Kreis Kusel Erfolg im zweiten Anlauf

Sonia Koch aus Wahnwegen hat als Solo-Harfenistin beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ einen dritten Preis gewonnen. Seit ihrem zehnten Lebensjahr spielt die 18-Jährige Harfe. Im zweiten Anlauf hat es nun mit einem Preis auf Bundesebene geklappt.
„Ich bin aus dem Stück rausgeflogen. Ich wusste einfach nicht mehr, wie es weiterging. Der totale Blackout. Dann habe ich das Stück abgebrochen und das nächste Stück gemacht. Da gab es dann keine Probleme, aber damit konnte man natürlich keinen Preis mehr bekommen“, erinnert sich Sonia Koch an ihren ersten Auftritt als Solo-Harfenistin beim Bundeswettbewerb vor drei Jahren. Seitdem spielt die Schülerin, die neben Harfe auch Querflöte beherrscht, ihre Stücke nicht mehr auswendig. In diesem Jahr lief hingegen alles glatt. Der erfolgreiche Regionalentscheid in Kaiserslautern hatte ihren Ehrgeiz geweckt. Danach habe sie unbedingt ins Bundesfinale gewollt, erzählt sie. Vor dem entscheidenden Landeswettbewerb in Mainz sei sie „ziemlich nervös“ gewesen. Dennoch erreichte sie die Höchstzahl von 25 Punkten – damit war der Weg zum Finale in Braunschweig und Wolfenbüttel frei. Mit ihrem Auftritt auf Bundesebene war sie zufrieden. Am Ende gewann sie mit 21 Punkten den dritten Preis. Für diesen Erfolg hat Koch vier Monate lang immer wieder dieselben Stücke geübt, in den letzten Wochen jeden Tag eine Stunde. „Vor dem Wettbewerb bin ich dann doch schon so diszipliniert, dass ich das auch wirklich durchhalte“, sagt sie. Und fügt mit Nachdruck hinzu: „Nach dem Wettbewerb ist dann erst mal Sendeschluss.“ Im Erdgeschoss ihres Hauses haben die Kochs ein Musikzimmer eingerichtet. Urkunden an der Wand zeigen, dass Sonia Koch bereits zum sechsten Mal bei „Jugend musiziert“ dabei war. Weniger wird das Lampenfieber dadurch nicht: „Bis eine halbe Stunde vorher geht es. Dann werde ich ziemlich nervös, wenn ich mich nicht mehr beschäftigen kann, wenn ich nur noch warten muss. Deshalb höre ich mir auch nie andere Harfenisten an, die vor mir dran sind.“ Nach dem Vorspiel ist die Anspannung verflogen. In Wolfenbüttel gab Koch abends sogar gemeinsam mit drei anderen Teilnehmerinnen ein spontanes Konzert auf dem Marktplatz. „Es war nicht unser Ziel, Geld zu kriegen. Wir haben kein Hütchen aufgestellt. Aber ein paar Leute haben uns dann doch etwas in die Hand gedrückt“, berichtet sie grinsend. Durch Zufall ist sie zu ihrem ungewöhnlichen Instrument gekommen. Im Familienurlaub in der Bretagne hörte sie als Achtjährige zum ersten Mal eine Harfe und war sofort begeistert. Ihre Eltern seien zunächst skeptisch gewesen, ob sie es tatsächlich ernst meine. Als sie mit zehn Jahren immer noch Harfe spielen wollte, durfte sie schließlich Unterricht nehmen. Koch hat Verständnis für die elterliche Zurückhaltung: Harfen sind sehr teuer. 10.000 Euro hat die gekostet, auf der sie zurzeit spielt. Und ab da, so versichert sie, fange es mit den Preisen für Konzertharfen erst an. Einmal in der Woche nimmt sie Unterricht an der Emmerich-Smola-Musikschule in Kaiserslautern. Neben Stücken aus der Romantik spielt sie am liebsten zeitgenössische Musik – „fetzigere Stücke“, wie sie sagt. Bei ihnen müsse man klopfen und Klänge erzeugen, die man von einer Harfe nicht erwarte. Sonst ist ihr Musikgeschmack bunt gemischt. Sie hört alles „von Gothic, Metal bis zu dem, was in den Charts läuft“. Koch hat im Landesjugendorchester des Saarlandes Harfe gespielt. Bei Projekten der Musikschule Kuseler Musikantenland ist sie ebenso dabei wie beim Westpfälzischen Symphonieorchester. Dennoch sagt sie: „Musik muss nicht mein komplettes Leben bestimmen.“ Die 18-Jährige, die gerne liest, will Lehrerin werden. Ganz ohne Musik geht es aber auch da nicht: Neben Englisch soll Musik ihr zweites Fach werden.