Wolfstein / Kreimbach-Kaulbach
Erneuerbare Energien: Netzausbau kann nicht immer mithalten
Sichtbar gebuddelt wird am Umspannwerk Reckweilerhof – doch es werden auch weniger offensichtliche Arbeiten durchgeführt. Das erklärt die Pfalzwerke Netz AG auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Seit vergangenem Jahr werde an der Erweiterung gearbeitet: von zwei auf drei 110-/20-kV-Umspanner. Dazu müsse auch die 110.000-Volt-Schaltanlage ertüchtigt und die 20.000-Volt-Schaltanlage ausgetauscht werden. „Die Erweiterung ist erforderlich, um zusätzliche Einspeisung durch Erneuerbare-Energien-Anlagen zu ermöglichen“, schreibt ein Pressesprecher.
Jüngst hatte Projektierer Juwi in Lohnweiler argumentiert, die geplante Photovoltaikanlage habe von 30 auf 20 Hektar reduziert werden müssen, weil die Einspeisekapazitäten am Umspannwerk nicht groß genug seien. Weitere Anlagen sind in der Region geplant, die wohl in den meisten Fällen ihren Strom gen Reckweilerhof leiten werden. Die nächsten Pfalzwerke-Umspannwerke sind in Otterbach, Rockenhausen und Kusel, es gebe im Radius von 15 Kilometern von Wolfstein noch vier Umspannwerke anderer Eigentümer, informiert der Grundversorger.
„Netzausbau kann nicht immer mithalten“
Ob noch Kapazitäten frei seien, lasse sich „nicht allgemein beantworten“. So wird mitgeteilt: „Unsere Netze sind stellenweise sehr stark ausgelastet, an anderen Orten gibt es noch Reserven. Ob eine Einspeisung technisch möglich ist, hängt von der Einspeiseleistung der Anlage, dem Ort und der Spannungsebene, in die eingespeist werden soll, ab. Für jede Anlage, die bei uns angefragt wird, führen wir eine individuelle Netzberechnung durch.“
Ob das bestehende Leitungsnetz den von Photovoltaik- und Windkraftanlagen produzierten Strom aufnehmen kann, ist schon seit Jahren ein Thema. So sei die Pfalzwerke Netz AG „natürlich seit längerem dabei, Engpässe im Netz, die die Einspeisung verhindern, zu beseitigen“. Dazu müssten nicht nur Umspannwerke, sondern auch Leitungen ausgebaut werden. Gerade der Ausbau des Leitungsnetzes sei sehr zeitaufwendig, auch bezüglich der Genehmigungsverfahren, „und kann nicht immer mit der Geschwindigkeit des Ausbaus von Erneuerbare-Energien-Anlagen mithalten“.
Bisher größte Freiflächenanlage im Kreis Kusel
Bereits für das Umspannwerk Reckweilerhof eingeplant ist der Solarpark oberhalb von Kreimbach-Kaulbach. Es ist die dritte und bislang größte Freiflächenanlage im Kreis nach jener im Industriegebiet bei Rammelsbach, 2021 mit einer Leistung von 2,1 Megawattstunden ans Netz gegangen, und jener im vergangenen Jahr bei Einöllen realisierten. Diese soll auf 4,5 Hektar jährlich rund 3,3 Megawattstunden Strom produzieren.
Fast alle Module am nach Süden ausgerichteten Hang vor Morbach sind bereits montiert. Von Kreimbach-Kaulbach aus ist die fast acht Hektar große Solarfläche nicht zu sehen, jedoch von der Anhöhe vor Rothselberg aus, von Kollweiler kommend. Im Juni soll die Anlage mit einer Leistung von 8,6 Megawattstunden Peak in Betrieb gehen, informiert Juwi auf Anfrage. Die knapp acht Hektar große Anlage hätte schon vor einem Jahr stehen sollen, jedoch war es unter anderem zu Verzögerungen gekommen, weil Leitungen bis zum Umspannwerk Reckweilerhof gelegt werden mussten, Verhandlungen mit Grundstückseigentümern erforderlich waren.
Verdoppelung möglich
Die Solarfläche in der Gemarkung Hörchenborn wird möglicherweise noch doppelt so groß werden. Eine ähnlich große Fläche direkt nebenan hat ein anderer Projektierer ins Auge gefasst, die Pläne wurden im Frühjahr im Rat vorgestellt, die Lage mit ihrer Südausrichtung als ideal bezeichnet. Warum die Anlage nicht von Anfang an von Juwi in dieser Größe vorgesehen war, beantwortet ein Pressesprecher wie folgt: Die Planungen seien 2019 begonnen und für das Bebauungsplanverfahren frühzeitig konkretisiert worden. Außerdem habe Juwi 2020 den Zuschlag zur wettbewerblichen Ermittlung des Einspeisetarifs bei der Bundesnetzagentur erhalten. Um diese beiden Verfahren nicht verändern zu müssen oder zu gefährden, sei nicht von dem ursprünglichen Plan abgewichen worden.