Kreis Kusel Ein Herz für die kleinen Leute

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Wenn auch der Lothringer Liedermacher Marcel Adam in seinem aktuellen siebten Album von „Min Testament Dixie“ singt – seine Gitarre hängt er noch lange nicht an den Nagel. Eine Art Resümee ist die CD „Merci“ trotzdem. Der 62-Jährige ist darauf putzmunter und charmant wie eh und je.

„Kläänkunschd isch kenn Rock’n’ Roll“, konstatiert Adam auf der CD, „kenner hat se meh in Plon; sie steht in keinem Kulturkalenner; sie kummt bi kennen Dorffeschd mehr dron.“ Wenn er dazu, wie das Foto auf dem Booklet zeigt, wie ein Honigkuchenpferd grinst, erkennt man: Das kann nur parodistisch sein. Satirisch-humorvoll wie viele seiner Lieder, die er in seinem Lothringer Dialekt singt. Adam hat ein Gespür für seine Muttersprache, experimentiert damit und gewinnt ihr dadurch ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten ab. Er hat das Aroma des Lothringer Dialekts in der Nase und die Mundart auf der Zunge. So stimmt er den Hörer heiter, zumal er seine Lieder mit unverkennbarem Timbre singt, das voller Charme und Esprit ist. Wieder singt Adam das Hohelied auf Frauen. Er bewundert die „Wilde Marilou“, die sich „nit klän krin lässt“, vor „kenn Sesselfurzer“ sich biegt und „rotzfrech dreggisch uff de Roseteppisch laaft“. Wie ein Zungenbrecher klingt dieser Temposong. Häusliche Gewalt thematisiert er in „Judith unn die blinde Wut“, der die Ehefrau unterliegt. „Unn es kocht in jedem Herz das Blut wie e Glut, die hämlich schmuht uff blindi Wut“, so bringt er es auf den Punkt. Überhaupt ist sein Herz auf der Seite der „kleinen Leute“. Zynisch jedoch besingt er die „Feine Litt“, in deren Kreisen er sich pudelwohl fühlt, denn: „ Jo, ich geh ganz gär zu feine Litt, treff mich mit de Creme de la Creme, denn ihr Fraue honn scheen viel Zitt, do kummsch de erscht moajens frieh spät hemm.“ Aber auch die Chansons „Le lac Majeur“ (Roda Gil/Mort Shuman) und „C’apres que ca se passe“ (Guy Beart) sowie „Birgit 2013“ aus eigener Feder bestechen, zumal Adam sie mit viel Süße in der Stimme und mit sanftem Vibrato brillant intoniert. Der Kosmos zwischen Blues, Rock’n’Roll und Walzer ist grenzenlos, wobei sich Adam von herausragenden Musikern begleiten lässt. Christian Di Fantauzzis Akkordeon bekommt mal elegisch-melancholische, mal eruptiv-vitale Qualität, wenn er ungestüme Jagden und tanzhafte Tändeleien neben Meditationen entstehen lässt. Adams Hausgitarrist Ivo Müller und sein Sohn Yann Loup sowie die großartigen Gäste Joscho Stephan, Christian Conrad und Guido Allgaier verführen entführen in die Welt des Jazz, und der Hörer bestaunt das atemberaubend schöne Geflecht aus Rhythmus, Harmonie und Melodik. All dies verschmilzt mit dem schmeichelnden Saxofon von Dirk Juchen, der wunderbaren Klarinette von Helmut Eisel sowie dem Bass von Stefan Engelmann organisch.

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