Waldmohr RHEINPFALZ Plus Artikel Dr. Theiss auf Wachstumskurs in der ehemaligen Möbelhalle

Viel Platz für das Beladen der Lastwagen.
Viel Platz für das Beladen der Lastwagen.

Das Aus für den Möbelhersteller CS Schmal 2018 ist zum Glücksfall für die Homburger Dr. Theiss Naturwaren GmbH geworden. Im ersten Schritt ist ein neues Hochregallager entstanden. Bald soll auch eine Produktion gestartet werden.

Keine zehn Minuten fährt Geschäftsführer Giuseppe Nardi von den beiden Homburger Werken ins Industriegebiet nach Waldmohr. Von dort sind es nur zwei Minuten bis auf die Autobahn. In der ehemaligen Produktionshalle von CS Schmal, 82.000 Quadratmeter groß, werden unter anderem Produkte zwischengelagert, die für das Ausland bestimmt sind. Der Exportanteil des Herstellers von pharmazeutisch-kosmetischen Produkten liegt bei rund zwei Drittel. Gemietete Flächen in Homburg hat Dr. Theiss wieder gekündigt. Der geplante Bau eines Logistikzentrums in Homburg ist wieder abgeblasen.

„Bessere Bedingungen als hier hätten wir kaum finden können“, begründet Nardi die bisherigen Investitionen in Waldmohr über fünf Millionen Euro. Die Dächer wurden neu gedeckt und vor allem die Böden auf die neuen Anforderungen an die Hygiene saniert. „Die Halle war in einem guten Zustand. Wir sind aber eben kein Möbelhersteller, bei Medizin- und Körperpflegeprodukten gelten andere Standards“, sagt der Geschäftsführer.

Aktuell 50 Mitarbeiter

In der genannten Investitionssumme ist der Kaufpreis nicht enthalten. Die Bietergemeinschaft von Dr. Theiss und den beiden Logistik-Unternehmen Vario Pack und Wasem hatte mit dem Insolvenzverwalter Stillschweigen vereinbart. Weitere fünf Millionen Euro sollen für den Aufbau einer Produktionsstätte in die Hand genommen werden. „Wenn Corona nicht gekommen wäre, würden wir hier schon produzieren und hätten damit am Standort über 100 statt derzeit rund 50 Mitarbeiter“, rechnet Nardi vor. 30 Mitarbeiter seien bereits neu eingestellt worden.

Was genau in Waldmohr produziert wird, ist noch offen. Das Unternehmen kommt auf eine vierstellige Produktpalette, die ständig wechselt. Aktuell werden bereits Tabletten für den russischen Markt in Waldmohr endverpackt. In der Halle sind überall Kisten gelagert mit der medizinischen Zahnpasta-Marke Lacalut, für die auf den Ärmeln der Trikots des 1. FC Kaiserslautern geworben wird. Auf der Brust der Fußballer steht Allgäuer Latschenkiefer, das Fuß- und Beinpflegemittel, mit dem Dr. Theiss bundesweit auch über seine Marketing-Kampagnen bekannt wurde. Nardi ist Gesellschafter der Profimannschaft des 1. FC Kaiserslautern. Peter Theiss hatte 1976 die Homburger Markt-Apotheke von seinem Vater übernommen und 1978 mit der Produktion von Salben begonnen.

Neue Marke für Desinfektionsmittel

Durch die Pandemie kommt das Unternehmen, das 2019 einen Umsatz von 326 Millionen Euro angab, nach Aussage von Sprecherin Vera Backes ohne deutliche Umsatzrückgänge. Es gebe die erwarteten Einschnitte bei Kosmetikprodukten – „wer weniger ausgeht und Maske tragen muss, braucht weniger Lippenpflege, auch die Aufenthaltsdauer in den Apotheken ging zurück“. Man habe sich aber auch schnell neue Geschäftsfelder erschlossen. Dr. Theiss hat unter anderem die Produktion von Desinfektionsmitteln der Marke Milinda aufgenommen. Mitarbeiter der Gastronomie-Tochter, die Gruppe betreibt unter anderem das Homburger Schlossberg-Hotel, habe man so alternative Arbeitsplätze anbieten können. Etwa 100 Jobs seien gerettet worden.

Die Gruppe in Familienbesitz, geführt von den Gesellschaftern Peter Theiss und Giuseppe Nardi, kommt auf rund 2000 Mitarbeiter, davon 550 in Deutschland. „Viele Pfälzer sind auch dabei“, sagt Nardi lachend. Mit dem neuen Standort in Waldmohr komme zusammen, was in der Saar-Pfalz schon immer zusammen gehöre.

Das neue Hochregallader in der ehemaligen Produktionshalle.
Das neue Hochregallader in der ehemaligen Produktionshalle.
Lacalute-Zahnpflege-Tuben werden in Waldmohr verpackt.
Lacalute-Zahnpflege-Tuben werden in Waldmohr verpackt.
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