Kreis Kusel Ein fesselndes Wechselspiel
Mit viel Schwung, aber auch lyrischen Momenten entführten der Musikverein Kusel und der Orchesterverein Idar-Oberstein unter Leitung von Thomas Germain am Samstagabend in der Fritz Wunderlich-Halle fast 300 Besucher in die Welt der Klassik und Romantik. Als Gastsolist faszinierte der junge Geiger Dainis Medjaniks.
Ein ausgewogenes Klangbild, das bei aller Beweglichkeit eine tiefe Ruhe ausstrahlte, prägte die Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“. In dieses Idyll brachen allerdings immer wieder Spannungsmomente ein, die sich in einem kraftvollen Thema mit markant ausgestalteten Akzenten entluden. Malerische, weiche Streicherklänge voller Innigkeit, die durch wenige dunkle Trommelschläge unterstrichen wurden, leiteten eine lautmalerische musikalische Erzählung ein, die das Orchester auffallend klangschön und nuancenreich in sattem Streicherglanz ausgestaltete. Ein fesselndes Wechselspiel zwischen Ruhe und Erregung charakterisierte auch die Interpretation des Konzertes für Violine und Orchester D-dur op.61 von Ludwig van Beethoven. Im ersten Satz brillierte der erst 24-jährige Geiger Dainis Medjaniks aus Hannover, den Dirigent Thomas Germain bei einer gemeinsamen Konzerttournee durch China kennengelernt hatte. Seine subtile Gestaltung lotete feinste Ausdrucksschattierungen aus und stellte auch melodische Ausschmückungen voll höchster spieltechnischer Virtuosität immer in den Dienst der Interpretation. Auf eine ausdrucksstarke Solokadenz reagierte das Orchester mit einem eruptiven Thema, das sich machtvoll und markant Bahn brach. Streicher voll bebender Erregung unterstrichen den nervösen Puls des Orchesters, ein tremolierendes Geigensolo ließ den Klangkörper regelrecht fiebern. Frappierend war das Wechselspiel zwischen dem Orchester und Dainis Medjaniks, die sich gegenseitig Impulse gaben und sich die musikalischen Bälle zuspielten. Mahnende Akzente des Orchesters fielen immer wieder in das weiche Spiel des Geigers ein, zuerst kammermusikalisch verhalten. Dann griff das Orchester Fragmente des Geigenthemas auf und ließ sie in einen fulminanten Schlussakkord münden. Ein plastisches Klangrelief mit präzisen Konturen und dezidiert gesetzten Akzenten gestalteten der Musik- und der Orchesterverein im Larghetto. Diese tönende Erzählung gewann durch das hochvirtuose Spiel von Medjaniks immer mehr an Spannung und Ausdruck. Im schnellen Schlusssatz huschte ein dunkel getöntes Streicherthema leichtfüßig abwechselnd durch den Orchestersatz und das Spiel des Sologeigers, bevor es voller Kraft und Wucht vom Orchester übernommen wurde. Malerische, exotische Harmonien und Molleintrübungen verliehen dem Geigensolo von Medjaniks eine aparte Note. Für den begeisterten Applaus der Besucher bedankte sich der junge Künstler mit dem hochvirtuosen Capriccio Nr. 1 des italienischen „Teufelsgeigers“ Niccolo Paganini. Harsch und streng wirkte dagegen die Einleitung der Sinfonie Nr. 5 in D-Moll op.107 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, auch unter dem Namen „Reformationssinfonie“ bekannt. Fanalartige Motive mit dumpfen Tubaakzenten leiteten über in einen Choral. Nach dem Einsatz des Orchesters überstürzte sich das Thema in verschiedenen Instrumentengruppen, voller Schwung und Temperament ließ das Orchester dramatische Entwicklungsprozesse und Spannungsmomente lebendig werden in diesem zunächst eher spröde anmutenden Werk. Überhaupt loteten Dirigent Thomas Germain und das Orchester die unterschiedlichen Stimmungen der Sinfonie spielfreudig aus. Malerisch-vibrierende Erregung und beschwörende Mahnung brachten sie gleichermaßen zur Geltung, bewusste Langsamkeit hob Spannungsmomente hervor. In vollem Klangbild, das durch Blechbläser eine kämpferische Note erhielt, begleitete das bewegt agierende Orchester den Lutherchoral „Ein feste Burg ist unser Gott“ zum Ausklang.