Kusel
Die Gärtnerei Hanns in Kusel ist mittlerweile ein Schwergewicht der Gärtnerei-Branche
Was 1895 von Alfred Hanns gegründet wurde, hat sich unter der Leitung von Inhaber Jürgen von Blohn (62) zu einem Schwergewicht der Gärtnerei-Branche entwickelt. Heute führt er das Unternehmen gemeinsam mit seinen Kindern Theresa (39) und Markus (38).
Der Weg zum Erfolg verlief nicht ohne Risiko. Mit 19 Jahren übernahm von Blohn 1982 die Gärtnerei Hanns, in der er zuvor gelernt hatte. Ein mutiger Schritt? Mut sei damals gar nicht sein Thema gewesen. „Ich dachte nur: Klasse, jetzt bin ich Chef“, erinnert er sich schmunzelnd. Viel mehr Mut habe im Jahr 1999 die Übernahme einer zweiten Gärtnerei in Landstuhl erfordert – eine Millionen-Investition (noch in D-Mark), für die der Stammbetrieb bürgen musste. „Wäre das schiefgegangen, wäre alles weg gewesen.“ Doch das Wagnis zahlte sich aus. Aus den ursprünglichen 5000 Quadratmetern und zwei Mitarbeitern sind heute 30.000 Quadratmeter und eine Belegschaft von 50 festen Mitarbeitern geworden. Neben dem Hauptstandort in Kusel und der Filiale in Landstuhl hat die Gärtnerei Hanns mittlerweile noch zwei weitere Außenstellen – in Idar-Oberstein und Mainz-Kastel. „Nur die Großen überleben, kleinere Gärtnereien sterben langsam aus“, sagt Jürgen von Blohn.
Kinder gegen weitere Expansion
Trotzdem hat der Seniorchef vor einem Jahr weitere Pläne zur Expansion der Gärtnerei Hanns zu den Akten gelegt – auf Drängen seiner Kinder. In Edesheim bei Landau stand er kurz vor der Übernahme eines Gärtnereibetriebs, in Saarbrücken hatte der Unternehmer ein Gelände für einen Neubau im Blick. „Aber meine Kinder meinten, der Betrieb sei schon groß genug“, sagt Jürgen von Blohn. Seine Tochter begründet die Zurückhaltung: „Wir haben unsere Kräfte schon ziemlich ausgeschöpft.“ Der Familienbetrieb habe nicht genug Personal, um zwei weitere Standorte zu übernehmen. Insbesondere habe es an Führungskräften gefehlt, die Verantwortung übernehmen. „Deshalb waren wir Kinder gegen die Expansion“, sagt Theresa von Blohn. Der Seniorchef akzeptiert die Entscheidung und sieht das Gute: „Wir sind praktisch veranlagte Gärtner-Menschen.“ Die Geschäftsführer wollten nicht nur im Büro und Besprechungszimmer sitzen oder mit Banken über Kredite verhandeln, sondern selbst Hand anlegen im Betrieb.
Der Generationswechsel ist derweil in vollem Gange. Der Seniorchef hat ankündigt, sich langsam auszuklinken. „Aber gar nicht mehr herzukommen, das wäre schrecklich für mich“, gesteht er. Deshalb will er im Hintergrund noch präsent bleiben. Seine Kinder sind längst in ihre Rollen hineingewachsen. Theresa von Blohn hat ihren Beruf als Ergotherapeutin aufgegeben und arbeitet seit drei Jahren in der Geschäftsführung in Kusel mit, nachdem sie zuvor die Filiale in Landstuhl geleitet hatte. Sie managt beispielsweise die Online-Auktionen: Früh morgens sitzt sie am Computer und ordert per Mausklick im Sekundentakt Saisonware bei Deutschlands größter Blumen- und Pflanzenversteigerung, der „Veiling Rhein-Maas“ bei Straelen (nahe Venlo) am Niederrhein. Dort ist die Kuseler Gärtnerei sogar mit eigener Halle und drei Mitarbeitern vertreten, die die ersteigerten Pflanzen kommissionieren und zur Lieferung bereitstellen. Transportiert wird die Ware mit eigenen Lastwagen. Mindestens ein Drittel des Sortiments der Kuseler Gärtnerei stammt aus diesen Versteigerungen, der Rest direkt von Produzenten im In- und Ausland, nicht vom Großhandel.
