Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Ellis D. bietet ein großes Discopunk-Spektakel

Ein irren Musikmix mit der dazu passenden Show bot Ellis D. im Kuseler Kinett.
Ein irren Musikmix mit der dazu passenden Show bot Ellis D. im Kuseler Kinett.

Was für ein Sound! Was für eine Band! Was für eine Show! Am Freitag feiert die Band Ellis D. ihr erstes und einziges Tour-Konzert in Deutschland im Kuseler Kinett.

Den Namen Ellis D. muss man natürlich dreimal hintereinander schnell aussprechen, um die volle zweideutige Wirkung entfalten zu lassen. Und danach sollte man noch den Namen von Dicksons eigenkreiertem und selbstverwaltetem DIY-Label „Change The F*cking Records“ recherchieren. Damit hätte man die Grundidee und das Feeling hinter der Musik von Ellis D. Es geht es um handgemachte Rockmusik. Ohne Zensur. Mit viel Wut. Schnell, frech, frei, inspirierend und durchzogen von einer Energie, die wie ein Rausch über das Publikum fegt. Passt!

Schließlich ist Dickson kein gewöhnlicher Newcomer. Er begann schon mit 15 Jahren damit, sich als begnadeter Drummer durch eine Vielzahl verschiedener Bands zu hämmern. Eine der bekannteren dürfte Strange Cages sein. 2019 hatte er jedoch genug davon, auf einem Podest im Hintergrund zu sitzen. Es zog ihn nach vorne, ins Rampenlicht.

Die Angst lindern

Im Sommer 2019 startete er sein erstes Soloprojekt. Wenn die Musik dieses Projekt unter der Kategorie Rock einordnet, ist das aber viel zu kurz gegriffen. Tatsächlich spielt Ellis D. eine Mischung aus Postpunk, Krautrock und Psychedelia Funk, Artrock und Barockpop. Mit einem Schuss Disco im Abgang.

Was die Thematik seiner Songs betrifft, sagte er dazu mal in einem Interview: „Ich mag es, in meinen Texten so offen wie möglich über mich selbst zu sein. Mit dem Ziel, etwas zu schaffen, das sich wahr anfühlt und authentisch darüber, wer ich als Person bin. Ich schreibe, um Gefühle von Angst und Selbstzweifeln zu lindern.“ Und wer er ist, erlebte man an diesem Abend live.

Zurück zu Hendrix

Gekleidet war der Brite in ein schwarz-weiß gestreiftes Outfit, das auch gut von Jimi Hendrix oder Keith Richards in ihren Jugendjahren hätte getragen werden können. Eine Jugend, die in den ereignisreichen 60er und 70er Jahren stattfand. Und genau diese wilden Vibes der revolutionären 60er Ära und die Love, Peace und Discogrooves der 70er zelebriert und perfektioniert Dickson in seinem unfassbar gut durch die Nostalgie-Gefäße pumpenden Sound. Dabei war Ellis noch nicht einmal flüssig, als Richards und Hendrix die Massen in Ekstase versetzten. Und doch klingt sein Sound, als wäre er aus per Zeitmaschine von den Woodstock-Brettern auf die Kinett-Bühne gebeamt worden.

Die Tracks „Nature’s Game“ und „We Are the Last Generation“. sind Oden an die Bemühung, in schwierigen Zeiten zwischenmenschliche Beziehungen am Leben zu erhalten. Der Schwenk von Pessimismus und Optimismus – und zurück – ist bei Ellis D. nahezu fließend.

Griffige Rhythmen

Das spiegelt sich in der Musik wider. Die Drums bauen sich auf, die Beats treiben monoton ins Endlose. Ellis legte mit der famosen Band im Rücken extrem exzentrische Melodien, Riffs und Bässe über das Schlaggewitter, die sich zu einer schwindelerregenden Schleife um die Drums wickelten und Gitarrenbombast par excellence schufen. Man konnte nicht anders, als zu diesen griffig eingängigen Rhythmen mit dem Kopf zu bangen. Die Rhythmik glitt einem durch Mark und Bein. Ellis verlor sich oft in seinen scheinbar ziellosen Soli. Und das Kinett-Publikum verlor sich nur zu gerne mit ihm.

Ellis verdrehte Melodiestrukturen, er stellte Grenzen auf den Kopf und experimentierte sich so begnadet durchs Set, dass man in kurzen Momenten tatsächlich glaubte, auf einem Hendrix-Konzert zu sein. Ellis spielte wie ein Gott! Und die Songs klangen nicht weniger göttlich! Die Zugabe-Rufe im Kinett wollten zurecht nicht enden. Denn der Sound von Ellis D. ist unglaublich vieles und bewirkt noch mehr. Wild, hemmungslos, großartig – mehr davon!

x