Coronavirus
Erstes Impfteam in Kusel gestartet (mit Video)
Am Mittag von Heiligabend hatte Philipp Gruber, der Impfkoordinator des Landkreises, die Nachricht erhalten: Entgegen der ursprünglichen Planung sollten die ersten Impfdosen nicht aus der Vorderpfalz geliefert werden, sondern man müsse die sich selbst abholen, wenn man denn am Sonntag impfen wolle. „Natürlich wollten wir“, sagt Landrat Otto Rubly – zumal das Zoar als eines der ersten Heime in Rheinland-Pfalz die Ampeln auf Grün gestellt hatte. Hieß: Alle Vorbereitungen abgeschlossen, impfbereit für Sonntag.
Also setzt sich Gruber am Sonntag um 7.30 Uhr ins Auto, fährt gemeinsam mit einer Apothekerin nach Osten und holt die ersten 140 Impfdosen für den Kreis Kusel ab. Der Ort der Lagerung ist geheim. Kurz vor 10 Uhr gelangt der Transport ins Impfzentrum auf dem Gelände einer früheren Kaserne, wird dort vom mobilen Impfteam des Roten Kreuzes abgeholt. Punkt 11.12 Uhr ist die Kiste mit den Impfstoff-Ampullen im Heim.
„Wir müssen Vorbild sein“
Dort laufen bereits seit 9 Uhr die letzten Vorbereitungen. Pflegedienstleiterin Jasmin Rech und zwei Mitarbeiterinnen nehmen Abstriche von all jenen Beschäftigten, die für diesen Tag für die Impfung vorgesehen sind. „Alle negativ“, verkündet sie das Ergebnis der Schnelltests, die für die Bewohner in den jeweiligen Wohnbereichen vorgenommen werden.
94 der 108 Bewohner haben vorab ihre Bereitschaft bekundet, sich impfen zu lassen. Ebenso 46 von 104 Mitarbeitern, Heimleiterin Jutta Kunz vorneweg. „Wir müssen Vorbild sein“, sagt sie. Viele jener Beschäftigten, die sich jetzt noch nicht impfen lassen, wollen einstweilen abwarten. Die Verunsicherung ist auch hier groß. Nicht jedoch bei jenen, die nun im Flur oder im Foyer auf ihr Beratungsgespräch mit den Ärzten warten: „Ich habe mir zwischendurch zwar auch mal einen Kopf gemacht – aber eigentlich stand für mich von Anfang an fest, dass ich mich impfen lasse“, sagt die 62-jährige Marie-Luise Urschel. Und: „Man muss etwas gegen Corona tun.“
85 Dosen werden verabreicht
Ihr Kollege Uwe Bollenbacher hat zu diesem Zeitpunkt sein Beratungsgespräch mit dem Arzt bereits hinter sich. Er wird der erste sein, der im Kreis Kusel die Schutzimpfung erhält. „Ich habe nicht gezweifelt, ob ich mich impfen lasse“, sagt der 58-Jährige und fügt an: „Es geht um ältere Menschen. Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn ich einen unserer Bewohner anstecken würde.“
In der Zwischenzeit ist der Impfstoff im Heim angekommen. 85 Dosen. Genau so viele, wie an diesem Tag verabreicht werden sollen. Der Rest verbleibt bis Montag im Impfzentrum; im Kühlschrank, der in der gut gesicherten ehemaligen Waffenkammer aufgestellt ist. Dann holt sich das Helferteam die verbliebenen Ampullen für den zweiten Impf-Tag ab.
Cafeteria wird zur Impfstraße
Der Impfstoff im Heim ist nun im Büro von Heimleiterin Kunz angelangt. Dort sitzt Apothekerin Kerstin Albert, die die Spritzen vorbereitet. 0,45 Milliliter Impfstoff gemischt mit 1,8 Milliliter Kochsalzlösung pro Portion – daraus werden fünf Impfungen mit je 0,3 Milliliter plus ein Rest, der in Europa – anders als in den USA – noch nicht genutzt werden darf, eine sechste Impfung zu ermöglichen. Was pro Ampulle übrig bleibt, wird später im Impfzentrum entsorgt.
In der Cafeteria und im Gang nähern sich die Vorbereitungen dem Ende. Jeder Mitarbeiter erhält seinen Laufzettel mit Impfdokumentation, hat eine Beratung mit einem der beiden Ärzte. Eine Mitarbeiterin darf nicht zur Impfung. Sie muss zuerst Allergien mit ihrem Hausarzt abklären.
Die Cafeteria ist zur Impfstraße umfunktioniert. Benjamin Stöber vom DRK-Landesverband, der für die mobilen Teams in der Westpfalz zuständig ist, hat elf Mitarbeiter mitgebracht. Einige sind fürs Impfen zuständig, andere kümmern sich um die Geimpften. Die müssen nach der Injektion Minimum eine Viertelstunde sitzen bleiben, um im Falle eines Falles auf eventuelle allergische Reaktionen reagieren zu können.
Pflaster drauf und ab in den Ruhebereich
Die gibt es an diesem Tag in Kusel nicht. Auch nicht bei den geimpften Bewohnern. „Es ist alles super gelaufen. Vor allem die Zusammenarbeit mit Heimleitung und Ärzten“, wird Stöber später sagen. Nach 15 Uhr, als der erste Impftag abgeschlossen ist. Ja, er habe sich einen Plan gemacht, wie es organisatorisch laufen solle. „Aber man muss von Heim zu Heim, je nach den Voraussetzungen, flexibel reagieren“, sagt er. In Kusel klappt die Improvisation.
11.50 Uhr: Die ersten fünf Spritzen sind aufgezogen. Uwe Bollenbacher wird als Erster aufgerufen, setzt sich, macht den linken Arm frei. Angelika Laubenstein setzt die Impfung. Nach wenigen Sekunden ist alles vorbei. Pflaster drauf und ab in den Ruhebereich. Der Impftag in Kusel läuft.