Ulmet RHEINPFALZ Plus Artikel Die Biber kehren an den Glan zurück

Dieser Baum am Glanufer zeigt eindeutige Fraßspuren eines Bibers.
Dieser Baum am Glanufer zeigt eindeutige Fraßspuren eines Bibers.

Ein Biber hat es sich derzeit offenbar am Glan in Ulmet bequem gemacht. Wer dieser Tage am dortigen Glanufer spazieren geht, kann seine Spuren an diversen Bäumen entdecken. Und manch einem Spaziergänger ist der Nager sogar schon über den Weg gelaufen.

Es sind charakteristische Spuren, die sich da an so manchem Baum entlang des Glans in Ulmet finden. Nach den ersten Sichtungen kam deshalb auch sofort der Verdacht auf, dass sich dort derzeit mindestens ein Biber aufhält. Und sowohl die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd als auch das Landesamt für Umwelt bestätigen nach der Zusendung eines Fotos, dass es sich „eindeutig um eine Fraß- und Nage-Aktivität des Bibers“ handele.

Vereinzelte Rückkehrer

Lange Zeit hatte man das größte europäische Nagetier – bis zu 30 Kilogramm schwer können die Tierchen werden – nicht mehr in unseren Gefilden gesehen, mittlerweile taucht er aber zumindest vereinzelt wieder bei uns auf. „Vorkommen des Bibers am Glan sind im Oberlauf bei Nanzdietschweiler sowie am Mohrbach bei Ramstein bekannt, zudem kommt die Art bereits in der Nahe vor. Zwischen diesen Ansiedlungen gibt es einzelne Nachweise von Spuren im Unterlauf des Glans, kurz vor der Mündung in die Nahe“, berichtet Ulrike Schneider von der SGD.

Das Landesamt für Umwelt (LFU) hat ganz ähnliche Informationen. „Uns sind derzeit zwei Nachweise bekannt: Einmal Spuren unterhalb von Meisenheim und einmal eine Familie unterhalb von Waldmohr“, informiert Milan Sell von der Stabsstelle Planung und Information beim LFU. Dass die Nager sich wieder ausbreiten, sei indes eine gute Nachricht. „Biber waren in Deutschland bis auf wenige Tiere in der Elbe ausgerottet und erobern jetzt wieder sukzessive unsere Gewässer. Das Landesamt für Umwelt begrüßt daher die Wiederausbreitung des Bibers“, so Sabine Riewenherm, Präsidentin der Behörde.

Streng geschützt

In ganz Rheinland-Pfalz habe es im Jahr 2019 etwa 60 feste Biber-Reviere gegeben. Darüber hinaus seien auch viele Einzelnachweise bekannt. Grundsätzlich seien Biber nützliche Tiere. „Biber fällen Bäume am Gewässerrand, die sie zum Dammbau und als Nahrung benötigen. Dadurch gestalten sie aber gleichzeitig strukturreiche Auen und Feuchtgebiete in den Tallagen“, teilt das LFU mit.

So seien die Biber auch Wegbereiter für zahlreiche Vogelarten wie Zwergtaucher, Graureiher, Schwarz- und Weißstorch, Rallen, Enten, aber auch für Amphibienarten, Libellen, andere Wasserinsekten, die in unserer Kulturlandschaft allesamt gefährdet seien.

Nicht zuletzt deshalb gelten Biber auch nach dem Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützte Art. Laut LFU sind die Nager auf europäischer Ebene durch die sogenannte Berner Konvention geschützt. Außerdem seien sie in den EU-Mitgliedstaaten in der sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet. Dabei handelt es sich um eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union, mit dem Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen.

Eine Gefahr könnte von den Bibern nur ausgehen, wenn sie einen großen Damm anlegen, durch den viel Wasser aufgestaut würde. Dass die Großnager aber am Glan Dämme bauen, sei eher unwahrscheinlich. „Dämme bauen sie nur, wenn die Wasserführung der Bäche und Gräben gering ist“, weiß Riewenherm. „Am Unterlauf von Glan und Nahe ist deshalb eher nicht damit zu rechnen.“ Sollte es dennoch geschehen, dürfte ein solches Bauwerk aber nicht einfach entfernt werden.

Biberzentrum kümmert sich

„Aufgrund des Schutzstatus dürfen Bauten und Dämme nicht beeinträchtigt werden. Führen die Aktivitäten der Tiere zu Konflikten, können diese in den meisten Fällen durch eine Aufklärung oder durch gezielte Minderungsmaßnahmen entschärft werden“, so die SGD Süd.

Solche Maßnahmen könnten laut LFU zum Beispiel sogenannte Dammdrainagen sein, mit denen die Bauten versehen werden können, wenn beispielsweise Wege und landwirtschaftliche Kulturen gefährdet werden. Entsprechende Anträge seien aber laut SGD bisher nicht gestellt worden, so dass bisher keine Ausnahmegenehmigungen oder Befreiungen erteilt worden seien.

Offizielle Untersuchungen zur Population des Bibers gibt es laut SGD zwar keine, allerdings gehe das Biberzentrum in Fischbach bei Dahn gemeldeten Hinweisen nach und erfasse diese.

Info

Die Homepage des Biberzentrums ist unter www.biber-rlp.de zu finden. Dort steht unter anderem auch ein Flyer über das größte Nagetier Europas zum Download bereit.

Biber gehören zu den geschützten Arten.
Biber gehören zu den geschützten Arten.
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