Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ergebnisse der Dorfmoderation sollen Gemeinde attraktiver machen

Die AG Tourismus schlägt vot, den Glockenturm zu restaurieren.
Die AG Tourismus schlägt vot, den Glockenturm zu restaurieren.

Ein Seniorencafé, der Glockenturm, die historische Schmiede, das jüdische Erbe und zwei im Speyerer Asyl befindliche Portallöwen aus der Römerzeit – Steinbach hat eine ganze Reihe von Projekten, mit denen die Gemeinde vorankommen kann. Diese Ergebnisse der Dorfmoderation sind jetzt vorgestellt worden.

Seit August 2018 war die Dorfmoderation gelaufen, deren Ergebnisse der Matzenbacher Architekt Klaus Dockendorf nun vorgestellt und erläutert hat. Inzwischen ist Steinbach als so genannte Schwerpunktgemeinde für die Dorferneuerung anerkannt. Das bedeutet: Es gibt bevorzugt Zuschüsse – und das nicht nur für öffentliche Projekte, sondern auch für private, wenn diese prägend für das Ortsbild sind.

Insgesamt acht Arbeitsgemeinschaften hatten sich zu Beginn gebildet, um verschiedene Problemfelder der Gemeinde zu bearbeiten und Ideen zu entwickeln. Laut Dockendorf haben sich diese acht Arbeitsgruppen, die jeweils zwischen vier und 14 Teilnehmer zählten, insgesamt 37-mal getroffen. Gesammelt haben sie fast 80 Stunden getagt.

Hinzu kamen mehrere Exkursionen, um Erfahrungen in benachbarten Dörfern zu sammeln, die durch eine Dorfmoderation beispielsweise den Mut gefunden hatten, leerstehenden Wohnraum zu Feriendomizilen umzubauen. Weiter wertete Dockendorf die vier Dorfspaziergänge als „interessante Geschichte“, weil diese gleich zu Anfang der Moderation wertvolle Erkenntnisse unter anderem für die spätere Arbeit der AG Innenentwicklung zutage gefördert hätten, sagte der Dorfmoderator. Gerade eine solche Gruppe in einer Dorfmoderation lege oft wirtschaftliche, infrastrukturelle, aber auch soziale Missstände einer Gemeinde offen.

Vorkaufssatzung nötig

Neues Bauland im Ortskern statt auf der grünen Wiese zu finden und für junge Familien attraktiv zu gestalten, sei eines der Ziele dieser AG gewesen. Sie empfiehlt dem Rat beispielsweise, für bestimmte Bereiche im Ort eine Vorkaufsatzung zu erlassen, um der Gemeinde vor allem dort das Vorkaufsrecht zu sichern, wo aktuelle oder drohende Leerstände das Straßenbild bestimmen – oft verbunden mit einer maroden Bausubstanz.

Drohende Leerstände waren laut Dockendorf ein Thema für die 14-köpfige Seniorengruppe. Diese setzt unter anderem auf ein Senioren-Café. Dabei geht es nicht nur darum, dass sich ältere Mitbürger an bestimmten Tagen zum geselligen Kaffeekränzchen treffen. Sondern es soll vor allem eine Plattform für Kommunikation sein, wie Dockendorf im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte. Die Initiatoren wollen dort genau hinhören, um auf Menschen aufmerksam zu werden, die nicht selten vereinsamt hinter den Mauern der drohenden Leerständen leben.

Café gegen Einsamkeit

Dockendorf erläutert weiter: „Oft sind diese Menschen zu stolz, um Hilfe zu beantragen. Sie begnügen sich mit dem Minimalsten, was ihre kleine Rente hergibt. Sie – meist sind es verwitwete Frauen – leben in Isolation und verstummen in ihrer Einsamkeit.“ Diesen sehr sensiblen Personenkreis anzusprechen und dort Hilfe anzubieten, sei eine Herzensangelegenheit für die engagierte Seniorengruppe.

Die Seniorengruppe werde zwar vielfach ohne Unterstützung durch den Ortsgemeinderat auskommen. Doch bei den anderen Arbeitsgemeinschaften sei meist die Unterstützung des Rates notwendig, um die Ideen und Pläne umzusetzen, sagte Dockendorf. Das sei vor allem dort notwendig, wo Fördermittel ins Spiel kommen sollen.

Als Beispiel nannte Dockendorf die Ideen der ebenfalls sehr aktiven AG Tourismus, die eine Restaurierung des Glockenturms angestoßen habe. Auch hier gehe es nicht nur um die optische Verschönerung des einstigen Geschenkes der Reichsgräfin Marianne von der Leyen, die von 1775 bis 1791 von Schloss Blieskastel aus auch über sieben Ortschaften der „Herrschaft Munchwilr“ residierte. Ziel sei vielmehr, die kleinen und großen Schätze mitten in der Gemeinde zu bewahren und hervorzuheben.

Mit jüdischer Geschichte punkten

Ein solcher Schatz ist zweifelsfrei die jüdische Geschichte Steinbachs, die sich im Jüdischen Museum eindrucksvoll widerspiegelt. Jener Ort soll Ausgangspunkt des geplanten Wanderwegs „Jüdische Kultur“ werden, der wie auch der Bergmannsbauernweg die bereits vorhandenen Rundwanderwege des Begehbaren Gesichtsbuches ergänzen wird.

Unweit von Museum und Glockenturm befanden sich aber auch eine kleine Schuhmacherwerkstatt sowie eine Schmiede. Jene historische Schmiede könnte als kleiner Gastronomiebetrieb für Besucher, für Wanderer und Radtouristen sonntags Kuchen und vielleicht gar koscheren Kaffee anbieten, schlagen die Ideengeber vor.

Ebenfalls ein Pfund der Gemeinde, mit dem gewuchert werden kann: zwei auf Steinbacher Gemarkung gefundene, mehr als 1700 Jahre alte und derzeit im Speyerer Exil befindliche römische Portallöwen. Sie sollen nach Wunsch der AG irgendwann dauerhaft im Glockenturm ausgestellt werden. Allerdings: Wann, ob überhaupt und zu welchen Konditionen sie wieder nach Steinbach kommen, ist, wie Dockendorf mitteilte, bisher nicht geklärt.

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