Kreis Kusel Ein Klassiker für alle Zeiten

Was hat uns ein Werk wie
Und da ging es sehr direkt und unverblümt zur Sache, wenn die heiratswütigen Herren Lucentio (Oliver Rickenbacher) und Hortensio (Erik Studte) nicht davor zurückscheuen, ihrem abgebrannten Kumpel Petruchio (Stefan Plepp) die begüterte, aber kratzbürstige Erbin Katharina (Stefanie Lanius) schmackhaft zu machen. Denn ihr Schwarm Bianca (Elisabeth Milarch) darf erst heiraten, wenn die Mutter (Vera Kreyer) die ältere Schwester Katharina auf dem Heiratsmarkt losgeworden ist - Sitten, die modernen Westeuropäern inzwischen fremd geworden sind, aber in anderen Kulturen immer noch praktiziert werden und aktuell in der deutschen Migrationsgesellschaft immer wieder für Probleme sorgen.
Sabine Raibles wandlungsfähige Einheitsbühne ist bewusst einfach gehalten, ganz im Stil Shakespeares, der sich auch mit Andeutungen und Schildern begnügte, dafür ganz auf Sprache, Wortwitz, Musik und das darstellerische Talent der Schauspieler setzte, die Kostümbildnerin Kathrin Schlosser alle in verschiedene Rottöne kleidete. Diese Rechnung ging auch in der Regie von Tom Ryser auf; die in modernem Deutsch gehaltene Textfassung nach einer Neuübersetzung von Christian Leonard, die auch Umgangssprache verwendet, tat ein übriges, um den Klassiker modern, witzig und frech zu präsentieren.
Rollentausch, das Verhältnis der Geschlechter und Beziehungskisten sind ein altes und ewig neues Thema, komisch und tragisch zugleich. Tradition und Moderne prallen in der Interpretation der Shakespeare Company Berlin unterhaltsam und mitreißend aufeinander.
Ist Katharina einfach nur eine rechthaberische, verwöhnte Tochter aus gutem Hause, die sich einen Spaß daraus macht, alle vor den Kopf zu stoßen, indem sie genau das Gegenteil von dem tut, was von ihr erwartet wird? Oder verweigert sie sich bewusst gesellschaftlichen Konventionen und Anpassungsdruck, weil sie ihre Gründe dafür hat? Ist die jüngere Schwester Bianca wirklich das süße, unschuldige Mädchen - oder spielt sie diese Rolle einfach nur perfekt, um dann später die Katze aus dem Sack zu lassen? Was suchen die Freier? Geld, Liebe oder doch nur Sex, der zu Shakespeares Zeiten offiziell nur in der Ehe ausgelebt werden durfte?
Diesen Fragen spüren die Schauspieler der Shakespeare Company Berlin nach, ohne akademische Psychologisiererei, dafür aber mit überschäumender Spielfreude, stimmungsvollen Liedern, Spaß an gelegentlich auch derber Komik und bemerkenswert sicherem Gespür für stimmige Charakterzeichnungen und menschliche Schwächen. Außenseiter in diesem Rollenspiel der Konventionen sind Katharina und Petruchio, die keinen Hehl daraus machen, dass sie auf schönen Schein und gute Sitten pfeifen. Stefan Plepp spielt den Draufgänger, der sich durch seine Heirat finanziell wieder sanieren will, als Macho voll überschäumender Männlichkeit, der Katharina zunächst einmal mit ihren eigenen Mitteln den Schneid abkauft. Bei diesem Schlagabtausch stellt ihn Stefanie Lanius, die überzeugend das Bild einer kraftvollen, trotzigen Frau verkörpert, vor so manche Herausforderung. Wieso aber wandelt sich genau diese Katharina, die immer auf dem Anti-Trip war, plötzlich zu einer