Kreis Kusel Ein Hauch von Exotik und Exzentrik

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„Hohes künstlerisches Niveau und starke Programme“ in die Nordwestpfalz abseits der Metropolen zu bringen, ist die Motivation von Pfarrer Timo Schmidt und der Oboistin Petra Fluhr, die hauptberuflich bei der Rheinland-pfälzischen Staatsphilharmonie Dienst tut. Beim zweiten Gastspiel in der evangelischen Kirche Lauterecken mit einem Programm, das ausschließlich Antonio Vivaldi gewidmet war, kamen 18 Besucher, was zwar einer deutlichen Steigerung gegenüber dem ersten Auftritt bedeutete, aber dennoch reichlich Luft nach oben lässt.

Dieses Mal war neben einem Streichquartett der Countertenor Oliver May derjenige, der dem Abend einen Hauch von Exotik, aber auch Exzentrik verlieh. Bei geschlossenen Augen meinte man durchaus, eine zarte Frauenstimme zu hören, als er sich anschickte, das „Nisi Dominus“, eine neunteilige Vertonung des Psalms 126, zu interpretieren. Ein ganz klein wenig fehlte das dynamische Durchsetzungsvermögen „gegen“ das begleitende Streichquartett und das Cembalo, was bei der Sopran-Arie aus Vivaldis „Gloria“ nach der Pause deutlich besser gelang. Vielleicht auch, weil bei diesem Stück nur Violoncello, Oboe und Cembalo konzertierend begleiteten. Bei der erst genannten Psalmvertonung begeisterte der in Köln aufgewachsene Countertenor mit einer Vielfalt der Techniken und Emotionen, die von der furiosen Koloratur über die lyrische Kantilene, langatmige Melismen, expressive Melodiebögen bis hin zur Dramatik für die damalige Zeit kühner harmonischer Wendungen, reichte. Ergriffene, aufs Äußerste konzentrierte Zuhörer verfolgten die Wiedergabe aufmerksam und sparten nicht mit Applaus für Mays Leistung. Nicht minder virtuos ging Petra Fluhr an der Oboe zu Werke: routinierte, aber dort, wo es angebracht war, auch überschäumende Spielfreude prägte die Wiedergabe der beiden Konzerte des venezianischen Großmeisters, der bereits zu Lebzeiten verehrt wurde wie heute ein Rockstar. Kein Wunder, sind doch die Repetitionen und gebrochenen Akkorde in ihrer schnellen Abfolge der Ecksätze überaus eingängig und die großen Melodiebögen der Mittelsätze ergreifend in ihrem emotionalen Tiefgang. In ihren instrumentalen Mitstreitern Eva Nollert und Felix Wulfert, Violine, Stella Sykora, Viola, Katharina Schmitt, Violoncello sowie Christian Schmitt am Cembalo, hatte die Oboistin kongeniale Partner. Statt der nicht gerade selten zu erlebenden Manierismen im Umgang mit „alter“ Musik, wie sie häufig bei Verfechtern der historisch fundierten Aufführungspraxis zu erleben ist, erfüllten die Profis ihren jeweiligen Part mit Leidenschaft und lebendigem Esprit, der den berühmten Funken schnell überspringen ließ. Bleibt zu hoffen, dass beim dritten Gastspiel der Initiative die Besucherzahl noch einmal deutlich steigt.

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