da. Eltern wünschen sich eine unabhängige Meinung, und viele sind verunsichert – das überträgt sich auf das Kind. Auffällig ist, dass viele Eltern den Schwerpunkt auf kognitive Faktoren legen, dabei ist das Soziale und Emotionale für den Schulbesuch mindestens genauso wichtig.

Was trägt besonders zum schulischen Erfolg bei?
Carbon: Kinder müssen stressresistent sein, mit Frust umgehen und sozial interagieren können. Die Grundfertigkeiten der eigenen Verhaltenssteuerung sind elementar.

Antes-Lauder: Alltagsselbstständigkeit ist wichtiger, als schon den Namen schreiben zu können. Das wird in Schulen nicht bewertet, trägt aber durchaus zum Erfolg des Kindes bei, wenn es mit Kritik umgehen kann und sich motivieren lässt, auch wenn es mal keine Lust hat.

Wie werden Kinder am besten auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet?
Antes-Lauder: Das Kind loslassen und Selbstständigkeit einüben. Eltern sollten Kindern mehr zutrauen und eigene Erfahrungen machen lassen. Das geht in kleinen Schritten, beispielsweise soll sich das Kind die Brezel beim Bäcker alleine kaufen. Auch wenn Eltern etliches schneller selbst gemacht haben, sollten sie warten und das Kind machen lassen, sonst bleibt es in der Abhängigkeit. Hilfreich ist ein fester Tagesablauf mit regelmäßigem Kita-Besuch. Das Kind für die Schule fit zu machen, beginnt eigentlich schon von Tag null an, und vieles wird selbstverständlich eingeübt.

Welche Förderungen lassen sich gut im Alltag integrieren, und wie stehen Sie zu digitalen Unterstützungen?
Carbon: Mehr regelbasierte Gesellschaftsspiele spielen, dafür weniger Digitales. Bücher vorlesen ist für den Spracherwerb wichtig, das kann digital nicht ersetzt werden. Viele Eltern glauben, ihren Kindern damit etwas Gutes zu tun, aber wichtiger ist das gemeinsame Spielen mit Regeln und der Aufbau von Frustrationstoleranz. Kreatives Arbeiten, backen, diese klassischen Dinge, die Oma schon machte, sind nicht falsch. Kinder dürfen auch mal Langweile haben. Das fördert Kreativität, und es hilft, Zeiten auszuhalten, in denen keine Stimulation stattfindet. Das Hauptproblem mit digitalen Medien sind ständige Stimuli, die negativ auf die Aufmerksamkeitsspanne wirken. Digitale Medien – wie ein Werkzeug verwendet – und auch mal ein altersgerechtes Spiel sind in Ordnung, aber Digitales sollte nicht als stumpfsinnige Beschallung eingesetzt werden.

Antes-Lauder: Kinder fühlen sich viel schneller gelangweilt. Ruhe ist schwieriger auszuhalten, und es gibt deutlich mehr Anfragen von Eltern, deren Kinder Konzentrationsprobleme haben. Wir merken aber auch, dass sie besser Englisch können, weil sie viele Videos auf Youtube und ähnlichen Kanälen gucken. Wichtig ist der Konsum in Maßen, in einer Balance und im Kontext.

Wie läuft das Schulscreening „Fit für Schule?!“ ab?
Antes-Lauder: Eltern müssen sich einen Vormittag freihalten. Nach einem 20-minütigen Vorgespräch gehen Eltern Kaffee trinken, maximal sechs Kinder starten das unterrichtsähnliche Schulspiel. Das dauert 90 Minuten bis zwei Stunden. Es gibt Kennenlernspiele, und wir achten auf Konzentration, Sprache – wie interagiert das Kind mit anderen? Sie werden gebeten, etwas zu malen und auszuschneiden, daran lässt sich vieles erkennen, vom Erfassen der Aufgabe bis zum Umgang mit der Schere. Anschließend besprechen wir mit den Eltern die Knackpunkte beim Kind und wo es Bedenken gibt. Bei Bedarf bieten wir Beratung an, empfehlen Ergotherapie oder Logopädie und wie das halbe Jahr vor dem Schuleintritt zur Stärkung des Kindes genutzt werden kann. Manchmal ist auch alles in Ordnung. Wichtig ist: Wir nutzen wissenschaftliche Grundsätze, unterliegen der Schweigepflicht, sind unabhängig von Konfession und Nationalität und sind nicht verknüpft mit dem Jugendamt.

Info

Kostenlose Schulscreenings der Erziehungs- und Familienberatungsstelle im Haus der Diakonie in der Marktstraße 31 in Kusel finden von 24. bis 28. März statt. Anmeldungen sind bis zum 7. März vormittags unter 06381 422900 möglich.

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