Westernreiten RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Europameister im Kuseler Land

Nina Lill, Pferd Jay Jay und Dominik Reminder bei den Ställen im heimischen Hof in Börsborn.
Nina Lill, Pferd Jay Jay und Dominik Reminder bei den Ställen im heimischen Hof in Börsborn.

Dominik Reminder ist einer der besten Westernreiter Europas. Im vergangenen Jahr wollte der Karlsruher seine Karriere in Arizona fortsetzen und auswandern. Die Liebe zu einer Westernreiterin aus Börsborn war jedoch größer und er blieb.

Es ist kalt in Börsborn. Drei Grad zeigt das Thermometer an, während Dominik Reminder den Boden der Reithalle mit seinem Traktor und einem Abziehgerät aufbereitet. Seit sieben Uhr ist er bereits auf den Beinen, war im Stall bei den Pferden und ist auch schon mit ihnen ausgeritten. Gut 45 Minuten dauert so ein Ausritt beziehungsweise eine Trainingsstunde. Denn Reminder selbst ist nicht der Eigentümer der Pferde.

Er trainiert sie lediglich für Kunden. Dabei ist der 35-jährige Karlsruher viel mehr als nur ein Trainer. Er ist Profi im Westernreiten - und zwar der aktuell Beste in Europa in der Disziplin „Reining“, dem Dressurreiten beim Westernreiten. Anfang November gewann er nicht nur die Open Championship in Lyon (eine Art Champions League der Westernreiter), sondern qualifizierte sich damit auch für einen Platz im „The run for a million“-Turnier im kommenden August in Las Vegas. Dem größten Event für das Reining weltweit.

Reminder mit Premiere

Er ist damit der erste in Europa lebende Reiter, dem das gelingt, sagt Freundin Nina Lill stolz. „Es ist schon etwas Besonderes, sich mit den Besten messen zu können. Es ist auf jeden Fall mein größter Karriereerfolg“, freut sich Reminder auf die Teilnahme. Trotz seiner großen Erfolge spricht er selbst nur sehr ungern darüber. Der 35-Jährige ist ein eher ruhiger und bedachter Mensch, der aber trotzdem immer ein Lächeln auf den Lippen trägt.

Lill, die ebenfalls Westernreiterin ist, spricht hingegen gerne über das vergangene Jahr und die vielen schönen Momente, die für beide nicht nur sportlicher Natur waren. Denn seit einem Jahr sind die beiden nicht mehr nur Freunde, sondern ein Paar. Kennengelernt hatten sich Lill und Reminder bereits vor knapp 20 Jahren auf einem Turnier in Kreuth (Bayern). Ernst wurde es aber lange nicht. „Es gab da sicher immer schon ein kleines Interesse, und es lag etwas in der Luft. Aber wir waren in anderen Beziehungen“, berichtet Lill.

Börsborn statt Arizona

Im vergangenen Jahr standen die Chancen für eine Beziehung dann aber anscheinend gut. Beide waren Single und kamen sich näher - aus Freundschaft wurde Liebe. Ganz so einfach war es dann doch nicht. Reminder hatte zunächst andere Pläne. Der Profi wollte seine Karriere in der Heimat des Westernreitens - den USA - fortsetzen. „Ich hatte mich bereits um ein Visum gekümmert, um in Arizona mit einem Kollegen arbeiten zu können“, berichtet Reminder.

Dazu kam es dann aber nicht. Die Gefühle füreinander verhinderten eine Auswanderung nach Scottsdale, und Reminder zog auf den Hof der Familie Lill, ins beschauliche Börsborn. Reminders Lächeln verrät: Es ist die richtige Entscheidung. Obwohl beide täglich viele Stunden zusammenarbeiten und auch im Anschluss an die Arbeit viel Zeit zusammen verbringen, funktioniere die Beziehung super, so Lill. Die Aufgaben sind dabei klar verteilt.

Leben im Paradies

Während Reminder schon früh morgens in die Ställe geht und sich um die Tiere kümmert, bringt Lill ihre zwei Jungs in den Kindergarten, ehe sie dann ebenfalls im Stall hilft und die Tiere ausreitet. „Wir wissen, was wir zu tun haben“, sagt Lill, die auch für die Buchhaltung zuständig ist. Die Aufgaben sind also klar verteilt. Und wenn doch mal Not am Mann ist, helfen Vater und Mutter der Reiterin. Im Familienbetrieb fühlt sich Reminder „wie zu Hause“.

„Wir leben alle zusammen in einem Haus. Jeder hat da seine eigene Wohnung“, berichtet Lill. Ihr Vater habe ein kleines Paradies mit Whirlpool, Grillplatz und Tiny House aufgebaut, schwärmt Lill vom Haus und dem Gelände drum herum. Auf diesem befinden sich auch eine große und eine kleine Reithalle, Ställe und einige Garagen beziehungsweise Scheunen.

Weit gereist

Für Reminder ist eine solche - für den Außenstehenden beachtliche Anlage - sogar noch klein und im Vergleich zu anderen Ranches günstig. „In Italien gibt es Anlagen, die kosten zehn Millionen Euro“, berichtet Reminder. Und er wird es wissen, schließlich hatte er vor seinem Umzug in die Pfalz schon im Inland, aber auch in Tschechien, Polen und Italien als Trainer gearbeitet.

Nun scheint er angekommen und einen festen Ort für sich gefunden zu haben. Vielleicht gelingt ihm, mit der Unterstützung seiner Freundin und der Familie, eine weitere Premiere, und er gewinnt den nächsten Titel - in Las Vegas.

Dominik Reminder in Aktion.
Dominik Reminder in Aktion.
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