Neben der Strasse RHEINPFALZ Plus Artikel Die Muhleiche bei Börsborn

Rund 18 Meter hoch ist die Muhleiche bei Börsborn.
Rund 18 Meter hoch ist die Muhleiche bei Börsborn.

Die Börsborner kennen zwar nicht das genaue Alter ihrer „Muhleiche“, aber sie sind überzeugt, dass sie die älteste Eiche im gesamten Kreis Kusel ist. Als „Nummer eins“ der Naturdenkmale im Kreis Kusel bezeichnet sie Horst Ohliger.

Horst Ohliger war Gymnasiallehrer und zu seinen Hobbys gehörten zeichnen und fotografieren. Mit Hilfe seiner Kunst dokumentierte er die Bäume im Westrich und veröffentlichte die Bilder in seinem Buch „Eichen, Buchen, Linden“ (1992). Darin beschreibt er die Börsborner Eiche als „gewaltigen Baum mit individueller Gestalt und markanter Silhouette“. Wer sie an der Straße nach Steinbach stehen sieht, findet diese Charakteristik nicht übertrieben.

In der Bevölkerung wurde der Baum oft nur „dicke Eiche“ genannt, aber der offizielle Name ist Muhleiche (pfälzisch „Muhlääch“), denn die Gewanne, auf der sie gewachsen ist, heißt „In der Muhl“ (Mulde). Mit einer Höhe von 18 Metern und einem Umfang von 6,15 Metern ist die Stieleiche dicker und wahrscheinlich auch älter als die Hubertuseiche bei Haschbach.

Zwei Wanderwege

Weil sie nicht im Wald steht, konnte sie sich uneingeschränkt entwickeln. Wassertriebe fehlen, auch die Krone ist fast vollständig erhalten. Einige der Äste sind sehr eindrucksvoll und so mächtig wie ganze Bäume. Bei einer Sanierung 1986 wurde dem Baum ein guter Zustand bescheinigt.

Leider konnte das genaue Alter nicht bestimmt werden. Eine Baumringuntersuchung war nicht möglich, weil das Innere so hohl war, dass sie sogar Kindern als Unterschlupf gedient haben soll. Um den Stamm zu stabilisieren, hat man den fehlenden Kern mit Steinen ausgefüllt. Die Rettungsaktion war erfolgreich, denn der Stamm konnte wieder zuwachsen. Aber auch ohne exakte Datierung schätzt man aus dem Umfang ein Alter von etwa 500 Jahren.

Umfang 6,16 Meter

Die Börsborner sind sehr stolz auf ihren Baumriesen. Deshalb kann man Ohligers Text auf einer Infotafel lesen. Es gibt auch zwei Wanderwege, die hier vorbeiführen. Einer von ihnen ist der längere „Rundwanderweg Muhleiche“. Auch der „Weg jüdische Kultur“ zwischen Ohmbach und Glan führt hier vorbei.

Neben der Eiche steht eine Bank, die zum Ausruhen einlädt. Mit ein wenig Fantasie kann man sich vorstellen, was der Baum aus seiner Geschichte erzählen könnte; von den mittelalterlichen Bauern, die auf ihre Felder gehen oder dem Grundherrn ihre Abgaben bringen. Und von den Pilgern, die vorbeiziehen und in seinem Schatten rasten. Aber es sind nicht immer nur friedliche Geschichten, sondern sie handeln auch von Soldaten, kaiserlichen und schwedischen, französischen und deutschen. Und schließlich hat der Baum erlebt, wie Menschen vertrieben wurden oder ihr Land verließen, um eine bessere Heimat zu suchen. Was könnte er in hundert Jahren über die heutige Zeit erzählen?

x