Kusel / Altenglan
„Fast wie ein Sechser im Lotto“: Ukrainerin wird in Altenglaner Unternehmen integriert
Jemanden wie Olena Lozhkina zu finden, die solche speziellen Vorkenntnisse mitbringt, aus der Ukraine geflüchtet ist und hier Fuß fassen möchte, das sei „fast wie ein Sechser im Lotto“, sagt Tanja Linz, Personalleiterin der Firma Main-Metall in Altenglan. Schließlich sei das Unternehmen, das unter anderem Gleitlager und Führungselemente für den Maschinen- und Anlagenbau entwickelt und produziert, hochspezialisiert. „Ihre Vorkenntnisse waren genau passend für das, was sie jetzt hier bei uns macht“, sagt die Personalleiterin zufrieden.
Seit Anfang Februar ist Olena Lozhkina, 32 Jahre alt und aus dem Osten der Ukraine stammend, nun in der Qualitätssicherung des Altenglaner Unternehmens beschäftigt. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester und ihrem heute achtjährigen Sohn flüchtete sie nach Ausbruch des russischen Angriffskrieges vor knapp zwei Jahren nach Deutschland. Dort lernte sie zunächst Deutsch, schloss im Sommer den Kurs mit Sprachniveau B1 ab, begann den nächsten Kurs, suchte Arbeit. Zuhause in der Ukraine habe sie bereits in der Qualitätskontrolle einer Firma gearbeitet, die sich auf die Reparatur, Wartung und Produktion von Flugzeugmotoren spezialisiert habe, erzählt die 32-Jährige im RHEINPFALZ-Gespräch. „Ich habe verschiedene Flugzeugteile überprüft“, beschreibt sie. Sorgfältig zu arbeiten, stand schon damals bei ihrer Tätigkeit an oberster Stelle – eine gute Voraussetzung für ihre jetzige Aufgabe in Altenglan.
Integration unterstützen
Der Kontakt sei beim Jobtreff im Horst-Eckel-Haus im Oktober entstanden, berichtet die Personalleiterin. Schnell habe man gemerkt, dass die Vorkenntnisse der Ukrainerin gut passten. „Wir haben im Gespräch auch explizit gefragt, ob sie in Deutschland bleiben will“, sagt Linz. Schließlich plane das Unternehmen langfristig, wolle Mitarbeiter dauerhaft halten. Dann sei klar gewesen: „Wenn sie bleibt, gehen wir den Weg mit. Wir wollen die Integration unterstützen“, so Linz, die hofft, dass dieses „gute Beispiel“ andere qualifizierte Ukrainer motivieren kann. Schließlich sei das Unternehmen, das circa 80 Mitarbeiter beschäftigt, auf der Suche nach Zerspanungsmechanikern. Linz: „Wir würden noch fünf weitere nehmen.“ Die Auftragsbücher seien voll. Es werde auch ausgebildet.
Die Ukrainerin, die in Kusel lebt, absolvierte zunächst ein einwöchiges Praktikum in dem Betrieb. Das sei in der Regel bei Interessenten immer so, erklärt Linz. Es gehe darum, sich ein Bild von den Fertigkeiten zu machen. Ob ein sicherer Umgang mit dem Messmittel bestehe, merke man schnell, erläutert Produktionsleiter Jochen Klein, der mit Blick auf die Ukrainerin zufrieden ergänzt: „Das hat alles gepasst.“
Sprache als größte Herausforderung
Mit ihren männlichen Kollegen – Lozhkina ist bislang die einzige Frau in der Produktion – kommt sie gut zurecht. „Ich fühle mich wohl, bin froh, dass ich die Stelle bekommen habe“, sagt die 32-Jährige. Die größte Herausforderung sei für sie ganz klar die Sprache, die in dem Metier noch dazu sehr von Fachausdrücken geprägt ist. „Aber ich schaffe das“, sagt sie. Nach der Arbeit lerne sie mit ihrer Schwester. Und auf der Arbeit werde ohnehin jeden Tag gelernt, wie der Produktionsleiter berichtet. Etwa durch die Protokolle, die verfasst werden müssen, und den Umgang mit Kollegen.
Um die Handhabung mit EDV-gesteuerten Messtechniken zu erlernen, steht für die Ukrainerin außerdem bald eine Schulung in Baden-Württemberg an, die vom Jobcenter gefördert wird. „Die Schulung ist auf deutsch. Bis dahin werden wir am Deutsch noch etwas arbeiten im Unternehmen“, erklärt Linz, die darüber hinaus Unterstützung etwa beim Kontakt mit Ämtern verspricht. „Wir versuchen in alle Richtungen zu unterstützen.“
Online-Einweisung zur „Jobzentrale“
Dieser Gedanke des Spracherwerbs und der berufbegleitenden Weiterqualifizierung steht auch beim sogenannten Jobturbo des Bundes im Vordergrund. Geflüchtete, vor allem Ukrainer, sollen verstärkt auch ohne gute Deutschkenntnisse beschäftigt werden. Für das Jobcenter bedeute dies konkret einen intensiveren Kontakt zu den Geflüchteten, erläutert Jobcenter-Chef Peter Simon. Man sei stetig im Gespräch. Als eines der ersten Jobcenter sei in einem ersten Schritt im Januar eine Online-Schulung zur „Jobzentrale“, der Stellenbörse des Landkreises, organisiert worden, berichtet er. Und zwar in ukrainischer Sprache. Auch der Jobtreff, bei dem der erste Kontakt zwischen Main-Metall und der Ukrainerin zustande kam, sei als Teil der Strategie zu verstehen.
Zum Jahresbeginn betreute das Jobcenter des Landkreises 607 Geflüchtete aus der Ukraine. Davon 239 erwerbsfähige Frauen, 167 erwerbsfähige Männer und 201 Kinder. Im November 2023 waren es laut Simon noch 630 Ukrainer, davon 216 Kinder. Der leichte Rückgang sei auf Wiedereingliederung in Arbeit, aber auch Rückkehr ins Heimatland zurückzuführen.
