Kreis Kusel Fast schon ein Familienfest
Besinnlich war es nicht gerade, was die Country- und Rockformation Nighthawk da am Samstagabend in der Kuseler Fritz-Wunderlich-Halle präsentierte – sollte es aber auch gar nicht sein. Weit mehr als drei Stunden lang rockten die sechs Musiker gemeinsam mit dem Publikum. Die Nikolausmütze hatten einige Besucher zu Hause gelassen und gegen den Cowboyhut getauscht, so wehte ein Hauch von Nashville durch die Halle über der Kreisstadt.
„The boys are back in town“ – die Jungs sind wieder da. Treffender hätten Nighthawk den Titel zum Auftakt wirklich nicht wählen können. Schließlich hat die Band, die sich seit ihrer Gründung 1997 zu einer festen Größe in der europäischen Countryszene entwickelt hat und unter anderem bei der deutschen Ausgabe der Country Music Awards zum „Newcomer des Jahres 2000“ gewählt wurde, ihre Wurzeln im Landkreis Kusel. Und so war das Konzert in der Fritz-Wunderlich-Halle für die sechs Musiker, die sonst in ganz Europa unterwegs sind, ein Heimspiel – ja fast schon ein Familienfest. Lokalmatador, Bassist und Sänger Achim Rausch konnte nicht nur viele bekannte Gesichter, sondern sogar seine Eltern und weitere Familienangehörige seiner Bandkollegen im Publikum begrüßen. Insgesamt hatten rund 350 Besucher in der Kuseler Fritz-Wunderlich-Halle Platz genommen – wobei sehr viele Stühle wohl den ganzen Abend über verwaist geblieben sein dürften: Schon nachdem die ersten Takte erklungen waren, füllte sich die Tanzfläche vor der Bühne. Beeindruckend, mit welcher Freude und Ausdauer die Tanzwilligen die countrytypischen Line-Dance-Schritte vollführten. Das konnten auch die Musiker auf der Bühne nur bewundernd feststellen: „Ohne die da vorne wären wir hier oben nichts“, bedankte sich Achim Rausch. Das Programm der Band war eine bunte Mischung aus Country- und Rockklassikern, wie „Can’ t you see“ von der Marshall Tucker Band aus dem Jahr 1977 oder Robert Palmers „Bad Case of loving you“, und relativ modernen Songs, wie beispielsweise Kid Rocks „All summer long“. Andere bekannte Lieder, wie „Here I go again“ (Whitesnakes), verpackten die sechs Musiker in ganz eigene, aber nicht weniger hörenswerte Versionen. Apropos Eigenes: Mit Songs wie „Everything is allright“, „Amy“ oder „Tin Man“, zu dem auch Gastsängerin Yvonne Schneider die Bühne betrat – passend zum Familienfest-Charakter des Abends übrigens die Ehefrau von Nighthawk-Schlagzeuger David Schneider – präsentierten Nighthawk natürlich auch wieder viele ihrer eigenen Werke. Als besonderes Weihnachtsgeschenk hatte die Band dann sogar auch noch einen neuen, bislang unveröffentlichten Titel im Gepäck: Mit „It’s on“ gaben Nighthawk ihren Fans bereits einen kleinen Vorgeschmack auf ihren nächsten Tonträger. Dass die Musiker aber nicht nur den typischen Countrystil beherrschen, sondern auch krachende Rocknummern im Repertoire haben, bewiesen sie unter anderem mit den AC/DC-Klassikern „TNT“ und „Highway to hell“. Und die letzten der obligatorischen Zugaben sang sich das Publikum dann sogar quasi selbst: Bei Titeln wie „Rockin’all over the world“, oder „Country Roads“, mussten die Sänger James Clarke Bailey und Achim Rausch gar nicht viel machen – das Publikum übernahm das Zepter kurzerhand selbst, sang die altbekannten Lieder lautstark mit und sorgte so für Gänsehautmomente zum Abschluss eines gelungenen Abends.