Langweiler / Merzweiler / Unterjeckenbach
Feuerwehr: Neue Einheit löscht künftig in U.L.M, um U.L.M und um U.L.M herum
Hier keucht noch ein Traktor vorm roten Anhänger mit Tragkraftspritze her, dort ist das „Gerätehaus“ so winzig, dass mit Ach und Krach das betagte Einsatzfahrzeug reinpasst. „Gibt beim Einparken regelmäßig neue Dellen“, witzelt Wehrleiter Markus Böhmer mit Blick auf redliche Bemühungen, das nicht mehr ganz taufrische Kleinlöschfahrzeug durch eine Garageneinfahrt zu quetschen. Das „Feuerwehrhaus“ ist integriert ins Gemeindehaus am Ortsrand, gelegen am Hang – wenige Steinwürfe von der Grenze zum Truppenübungsplatz entfernt. Abenteuerlich. Bald aber ist all das Makulatur: Bald schon sollen zwei neue Fahrzeuge einsatzbereit in einem komfortablen Domizil bei Langweiler stehen, künftig „Heimat“ von rund 30 Wehrleuten der neuen Löscheinheit U.L.M.
Auch wenn noch das ein oder andere offen ist: Demnächst entsteht jedenfalls ein neues Feuerwehrgerätehaus am Ortsrand von Langweiler. Gegenüber des Friedhofs wird gebaut – mit merklicher Verzögerung geht es jetzt los. Baustart sollte schon im vergangenen Jahr sein. Allerdings hatte, ausgerechnet am höchsten Punkt weit und breit, aus dem Boden quellendes Wasser zu schaffen gemacht. Den aufs Neue anberaumten Baubeginn markieren soll ein offizieller erster Spatenstich. Der allerdings auch schon verschoben worden ist: vom letzten Freitag im März bis auf Donnerstag nach Ostern.
Bedingungen lassen arg zu wünschen übrig
Besagte Dellen bei der Einfahrt drohen roter Karosserie in Unterjeckenbach, wo das dort stationierte Kleinlöschfahrzeug (KLF) tatsächlich nur knapp durchs Tor der angestammten Unterkunft passt. Nicht größer ist die Fahrzeugpforte am Dorfgemeinschaftshaus in Merzweiler. Dort geht’s noch einigermaßen, wartet dort hinterm Tor nur ein Tragkraftspritzenanhänger (TSA), bis er gebraucht wird. Bei Einsätzen müssen eigens noch Pferdestärken herbei, um alles Benötigte im Hänger zum Ort des Geschehens zu ziehen.
Das dritte längst zu kleine Garagentor findet sich schließlich im neueren Gebäudeteil des Dorfgemeinschaftshauses Langweiler. Dahinter aber gähnt schon Leere: Das alte Einsatzfahrzeug ist mittlerweile bei einem Wehrkameraden auf geräumigerer Fläche neben landwirtschaftlichem Gerät untergebracht. Kurzum: In allen drei Orten also lassen die Bedingungen für die Feuerwehr arg zu wünschen übrig.
In U.L.M verschmelzen nun drei Löscheinheiten zu einer neuen, ungleich schlagkräftigeren Truppe. Das Kürzel setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der drei Ortsgemeinden, die gemeinsam eine Einheit der Verbandsgemeinde-Feuerwehr bilden sollen: Unterjeckenbach, Langweiler und Merzweiler. Indes sei noch nicht ganz klar, ob die drei Wehren jeweils formell bestehen bleiben – was denkbar wäre, wie Langweilers Wehrführer Kai Bauer sagt.
Doch ob es nun auf dem Papier drei oder eine gemeinsame Wehr ist, sei zweitrangig. „Seit zwei Jahren machen wir schon gemeinsame Übungen“, betont Bauer. Klar, dass die drei kleinen Ortswehren bei Einsätzen gemeinsam ausrücken. „Wir haben dasselbe Problem wie die anderen auch“, erklärt Bauer: Unter der Woche sei die Personaldecke eben tagsüber arg dünn. Da müsse man die Kräfte bündeln.
