Erdesbach RHEINPFALZ Plus Artikel Einkaufstour: Drei Esel statt 100 PS (mit Bildergalerie)

Fritz, Lotte und Lilly (von links) mit ihren Begleitern, darunter Helmut Drumm (Zweiter von links) und Silvia Drumm-Karn (rechts
Fritz, Lotte und Lilly (von links) mit ihren Begleitern, darunter Helmut Drumm (Zweiter von links) und Silvia Drumm-Karn (rechts).

Keine Lust mehr auf teuren Sprit? In der Westpfalz hat das Ehepaar Drumm vom Erdesbacher Eselshof die passende Antwort.

Der Wasgau-Markt in Altenglan (Kreis Kusel) am Donnerstagnachmittag. Kunden gehen ein und aus, die Freisitze des Cafés sind alle belegt. Alles ganz normal, wären zwischendrin nicht drei Esel an einer Palette mit Blumenerde angebunden. Nicht irgendwelche Esel, sondern Fritz, Lotte und Lilly aus dem vier Kilometer entfernten Erdesbach. Keine Frage, dass sie die Stars und ein begehrtes Fotomotiv sind.

Eine Stunde zuvor hatte sich das Trio auf den Weg gemacht. Sein Zuhause ist der Eselshof von Helmut Drumm, als Polizist und Bezirksbeamter seit 13 Jahren im Ruhestand, und seiner Frau Silvia Drumm-Karn. Steht kein besonderes Programm an, verfügen die Grautiere über einen behaglichen Stall und einen Freilauf von über zwei Hektar. Doch immer wieder steht ein Spaziergang an, sei es mit Kindergartenkindern oder einer Wandergruppe oder, wie an diesem Donnerstag, über den Glan-Blies-Weg zum ökologischen Einkaufen in Altenglan.

Idee schon früher geboren

Drei Studentinnen, die in ihrem Ferienhaus zu Gast waren, hätten sie auf die Idee gebracht, erzählt Silvia Drumm-Karn. Derweil läuft Fritz, stolze 27 Jahre alt und von den Drumms vor zwei Jahrzehnten vor dem Pferdemetzger bewahrt, in seinem ganz eigenen Tempo an der Handleine. Passt sich sein Führer dem gemächlichen Tempo nicht an, hat der Zweibeiner eben Pech gehabt. Nur Lilly und Lotte, die etwas jüngeren Eseldamen, dürfen auch mal Tempo machen und überholen.

Doch zurück zu den Studentinnen. Diese, so Drumm-Karn, wollten ökologisch einkaufen und ihre Fahrräder samt Gepäck auf dem Rückweg schieben. Stattdessen war am Ende das Esel-Trio unterwegs und eine Idee geboren. Seitdem zieht die wollige Karawane immer wieder mal nach Altenglan, jetzt eben, um auch ein Zeichen gegen die überhöhten Spritpreise zu setzen.

Autoverzicht schwierig

Mit dabei sind die Zweibeiner Bärbel, Elisa, Uschi, Heinz, Tanja und Sigrid, Freunde und Bekannte der Drumms. Bärbel stammt aus Landau und ist vor zehn Jahren ins nahe Glanbrücken gezogen. Aufs Auto will sie nicht verzichten, während Elisa, die bei Karl Otto Braun, einem Hersteller von Medizinprodukten in Wolfstein, arbeitet, nicht aufs Auto verzichten kann, zumal sie im Schichtbetrieb tätig ist. Heinz wandert viel, gern in Luxemburg, wo er aktuell auch tankt: „41 Cent weniger als hier“, sagt er.

Will ohne Esel nicht mehr leben: Helmut Drumm (73).
Will ohne Esel nicht mehr leben: Helmut Drumm (73).
Adressschild für den Hof in der Zweibrücker Straße 40. Wer will, kann dort Eselstouren buchen.
Adressschild für den Hof in der Zweibrücker Straße 40. Wer will, kann dort Eselstouren buchen.
Vor dem Spaziergang heißt es striegeln, Hufe ausputzen und satteln.
Vor dem Spaziergang heißt es striegeln, Hufe ausputzen und satteln.
Alle acht Zweibeiner mit den Grautieren und Hund Emil.
Alle acht Zweibeiner mit den Grautieren und Hund Emil.
Aufgeregt sein vorm Spaziergang ist anders ...
Aufgeregt sein vorm Spaziergang ist anders ...
Gehört zu Helmut Drumm seit seiner Pensionierung vor 13 Jahren: Emil.
Gehört zu Helmut Drumm seit seiner Pensionierung vor 13 Jahren: Emil.
Das Tragegestell auf Fritz’ Rücken wurde eigens für die Alpenüberquerung gezimmert.
Das Tragegestell auf Fritz’ Rücken wurde eigens für die Alpenüberquerung gezimmert.
Ökologisch einkaufen steht auf dem kleinen Plakat mit Tulpen, die Silvia Drumm-Karn gemalt hat.
Ökologisch einkaufen steht auf dem kleinen Plakat mit Tulpen, die Silvia Drumm-Karn gemalt hat.
Für Polsterung ist gesorgt.
Für Polsterung ist gesorgt.
Schau mir in die Augen, Kleines: Vor allem Fritz bringt nichts aus der Ruhe.
Schau mir in die Augen, Kleines: Vor allem Fritz bringt nichts aus der Ruhe.
Auch Federvieh gehört zum Eselshof. Geschlachtet worden sei aber noch nie eines, sagt Helmut Drumm.
Auch Federvieh gehört zum Eselshof. Geschlachtet worden sei aber noch nie eines, sagt Helmut Drumm.
Kindergartenkinder bedankten sich mit bunten Bildern für den tierischen Spaziergang.
Kindergartenkinder bedankten sich mit bunten Bildern für den tierischen Spaziergang.
Geschafft: Am Wasgau-Markt wird Fritz mit ein wenig Kraftfutter belohnt.
Geschafft: Am Wasgau-Markt wird Fritz mit ein wenig Kraftfutter belohnt.

Foto 1 von 13

Fritz, Lotte und Lilly brauchen keinen Sprit. Zumindest weder Benzin noch Diesel. Gefüttert wurden sie aber schon am Mittag, damit unterwegs Löwenzahn und Co. keine allzu große Versuchung darstellen. Bei Pausen ist das Grasen natürlich erlaubt, wobei Fritz dornigen Brombeersträuchern den Vorzug gibt. Das Spazierengehen haben die Drumms mit ihren Eseln geübt, damit alles möglichst reibungslos läuft. Steht dem nicht die vielzitierte Sturheit im Weg? Keineswegs, sagt Helmut Drumm, man müsse eben Geduld haben und begreifen, warum die Tiere manches nicht wollten.

Nie wieder ohne ...

Ein Leben ohne Esel können und wollen sich die Drumms nicht vorstellen. Fritz zum Beispiel trägt die Einkaufskörbe auf einem Gestell, das eigens 2017 für eine Alpenüberquerung angefertigt wurde. Gern erinnern sie sich auch an ihre tierische Hochzeitsreise 2022 von Erdesbach über Speyer, dem Geburtsort von Silvia Drumm-Karn, bis nach Hornbach.

Als alle erfrischt sind – für die Esel gibt es ein bisschen Kraftfutter – und eingekauft haben, geht es zurück. Die Körbe sind nun voll, doch Fritz stört das wenig. Er macht sein eigenes Tempo – wie immer.

Info

Kontakt zum Eselshof gibt es per E-Mail an erdesbacheresel@gmx.de

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