Kusel
Erweiterung der IGS kommt (vorerst) nicht infrage
Wo fehlen möglicherweise Schulräume, wo gibt’s vielleicht zu wenig Kinder und der Bestand einer Schule ist deswegen in Gefahr? Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, hat die Kreisverwaltung ihre sogenannte Schulentwicklungsplanung für die kommenden zehn Jahre aktualisiert. Die gute Nachricht vorab: Keine der weiterführenden Schulen im Landkreis ist auf absehbare Zeit von einer Schließung bedroht. Solche Schulentwicklungspläne gibt’s auf Verbandsgemeinde-Ebene auch für Grundschulen.
Die Kreisverwaltung Kusel ermittelt die Schülerzahlenprognosen mit einer speziellen Software, die bundesweit für solche Zwecke im Einsatz ist. Als Datenbasis dafür dienen aktuelle und historische Bevölkerungszahlen, aktuelle Schülerzahlen und „weitere statistische Kenngrößen, wie Überlebenswahrscheinlichkeiten“. Die sich daraus ergebenden Schülerzahlen sind eine Grundlage für Planungen und Investitionsentscheidungen des Kreistags, erklärte Wolfgang Borm, Referatsleiter Schulen der Kreisverwaltung, am Freitag im Kreisausschuss: „Der Schulentwicklungsplan soll davor schützen, unnötig Geld auszugeben.“
Neubau einer neuen Schule statt Erweiterung der IGS?
Als kurzes Fazit nannte Borm: „Wir rechnen mit einem Anstieg der Schülerzahlen in den nächsten Jahren, keine Schule fällt unter die Mindestzügigkeit und das Veldenz-Gymnasium in Lauterecken und die Realschule plus in Altenglan haben einen zusätzlichen Raumbedarf.“ Bei der Realschule plus müsse die Verbandsgemeinde sich die Sachlage anschauen und eventuell gegensteuern, da sie in dem Fall Schulträger ist. Was das Veldenz-Gymnasium angeht, befasse sich das Gebäudemanagement der Kreisverwaltung mit der Suche nach einer Lösung. Borm: „Dort muss auch an der Turnhalle was geschehen, vielleicht gibt es da eine Lösung, dass beim Sanieren auch neue Lehr- und Lernräume geschaffen werden.“ Vielleicht könnten auch Räume der Nachbarschule belegt werden, der Realschule plus und Fachoberschule Lauterecken-Wolfstein.
Wohl keine schnelle Lösung werde es an der Integrierten Gesamtschule Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr geben. Borm: „Wir mussten für das kommende Schuljahr bereits mehr als 40 Schüler ablehnen.“ Wenn mehr als 112 Anmeldungen eingehen, müssten auch in den kommenden zehn Jahren Kinder abgewiesen werden. Gut 90 Prozent davon weichen laut Borm auf den Landkreis Kaiserslautern aus, besuchen Schulen in Bruchmühlbach-Miesau, Landstuhl oder Ramstein-Miesenbach. „Nur wenige bleiben im Landkreis Kusel“, sagt Borm, „manche gehen ins Saarland.“ Der Schulweg nach Kusel sei vielen zu weit. Doch auch das Gymnasium in Ramstein stoße an seine Kapazitätsgrenze. Von der fünften bis zehnten Klasse besuchen etwa 400 Schüler aus der Verbandsgemeinde Oberes Glantal weiterführende Schulen in angrenzenden Landkreisen.
Ministerium erteilt eine Absage
Eine Erweiterung der IGS Schönenberg-Kübelberg/Waldmohr auf fünf oder sechs statt vier Klassen komme nicht infrage: „Das Ministerium hat uns mitgeteilt, dass eine Erweiterung der bestehenden IGS auf fünf oder sechs Züge nicht zugestimmt wird. Wir sollen eine andere Lösung finden, wie das geregelt werden kann.“ Eine Erweiterung einer IGS sei im Schulgesetz nicht vorgesehen. Landrat Otto Rubly: „Wir sehen, dass da ein erheblicher Bedarf besteht, da müssen wir mit der Schulbehörde in die Diskussion gehen. Wir werden da was tun.“
Ausschussmitglied Margot Schillo (FWG): „Ein Neubau einer weiteren IGS wäre also möglich, eine Erweiterung nicht.“ Sie forderte die Verwaltung auf, Daten über den baulichen Zustand und pädagogische Konzepte zu erheben: „Als Schulträger sollten wir wissen, wie der Stand an den Schulen ist. Wenn ein Förderprogramm aufgelegt wird, können wir dann die Schublade aufziehen und können direkt etwas greifen.“ Träger und Pädagogik müssten eng verknüpft und ein Masterplan als Leitfaden der steten Weiterentwicklung auf Grundlage des Schulentwicklungsplans erstellt werden. Der Kreisausschuss stimmte einstimmig zu.
Der Schulleiter des Veldenz-Gymnasiums über die Vor- und Nachteile einer kleinen Schule
„Was die Schülerzahlen angeht, haben wir die Talsohle durchschritten“, sagt Stefan Weber, Schulleiter des Veldenz-Gymnasiums in Lauterecken (VGL). 2023 hätten gerade einmal gut 20 Abiturienten mit Hochschulreife die Schule verlassen. Vor wenigen Wochen sei dagegen der größte Jahrgang seit langem verabschiedet worden: 39 Schülerinnen und Schüler.
Laut Weber ist die Bildungseinrichtung in Lauterecken „das kleinste voll ausgebaute Gymnasium in öffentlicher Trägerschaft im Land“. Und laut Schulentwicklungsplan in den kommenden Jahren im Bestand nicht gefährdet. Aktuell besuchen etwa 360 Schülerinnen und Schüler das VGL.
Eine so kleine Schule bringe eine Reihe von Vor- und Nachteilen mit sich, erzählt Weber, der seit Januar 2016 die Schule leitet. „Der familiäre Charakter ist toll. Man kennt sich und trifft sich in der Schullaufbahn immer wieder.“ Das sei gleichzeitig ein Nachteil, wenn beispielsweise ein Schüler so seine Probleme mit einem Lehrer habe. Jedenfalls fliege an einer so kleinen Schule „niemand unter dem Radar“, da sich die Pädagogen um einzelne Schüler kümmern könnten.
Dass die Schule nicht so groß ist, das mache sich bei der Ausstattung positiv bemerkbar. „Für den Schulträger ist es dann nicht so teuer“, sagt Weber, der die Schule als „vernünftig und gut ausgestattet“ bezeichnet.
Die kleine Klassen- und Kursgröße stelle die Schulleitung immer wieder vor Herausforderungen. Es sei ein Drahtseilakt zwischen „Schülern ihre Lieblingsleistungskurse ermöglichen“ und „für wenige Schüler zu viele Lehrerwochenstunden zu verbrennen“. Man sei sehr bemüht, die Kurswahl möglichst wenig einzuschränken, „denn das macht uns als Schule weniger attraktiv“. Doch wenn sich zu wenige Schüler für einen bestimmten Kurs finden, versuche man, im Gespräch eine Lösung zu finden: „Mein Lieblingsbeispiel ist da immer ein Kollege. Der hatte in der Oberstufe Physik abgewählt, aber später seine Leidenschaft dafür entdeckt und das Fach studiert. Heute ist er Physiklehrer.“
Das möglichst hinzubekommen, koste viel Kraft und sei oft anstrengend. Weber: „Da würde ich mir wünschen, dass es die Eltern und Schüler ein bisschen mehr zu schätzen wissen.“