Reipoltskirchen
Dreier-Team bringt Ideenschmiede in die Orte der Alten Welt
Die Projekte und Fördermaßnahmen Dorfraum-Entwickler, Alte-Welt-Initiative, Leader und „Demokratie leben!“ werden seit 1. Juli durch das Personal in der „Ideenschmiede Alte Welt – Entwicklungszentrum ländlicher Raum“ in Reipoltskirchen zusammengeführt. „Ein Zusammenschluss von so vielen Seiten ist in dieser Form deutschlandweit bisher einzigartig, aber hat natürlich Modellcharakter auf Bundesebene“, erklärt Ingo Schenk vom Landesjugendpfarramt.
Er spielt damit auf die vielfältigen Verflechtungen des gesamten Projektes an. Dieses wird nämlich durch den Bund gefördert, von den vier Landkreisen Bad Kreuznach, Donnersberg, Kaiserslautern und Kusel sowie der evangelischen Kirche der Pfalz unterstützt. Dadurch habe man viele Verknüpfungen und Kontakte auf allen Ebenen. Durch die Zusammenarbeit sei laut Schenk eine bessere Jugendarbeit möglich.
Diese stehe bei dem Projekt im Vordergrund. Unter dem Oberthema „Jugendarbeit im ländlichen Raum“ wolle man Einblicke in die „Alte Welt“ und in die Sichtweise der Kinder und Jugendlichen auf ihre Dörfer gewinnen.
Zurück in die Heimat
Das hierfür benötigte Team ist nun endlich vollzählig. Bereits seit März war die 23-jährige Judith Bernhard damit beschäftigt, das Mobiliar und die Ausstattung in Reipoltskirchen einzukaufen und die Räume vorzubereiten. „Das ist meine erste richtige Festanstellung“, erzählt sie stolz. Zuvor hat sie Soziale Arbeit in Köln studiert. Die Distanz zu ihrer Heimat im Landkreis Kaiserslautern habe sie dabei gestört. „Ich liebe mein Dorf und bin sehr heimatverbunden“, sagt die 23-Jährige.
Deswegen hat Bernhard gezielt nach Jobs in der Region gesucht und sei sehr glücklich darüber, in Reipoltskirchen etwas nach ihrem Geschmack gefunden zu haben. Als „Organisatorin“ der Gruppe soll sie als Vermittlerin zwischen Gemeinden und Behörden dienen. Sie wird die Dörfer weiter betreuen, wenn Aktionen ihrer Kollegen abgeschlossen sind.
Spielerisch begegnen
Das Konzept der Ideenschmiede teilt sich grob in die drei Arbeitsgebiete auf, die mehr Initiative in den Dörfern wecken sollen: Alte-Welt-Spielwagen, Alte-Welt-Bauwagen und Dorfraumentwickler. Jeder der drei Hauptamtlichen übernimmt eines davon. Bernhard organisiert die Bauwägen. Diese sollen in den teilnehmenden Kommunen als zentrale Anlaufstelle und Treffpunkt für die Jugendlichen dienen, um Ideen zur „Revitalisierung“, also zur Wiederbelebung des ländlichen Raums zu erarbeiten.
Beim Alte-Welt-Spielwagen handelt es sich um ein Projekt, das von der 52-jährigen Anette Sahoraj begleitet wird. Die ausgebildete Theaterpädagogin hat wie Bernhard Soziale Arbeit studiert. „Ich arbeite gerne kreativ und habe hier die Möglichkeit, mich auszuleben und Menschen spielerisch zu begegnen“, beschreibt sie ihre Beweggründe, nach Reipoltskirchen zu kommen.
Die „Ideenschweberin“, wie sie sich selbst nennt, ist im Sommer bereits durch zwölf Dörfer gezogen. Dort hat sie durch Spiele und Angebote wie Töpfern mit allen Generationen Kontakt gesucht und gefunden. „So kommt man an die Jugendlichen heran und kann mit ihnen über ihre Vorstellungen und Ideen reden. Ich habe die Alte Welt jetzt schon kennen und lieben gelernt“, berichtet sie. Das Angebot sei dankend und zahlreich genutzt worden.
Forschung und Praxis
Das dritte Arbeitsgebiet, die Dorfraumentwicklung, wird seit dem 20. September von Lukas Wirth vertreten. Der 27-Jährige hat neben Sozialer Arbeit auch Sozialwissenschaft studiert. Nach der Masterarbeit habe er gemerkt, dass er nicht nur an einem Institut forschen möchte. „Mir hat die Arbeit mit Jugendlichen schon immer Spaß gemacht. Deswegen wollte ich das kombinieren. An dieser Stelle funktioniert das sehr gut“, erklärt Wirth.
Sein Schwerpunkt liegt in der Erarbeitung und wissenschaftlichen Erforschung der Gegebenheiten in den Gemeinden. Daher rührt der Spitzname „Professor“. Er plant gerade fleißig Interviews mit Jugendlichen, die aufzeigen sollen, wie individuelle Probleme der Gemeinden von den Bewohner kompensiert werden.
„Alte Welt, wir sind da!“
Wegen der Pandemie konnten viele der bisher geplanten Aktionen gar nicht oder nur in abgewandelter Form stattfinden. „Die Mannschaft ist bereit, aber wird von Corona ausgebremst“, fasst Schenk die Lage zusammen. Das Team versuche, jede Gelegenheit für Kontakt zu nutzen – und sei es nur eine digitale Gruppe zum Chatten. „Wir werden das umsetzen, was möglich ist. Dafür müssen wir auf die geltenden Regeln kurzfristig reagieren“, resümiert Bernhard.
Ziele für das nächste Jahr seien demnach mehr Besuche in Gemeinden, das Knüpfen neuer Kontakte und die Verfestigung bestehender Verbindungen. Auf welchen Wegen das geschehe, sei noch offen. Fest steht, dass alle drei hochmotiviert darauf warten, ihre Ideen und Pläne in die Tat umzusetzen und für Unterstützung der Menschen in der „Alten Welt“ vorbereitet sind. Oder um es mit den Worten von Sahoraj zu sagen: „Alte Welt, wir sind da!“