„Viele Lieferanten sind längst zu Freunden geworden“
Markus von Blohn verantwortet den Einkauf der unterschiedlichen Baumtypen und ist dazu auch im Ausland unterwegs – vor allem in Italien. Der Gärtnermeister hatte vor seinem Einstieg in die Geschäftsleitung in Kusel Erfahrungen bei einem Zulieferbetrieb in der Toskana gesammelt und sich dort „viel abgeschaut“. Seine Spezialität sind mediterrane Pflanzen wie Palmen, Olivenbäume und Feigen.
„Wir ergänzen uns gut“, sagen die drei von Blohns. Während der Vater von der digitalen Kompetenz der Kinder – beispielsweise beim Warenwirtschafts- und Kassensystem – profitiert, schätzen Tochter und Sohn dessen jahrzehntelange Geschäftserfahrung und ziehen Nutzen aus den väterlichen Kontakten zu langjährigen Lieferanten. „Viele Lieferanten sind längst zu Freunden geworden“, sagt Jürgen von Blohn.
Mit eigener Logistik
Ein Herzstück der Gärtnerei ist die eigene Logistik. Mit vier Lastwagen und elf weiteren Betriebsfahrzeugen sei man unabhängig von Speditionen. Das mache die Gärtnerei flexibel, wenn schnell Tomaten, Kräuter oder Salate geliefert werden müssen, sagen die Geschäftsführer. So flink könne keine Spedition auf das aktuelle Tagesgeschäft reagieren. Rund 70 Prozent der Transporte werden eigenständig abgewickelt, der Rest über Logistikunternehmen – insbesondere im Italien- und Spaniengeschäft.
Zum aktuellen Umsatz macht der Familienbetrieb keine Angaben. Die letzten Zahlen stammen aus dem Geschäftsjahr 2020. Damals erwirtschaftete die Gärtnerei einen Jahresumsatz von rund sieben Millionen Euro. Nur so viel gibt Jürgen von Blohn preis: „Wir befinden uns heute in einer komfortablen Situation.“ Investiert wird derzeit vor allem in Nachhaltigkeit, etwa durch die Umstellung der Gabelstapler auf Elektroantrieb. Auch bei den Lastwagen werde über eine Elektrifizierung nachgedacht. Dem Fachkräftemangel begegnet man pragmatisch: Da die bürokratischen Hürden für die Ausbildung zu hoch seien, setze der Betrieb auf Quereinsteiger. „Das klappt auch relativ gut“, sagt Markus von Blohn.
Obwohl die Arbeit den Alltag bestimmt – selbst beim gemeinsamen Essen ist die Firma das Hauptthema –, herrscht Leidenschaft vor. Wenn im Januar Betriebsurlaub ist, fühlt sich das für Theresa von Blohn „wie Entzug“ an. „Wir können es dann kaum erwarten, bis es wieder losgeht.“
Auf einen Blick: Gärtnerei Hanns
Gründung: 1895 (Übernahme durch Jürgen von Blohn 1982)
Fläche: 30.000 Quadratmeter
Mitarbeiter: 50
Fuhrpark: 15 Fahrzeuge (davon vier Lkw)
Standorte: Hauptsitz in Kusel, Niederlassungen in Idar-Oberstein, Landstuhl und Mainz-Kastel
Einzugsgebiet: rund 50 Kilometer Radius um Kusel
Tipp des Gärtners: Nicht am Grund sparen
Ein Fehler, den man beim Gärtnern unbedingt vermeiden sollte, sei, schlechte Erde zu benutzen, sagt Markus von Blohn. Der Gärtnermeister erlebt immer wieder, dass Leute hochwertige Pflanzen kaufen, aber dann zu wenig Geld für gute Erde ausgeben. Sein Rat lautet deshalb: beim Pflanzen auch in gute, nährstoffhaltige Erde investieren.