Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Film über die jüdische Vergangenheit

Beim Interview für den Film (von links): Steven und Ruth Müller sowie Josef Witringer.
Beim Interview für den Film (von links): Steven und Ruth Müller sowie Josef Witringer.

Nicht nur der Wanderweg „Jüdische Kultur“ hält die Erinnerung an das jüdische Leben wach. Ein Film soll an das Leben und Wirken der Menschen erinnern, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Die ersten Aufnahmen wurden auf dem jüdischen Friedhof gedreht.

Produziert wird die Dokumentation von Philipp Bauer von der Firma „rec it media“ aus Dunzweiler. Ideengeber war Klaus Müller, und Initiator ist der Steinbacher Josef Wintringer. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des jüdischen Friedhofs mit seinen 200 Grabstätten.

Der Friedhof war auch dieses Jahr wieder ein Ziel von Ruth und Steven Miller. Das Ehepaar lebt in Israel. Seit vielen Jahren besuchen sie Steinbach. Zuletzt dankten sie dem 84-jährigen Josef Wintringer, der seit 40 Jahren den Friedhof pflegt. Als sichtbaren Ausdruck ihrer Anerkennung haben die Millers zusammen mit Verwandten, die in den USA und Israel leben, eine Tafel gespendet, die die Arbeit von Wintringer würdigt und zu seinen Ehren vor der Friedhofsmauer aufgestellt wurde.

Der Ort ihrer Wurzeln

Für das Ehepaar ist Steinbach der Ort ihrer Ahnen, dort wo ihre Wurzeln sind. Auch wenn sie liebevoll Wintringer ihren „Ehrencousin“ nennen, fällt es den beiden schwer, wenn sie über einzelne Schicksale von Menschen sprechen, die auf dem jüdischen Friedhof ihre letzte Ruhe fanden. Wintringer erzählt von Arthur Aron und Leo Roos. Beide wurden nicht einmal 25 Jahre alt, als sie im ersten Weltkrieg für Kaiser, Volk und Vaterland starben. Sein Großvater, fügt Steven Miller hinzu, habe „Auf dem Feld der Ehre“ für Deutschland einen Arm verloren.

Verbandsbürgermeister Christoph Lothschütz nahm die Gelegenheit wahr, sich bei Josef Wintringer für dessen Engagement zu bedanken. Wintringer habe sich in Steinbach und darüber hinaus neben der Pflege des jüdischen Friedhofes auch mit historischen Artikel verdient gemacht. Darüber hinaus sei er die treibende Kraft bei der Entstehung des Heimatmuseums gewesen. Ein weiteres Projekt, in dem sich der 84-Jährige heute einbringt, seien die Stolpersteine, die auf dem Wanderweg „Jüdische Kultur“ bald verlegt werden sollen.

Traurige Kindheitserinnerungen

Auch Klaus Müller, Verbandsbürgermeister der ehemaligen Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler, ließ es sich nicht nehmen, die Eheleute Miller sowie Josef Wintringer zu begrüßen. Müller erinnerte an den Besuch von Carlotta Goldschmidt, der schon viele Jahre zurück liegt. Die damals hochbetagte Dame, eine Cousine von Ruth Millers Mutter, habe sehr lebendig ihre traurigen Kindheitserinnerungen erzählt. Erlebnisse eines Mädchens, die mit Gleichaltrigen spielte. Der einzige Unterschied zwischen den Freundinnen war, dass die einen evangelisch waren und sie ihren jüdischen Glauben lebte. Nicht selten hetzten Lehrer Jungs auf, die dann jüdische Mitbürger anpöbelten. Am Ende wurden jüdische Kinder aus dem Unterricht ausgeschlossen.

Müller war es auch, der nach eigenen Angaben den Steinbacher Rat vor vielen Jahren überzeugen musste, statt eines Heimatkabinetts ein Museum einzurichten, dass die jüdische Kultur hervorhebt. Wohlwissend, dass in Steinbach die letzte Steinkohlegrube von Rheinland-Pfalz 1959 schloss, die letzte Postkutsche zwischen Steinbach und Glan-Münchweiler verkehrte. Museum, Friedhof sowie der Wanderweg „Jüdische Kultur“ sind heute Bausteine einer Erinnerungskultur. Müller: „Es gibt keine kollektive Schuld, aber eine kollektive Verantwortung.“

Rückblick auf 860 Seiten

Ähnlich äußerte sich Markus Bauer, Vorsitzender des kulturhistorischen Vereins „Gericht Kübelberg“, der maßgeblich an den Wanderwegen des begehbaren Gesichtsbuches der Verbandsgemeinde Oberes Glantal mitwirkte. Wie Bauer ankündigte, werde in Kürze eine 860- seitige Publikation erscheinen, die insbesondere die jüdische Kultur im Landkreis widerspiegelt. An dem Buch wirkten neben Bauer auch Dieter Zenglein und Historiker Roland Paul mit. Es soll wahrscheinlich im August vorgestellt werden. Wann allerdings der Film Premiere haben wird, ist noch offen.

200 Grabstätten gibt es auf dem Friedhof.
200 Grabstätten gibt es auf dem Friedhof.
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