Kreis Kusel Erinnerungen an Lauterecker Oma

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Dass ihr einmal eine Kunstausstellung gewidmet würde, hat sich Rita Kreischer aus Lauterecken sicher nicht träumen lassen. „Was am Ende bleibt“ nennt Tatjana Utz ein ihrer Großmutter gewidmetes Erinnerungsprojekt. Im Kunsthaus Frankenthal zeigt sie es erstmals öffentlich. Es sei das persönlichste ihrer Projekte, sagte sie, und ziele darauf ab, im Betrachter ähnliche Erinnerungen zu wecken.

Was von einem Menschen bleibt, sind zunächst Dinge, die er benutzt hat. Im Zentrum der Ausstellung hat Tatjana Utz in einer Vitrine Dinge gesammelt, die sie eng mit der Großmutter verbindet und die den Ausgangspunkt ihrer ästhetischen Umsetzung bilden. Eine altmodische Schürze etwa, denn die Großmutter hat ungezählte Torten gebacken und Gläser mit Marmelade oder eingelegten Gurken gefüllt. Und Postkarten, Bücher, Fotos, die für die Enkelin Geschichten um die Großmutter symbolisieren. Aussteuer wie Sammeltassen und Milchkännchen erinnern an Nachmittage, an denen sich die Familie um die Kaffeetafel versammelte. Es sind „Dinge aus der Vergangenheit, die ich interessant finde“, sagt Tatjana Utz. Auf Anfrage der RHEINPFALZ erläutert die 1975 Geborene, ältestes von fünf Enkelkindern, dass ihre Großeltern Rita und Kurt Kreischer über 50 Jahre bis zu ihrem Tod in Lauterecken wohnten. Ihre Mutter wurde dort geboren, bis heute wohnen viele Verwandte in Lauterecken, Kreimbach-Kaulbach, Meisenheim und Odenbach. In ihrer Kindheit hat sie einige Jahre mit ihrer Mutter in Lauterecken im Haus der Großeltern gewohnt, war auch nach dem Umzug nach München in allen Ferien in der Pfalz. „Dieses Projekt war mein schwierigstes, weil es mir vielleicht an Distanz mangelt“, sagt sie. Die Ausstellung zeigt, dass diese Befürchtung unbegründet ist. Tatjana Utz ist Malerin und Zeichnerin – ihr Schwerpunkt ist das Porträt. Sie malt und zeichnet Porträts rund um ein Thema von politischer, gesellschaftlicher und kultureller Relevanz, das sie sich selbst stellt. Diese von der Idee her neuartige Arbeitsweise in Projekten hat der Künstlerin aus München vielfältige Anerkennung und Förderung gebracht. So war sie zur Ausstellung beim Emy-Roeder-Preis 2008 vom Kunstverein Ludwigshafen eingeladen sowie mit ihrem Projekt „Check up“ und beteiligte sich beim Pfalzpreis 2012. Bevor Tatjana Utz ans Werk geht, recherchiert sie, macht Fotos und Interviews für die Bilder und Texte in der Ausstellungsinstallation. Ausgangslage und Ergebnis von „Was am Ende bleibt“ sind ein wenig anders. An die Stelle objektiver Recherche tritt subjektive Erinnerung. Aus der gemalten Präsentation von Objekten lassen sich Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Großmutter ziehen. Ihr Konterfei aus unterschiedlichen Lebensaltern speist sich aus eigenem Erleben. Die Zeichnungen in Tusche mit Kohle oder Acryl, schlicht „Im Krankenhaus“ und „Oma“ betitelt, rühren menschlich am stärksten an. Oma Rita als Fünfjährige im schwarzen Kleidchen mit Handtäschchen oder als 18-Jährige im langen Schwarzen sind in Öl auf Kapaplatte gemalte und ausgeschnittene lebensgroße Figuren, wie sie Tatjana Utz auch für andere Projekte angefertigt hat. Sie sind jedoch nicht wie sonst in eine Installation eingefügt, die das Umfeld nachbildet, sondern stehen isoliert und auch ein wenig steif zwischen einem kleinen Objektkasten mit Postkartengeschichten und einem mittelgroßen Ölgemälde von Großmutters leerem Wohnzimmer nach deren Tod. In der Mitte steht der Tisch mit glänzend roter Wachstuchdecke, an dem Großmutters leckere Torten gefuttert wurden. Aus der Torte ist eine Ikone geworden. Mit Kuchenbacken werden Großmütter aus Ritas Generation identifiziert. Oma Ritas Torten sind auch optische Meisterwerke. In Raum eins hat Tatjana Utz ihre eigene Kindheit gemalt, in Öl auf Leinwand und in ausgeschnittenen Figürchen, die in Objektkästen zu Szenen zusammengefügt sind: Puppen, der Hof, Kinderspiele, Wäsche auf der Leine. Im dritten Raum begegnet man gemalten und gezeichneten Objekten, in denen sich die Erinnerung der Enkelin materialisiert. Objektkästen mit ausgeschnittenen Torten, dazwischen Tassen und Milchkännchen mit Blumen- oder Golddekor, gemalte Marmeladengläser, echten Schraubdeckeln und handschriftlichen Aufklebern. Etwas verwirrend steht da auch ein Glas voller Armbanduhren – von Oma und Opa aufgehoben, als sie nicht mehr funktionierten. Man könnte sie ja noch brauchen. Info Bis 7. Mai, Kunsthaus Frankenthal, Hans-Kopp-Straße 22, täglich außer Montag, 14 bis 18 Uhr.

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