Ausstattung spiegelt Stellenwert wider
Wenn sich nun in einem Jahr die Wehrleute der drei benachbarten Gemeinden zusammen in Langweiler niederlassen, werden damit aber nicht einfach nur drei Ortswehren zusammengeworfen: Markus Böhmer sieht im neuen Verbund weit mehr als die Summe der Einzelteile: „Die Wehr wird auch Sonderaufgaben bekommen“, kündigt der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein an, dass U.L.M im Einsatzkonzept durchaus eine Schlüsselrolle im Norden der VG spielen soll.
Welch Stellenwert das Projekt hat, verdeutlicht schon die Ausstattung: Eine moderne und geräumige Unterkunft ist es, die am südlichen Ortsrand von Langweiler entsteht, direkt gegenüber des Friedhofs gelegen. Dort ist Platz zur Genüge, von dort aus sind nur rund 600 Meter zurückzulegen, schon können die Einsatzkräfte auf die Bundesstraße 270 einbiegen. Unterm neuen Dach werden zwei Fahrzeuge untergebracht: Ein Mehrzwecktransportfahrzeug ist bereits im vergangenen Jahr angerollt und parkt übergangsweise in der Unterjeckenbacher Maschinenhalle. Ein fabrikneues Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser an Bord (TSF-W) soll im bevorstehenden Sommer folgen.
Mithin lässt sich die Verbandsgemeinde die Schlagkraft ihrer Feuerwehr auch weiterhin so einiges kosten. Um U.L.M modern auszustatten, wird eine ordentliche Investition gestemmt. Für das neue Gerätehaus sind nach Angaben des Stellvertretenden Bauamtsleiters der Verbandsgemeindeverwaltung, Andreas Kreft, runde 900.000 Euro brutto veranschlagt. Die beiden Fahrzeuge schlagen darüber hinaus mit zusammen mehr als 330.000 Euro zu Buche: Nadja Stein, Stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste, beziffert die Kosten für das MZF 1 auf knapp 149.000 Euro, die Auftragssumme für das TSF-W auf rund 181.800 Euro.
Wichtige Rolle für Belange der Einsatzhygiene
Da das Mehrzweckfahrzeug für Transportzwecke konzipiert ist, wird U.L.M die Aufgabe übertragen, fortan in der Verbandsgemeinde-Feuerwehr die Aufgaben der Komponenten Hygiene sowie Be- und Entlüftung zu übernehmen. Bei länger andauernden Einsätzen wird mit dem MZF 1 im Bedarfsfall frische Einsatzkleidung gebracht und kontaminierte Kleidung in Empfang genommen. Was Be- und Entlüften betrifft, ist die Einheit künftig zuständig, wenn beispielsweise nach Bränden im Gebäudeinnern Räume schnell rauchfrei gemacht werden sollen. Auch wenn die VG-Feuerwehr sonst etwas in größerem Umfang zu befördern hat, wird das Fahrzeug aus U.L.M angefordert. Diese von Wehrleiter Böhmer genannten Sonderaufgaben werden das Einsatzaufkommen der Dreierwehr merklich steigern. „Wir haben bisher vier, fünf Einsätze im Jahr – in diesem sind es jetzt schon drei“, so Kai Bauer.
„Wir freuen uns darauf“, sagt der Wehrführer – wohlwissend, dass mit den verbesserten Bedingungen und auch qualitativ höheren Anforderungen ein Motivationsschub einhergehen könnte. Der 42-Jährige führt die Langweilerer Wehr seit 2019 an. Und er ist auch ein Kandidat, wenn bei einer möglichen Fusion eine gemeinsame Wehrführung zu wählen ist. „Ich würde mich zumindest nicht wehren“, antwortet Bauer belustigt auf die Frage, ob er als Wehrführer der Einheit bereitstünde, die künftig zu Einsätzen in U.L.M, um U.L.M und um U.L.M herum eilt.