KUSEL RHEINPFALZ Plus Artikel Der Sonne zugeneigt: Zehn Solarparks im Kreis geplant

Bisher weist der Landkreis zwei Freiflächenanlagen für Fotovoltaik aus: eine davon am Schneeweiderhof.
Bisher weist der Landkreis zwei Freiflächenanlagen für Fotovoltaik aus: eine davon am Schneeweiderhof.

Das Anbaugebiet Baden wirbt mit dem Slogan „Von der Sonne verwöhnt“ für seine Weine. Dieser Satz könnte bald auch für den Kreis Kusel zutreffen. Sind doch im Landkreis aktuell knapp zehn Solarparks in Planung, die Sonnenstrahlung in elektrische Energie umwandeln können.

Bisher weist der Kreis Kusel lediglich zwei Freiflächenanlagen für Fotovoltaik auf. Seit Ende 2008 am Netz ist die Freiflächenanlage am Schneeweiderhof. Eigentümer ist die Neue Energie Pfälzer Bergland GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Pfalzwerke AG und des Landkreises. Knapp vier Jahre später folgte eine Solaranlage mit einer Leistung von drei Megawatt in der Gemarkung Albessen an der A 62. Betreiber der Anlage ist die Stawag Solar GmbH, eine Tochter der Aachener Stadtwerke AG.

In Albessen sind für einen weiteren Solarpark erste Weichen gestellt, wie Beigeordneter Joachim Deckbar der RHEINPFALZ erläutert. Auf einer Fläche von zwölf Hektar, die in Privatbesitz ist, plant das Unternehmen Wes Green GmbH aus Trier nördlich der Autobahn eine Fotovoltaik-Anlage. Geprüft werde zudem die Erweiterung des Areals um eine gemeindeeigene Fläche von knapp drei Hektar, sagt Deckbar. Die Jahresleistung der geplanten Anlage könnte den Angaben zufolge zehn Megawatt betragen.

Bisher zwei Anlagen

Weiter fortgeschritten sind zwei andere Projekte für Freiflächenanlagen in der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan. Bereits im März will die Beck-Projekt GmbH & Co. KG aus dem württembergischen Brackenheim mit dem Bau einer Solaranlage auf dem ehemaligen TDK-Gelände an der B 420 zwischen Kusel und Rammelsbach beginnen. Auf der knapp drei Hektar großen Fläche, die derzeit als Pferdekoppel genutzt wird, ist laut Investor Sebastian Beck eine Leistung von 2,1 Megawatt geplant. Die Investitionssumme liege bei knapp 1,4 Millionen Euro.

Trotz Einwänden von Naturschützern rückt ebenfalls die Realisierung einer Fotovoltaik-Freifläche in der Gemarkung Ulmet näher. Auf einem 1,8 Hektar großen Grundstück einer militärischen Konversionsfläche, auf der sich bis 2010 auch eine Nato-Pumpstation befand, will die Solarpark Ulmet GbR auf einer Teilfläche Module errichten. Nachdem die Kreisverwaltung als Untere Landesplanungsbehörde das Vorhaben positiv beschied, gab der Gemeinderat grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Im Oktober beschloss der Verbandsgemeinderat eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes.

Die Gemeinden Einöllen und Kirrweiler in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein veröffentlichten kürzlich die Entwürfe der Bebauungspläne für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen in ihren Gemarkungen. Danach ist auf Einöller Gebiet „Am Weiherkopf“ ein Solarpark auf einem Areal von rund sechs Hektar vorgesehen. Errichtet wird die Anlage von der Abowind GmbH. Für den Solarpark mit einer Nennleistung von drei Megawatt sei mit dem Baubeginn im Herbst zu rechnen, sagt Timo Jené von Abowind. Den Windpark Einöllen mit drei Windrädern, die im März fertiggestellt werden, hat der Projektentwickler aus Wiesbaden Ende 2020 an den Dortmunder Energieversorger DEW21Stadtwerke verkauft.

In Kirrweiler sollen im bereits seit 2015 bestehenden Windpark Solarmodule errichtet werden. Die Freiflächenanlage soll „Oben auf dem Hahn“ auf einem Areal von knapp neun Hektar entstehen, sie grenzt direkt an den Truppenübungsplatz. Wie beim Windpark Kirrweiler ist Träger eine Betriebsgesellschaft der Stadtwerke Bad Vilbel und Viernheim. Die Anlage mit einer Leistung von vier bis fünf Megawatt könnte 2022 ans Netz gehen, wenn keine unvorhersehbaren Hindernisse auftauchten, sagt Andreas Vondung, Projektentwickler der Stadtwerke Viernheim.

Große Anlage in Lohnweiler

Die größte Freiflächenanlage für Solarenergie im Nordkreis ist für Lohnweiler vorgesehen. Die Anlage werde auf einer Fläche von insgesamt 33 Hektar geplant, teilt Pressesprecher Felix Wächter von der Wörrstadter Juwi AG der RHEINPFALZ mit. Bis zu fünf Hektar würden allerdings nicht mit Solarmodulen bestückt, um in diesen Bereichen mehr Biodiversität zu erreichen. Die Leistung der Anlage wird Wächter zufolge voraussichtlich 27,5 Megawatt betragen. Dies bedeute ein Jahresmenge an Strom von knapp 29 Millionen Kilowattstunden, was einem Stromverbrauch von mehr als 9300 Haushalten entspreche.

In Betrieb gehen soll die Anlage, für die nach dem positiven Raumordnungsbescheid das Bauleitplanverfahren im Frühjahr starten soll, im Jahr 2023, wie Juwi-Sprecher Wächter ergänzt. Nach seinen Angaben plant der rheinhessische Projektentwickler für Wind- und Solarenergie eine weitere Fotovoltaik-Freiflächenanlage in Kreimbach. In den Gemeinden Kreimbach-Kaulbach und Hausweiler, wo eine kleinere Anlage geplant ist, hätten Prüfungen ergeben, dass dort den Erfordernissen der Raumordnung entsprochen werde, sagt Pressesprecherin Karla Hagner von der Kreisverwaltung.

Politisch begünstigt

Den „Boom“ an Freiflächenanlagen für Fotovoltaik im Nordkreis führt Helmut Dahlmanns von der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein darauf zurück, dass der Errichtung von Windparks zunehmend Umwelterfordernisse entgegenstünden. Begünstigt werde dieser Trend zudem durch eine Landesverordnung, wonach seit 2019 Freiflächenanlagen auf „standortbedingt ertragsschwachen Grünlandflächen“ in benachteiligten Gebieten an der Ausschreibung für Solaranlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) teilnehmen können, ergänzt der Fachbereichsleiter Natürliche Lebensgrundlagen und Bauen. Diese Regelung sei allerdings bis Ende 2021 befristet, gibt er zu bedenken. Für die EEG-Förderung kommen ansonsten in Frage versiegelte und Konversionsflächen, Geländestreifen an Autobahnen und Schienenwegen, bundeseigene Flächen, sowie Flächen in Gewerbe- und Industriegebieten.

x