Kusel Eindrücke vom zweiten Burgorchester-Camp auf Burg Lichtenberg

Proben um Rittersaal
Proben um Rittersaal

Konzentrierte Arbeit bei bester Laune prägte die Probenstimmung beim zweiten Burgorchester-Camp am langen Fronleichnamswochenende auf Burg Lichtenberg.

Wer das Burgorchester finden wollte und dabei immer seinen Ohren nachging, traf allerdings zuerst auf den Evangelischen Posaunenchor aus Kirchheim an der Weinstraße, der das lange Wochenende ebenfalls für Proben auf Burg Lichtenberg nutzte und direkt hinter dem Burgtor arbeitete. Doch sie wussten, wo die Kollegen vom Burgorchester zu finden waren.

Aus dem Rittersaal über dem Restaurant neben der Jugendherberge drangen gedämpft melodiöse Klänge. Im Rittersaal hatten sich die Teilnehmer des Camps, Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten zwischen 15 und 77 Jahren um Musikantenlandpreisträger Bernhard Vanecek versammelt. Er saß mit seiner Tuba gut gelaunt mitten unter ihnen und überließ die Leitung der Probe Christoph Schönbeck, der für Harmonie zuständig war, und der Sängerin Stephanie Kobori, Pianist Matthias Stoffel fiel am Freitag krankheitsbedingt aus.

„Wir waren zu laut“

„Wir waren zu laut, wir können dann nicht hören, was die anderen singen“, kommentierte Stephanie Kobori die letzte Übungssequenz. Den nächsten Durchlauf stimmte ihr Kollege Christoph Schönbeck an: „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder ...“. Das bekannte Volkslied fingen die Sängerinnen a cappella an; dann fiel die zweite Gruppe ein. Auffallend waren der klare Klang und die sicher gehaltenen Tempi, niemand kam aus dem Takt. Dirigiert wurde mit der Hand, nicht mit dem Taktstock. An einem Bücherschrank hingen mehrere große Plakate. Auf einem war der Aufbau des Liedes in einer Art Ablaufplan veranschaulicht, auf anderen Texte mit Phrasierung und Bindebögen.

Diese optischen Stützen sind wichtig für die Arbeit des Burgorchesters, denn die Teilnehmer singen und spielen ohne Noten, wie Bernhard Vanecek betont. „Statt dessen lernen wir voneinander, peer to peer, auf Augenhöhe“.

„Wer erinnert sich noch, wie die Melodie geht?“, nahm Stephanie Kobori die Probe nach einer kurzen Pause wieder auf. Nach dem Singen und Summen fielen nacheinander verschiedene Instrumente ein, darunter Streicher, Bläser und Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug. „Es ist noch da“, freute sich Christoph Schönbeck sichtlich.

Ein Flötenmoment

„Ich glaube, dieses Stück braucht ein Flötenmoment“, schlug er für das weitere Arrangement des Liedes vor. „Ich würde es aber nicht am Anfang machen, sondern im dritten Teil.“ Dann besprachen die beiden Leiter mit den Teilnehmern den Aufbau des Liedes, wie er bis jetzt feststand. „Könnt ihr mal den A-Teil singen“, wandte sich die Flötistin dann an ihre Kollegen. „Ich spiel’ dann dazu!“ Einmal verpassten die Sängerinnen ein paar Töne, dann aber waren sie schnell wieder drin“ „Es geht viel besser, wenn ihr alle mitsingt“, schlug eine Sängerin spontan vor. „Das sind alles Ideen, die wir ausprobieren können“, meinte Stephanie Kobori.

„Noch mal“, forderte Christoph Schönbeck die Campmitglieder auf. „Mir hat das sehr gut gefallen. Jetzt mit Tubamelodie und einer Posaune. Wir fangen mit dem B-Teil an; die Intro stell’ ich mir langsam vor.“ „Elegisch“, kommentierte Bernhard Vanecek. Er setzte mit der Tuba ein, das Cello gesellte sich dunkel und melodiös dazu, dann fiel die Geige ein.

„Die Stimmung ist süß“

Vor dem Abendessen probte die Gruppe auch noch das belgische Lied „Blue ciel Belge“ und ein französisches Tanzlied mit kraftvoll-stampfenden Rhythmen. „Ob’s uns gefällt, wissen wir, nachdem wir’s gespielt haben“, ermutigte Stephanie Kobori ihre Musikerinnen und Musiker. Unter ihnen waren die 15-jährige Cellistin Julika Brüggemann und die 77-jährige Ursula Rimbach mit ihrer Rahmentrommel.

„Ich war vorher schon mal bei den Cello-Camps von Jeunesses musicales in Weikersheim“, erzählte Julika Brüggemann. Die Tochter einer Cellistin im Orchester des Nationaltheaters Mannheim nahm zum ersten Mal am Burgcamp teil. „Die Stimmung ist süß hier, alle sind supernett“, schwärmte sie. „Die Stücke machen Spaß und es ist etwas ganz anderes als das, was ich sonst so an der Musikschule mache, Klassik halt. Das Zusammenspielen ist toll, es gibt ganz viele Klangfarben. Das System peer to peer ohne Noten ist sehr praktisch, weil ich keine Zeit hatte zu üben“, lachte sie. „Auch die Burg ist außergewöhnlich, die Aussicht ist super.“

„Man lernt irrsinnig viel“

Ursula Rimbach arbeitet trotz ihrer 77 Jahre noch 20 Stunden pro Woche als Heilpraktikerin. Musik hat sie immer schon gemacht, angefangen hat sie mit der Blockflöte, später kam das Klavier dazu. 2004 entdeckte sie auf einem Konzert durch die Musiker Nora Thiele und Joss Turnbull die Rahmentrommel für sich. „Ich war hingerissen und überwältigt von dem Klang des Instruments“, erinnerte sie sich. Sie nahm Unterricht an der Akademie in Trossingen, danach an der Rahmentrommelakademie in Freiburg. Auf das Burgcamp ist sie durch einen anderen Teilnehmer aufmerksam geworden. „Man lernt hier irrsinnig viel auf ganz unterschiedliche Weise,“ zeigte sie sich begeistert. „Und ich finde es ganz toll, wie hier arrangiert wird!“

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