Waldmohr RHEINPFALZ Plus Artikel Essensretter öffnen erste Verteilstation im Kreis Kusel

In der Verteilstation im DRK-Sozialkaufhaus in Waldmohr befinden sich alle möglichen Lebensmittel, die die Essensretter in Gesch
In der Verteilstation im DRK-Sozialkaufhaus in Waldmohr befinden sich alle möglichen Lebensmittel, die die Essensretter in Geschäften eingesammelt haben, berichtet Pia Scherer-Jung. Sie ist eine der beiden Organisatorinnen der Foodsharer im Oberen Glantal.

Foodsharer, Essensverteiler, sammeln abgelaufene Lebensmittel, die noch verzehrbar sind, in Betrieben ein und geben sie an jeden ab, der sie haben möchte. Am Mittwoch öffnet die erste Verteilstation für solche Waren im Kreis, der sogenannte Fairteiler. Der Standort wurde ganz bewusst gewählt.

Viele Lebensmittel sind noch ess- und trinkbar, auch wenn das Verfallsdatum auf der Packung überschritten ist. Verkauft werden dürfen sie dann nicht mehr. Damit solche Waren nicht im Müll landen, sammeln Essensretter, wie sich selbst nennen, diese in Märkten, Restaurants, Tankstellen und anderen Betrieben ein. „Sie haben eine Einweisung in Nahrungsmittelkunde und in die Abholprozesse absolviert“, sagt Jessica Becker, die mit Pia Scherer-Jung den Foodsharer-Bezirk Oberes Glantal leitet.

Die Essensretter organisieren Ausgaben dieser Lebensmittel und geben sie an Essensverteiler ab. Diese geben sie in ihrem privaten Bekanntenkreis weiter oder behalten sie selbst. Jeder darf die Lebensmittel erhalten. „Dafür muss man nicht bedürftig sein, weil die Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Vorrangig geht es darum, die Lebensmittel vor der Tonne zu retten“, betont Becker.

Keine Konkurrenz zur Tafel

Zur Tafel bestehe keine Konkurrenz, versichert Becker. Im Gegenteil: „Die Tafel erhält Nahrungsmittel von uns, wenn der Bedarf besteht und wir genügend haben“, schildert sie die Zusammenarbeit beispielsweise mit der Schönenberg-Kübelberger Tafel. Die Essensretter holen Waren in den Geschäften auch erst nach den Abholern der Tafel ab.

In der Verbandsgemeinde seien 128 Essensretter registriert. Sie holen Produkte in vier Läden im Oberen Glantal ab, berichtet Organisatorin. Die Zeiträume zwischen den Abholungen seien sehr unterschiedlich. „Bei manchen gibt es feste Termine ein- bis zweimal pro Woche oder sogar täglich. Andere rufen uns an, wenn sie etwas übrig haben.“

Auch schon Blumen vor dem Müll bewahrt

Die Betriebe geben nicht nur Essbares ab: „Auch Blumen werden weitergegeben. Ich habe auch schon ein Erste-Hilfe-Set aus einem Supermarkt abgeholt. Das wurde nach einem Aktionszeitraum aussortiert“, berichtet Becker. „Essensretter aus anderen Regionen erhalten auch Artikel aus Apotheken.“

Damit auch Menschen, die keinen Foodsharer kennen, Zugang zu den eingesammelten Waren haben, wird am Mittwoch um 11 Uhr ein „Fairteiler“ – eine Station mit einem öffentlichen Kühlschrank und Schrank – im DRK-Sozialkaufhaus in der Bahnhofstraße in Waldmohr eröffnet. Jeder, der möchte, kann sich dort bedienen. Das Geschäft halten die Organisatorinnen für einen besonders guten Standort, weil die Kunden dort ebenfalls Wert auf Nachhaltigkeit legten und nach gebrauchten günstigen Artikeln suchten. Wenn der „Fairteiler“ in Betrieb genommen wird, werden die beiden den ganzen Tag vor Ort sein. „Wir wollen uns vorstellen, Fragen beantworten und den Leuten Hemmungen und Skepsis nehmen“, sagt Becker.

Foodsharer versorgen auch Ukrainer

Schließlich gebe es die Essensretter erst seit Oktober 2021 in der Verbandsgemeinde. „Seitdem haben wir rund 9,6 Tonnen Lebensmittel verteilt“, sagt Becker. Auch wenn es die Essensretter noch nicht so lange gibt, haben sie Entwicklungen gespürt, die sie mit der Inflation in Verbindung bringen: Die abgegebene Ware sei zum Teil weniger geworden.

Auch der Krieg in der Ukraine mache sich bemerkbar: „Wir haben viele Ukrainer oder Organisationen als Abnehmer, die für jene abholen.“ Die Essensretter arbeiten auch mit Einrichtungen zusammen, darunter Kirchengemeinden, die sich um Ukrainer kümmern, und der Ukraine-Hilfe in Waldmohr. „Viele Verteiler haben auch Geflüchtete in ihrem privaten Umfeld versorgt“, berichtet Becker.

Der Fairteiler in Waldmohr sei die erste Verteilstation im Kreis Kusel. Wer sich an einer weiteren beteiligen möchte, kann sich über die Facebook-Seite „Foodsharing Oberes Glantal“ oder per E-Mail an oberes.glantal@foodsharing.network melden.

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