Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Der Mann für das Wir-Gefühl – Landrat Rubly feiert 65. Geburtstag

Momente, in denen zu spüren ist, wie gerne Otto Rubly seinen Job macht: der Landrat beim Helferfest im Impfzentrum.
Momente, in denen zu spüren ist, wie gerne Otto Rubly seinen Job macht: der Landrat beim Helferfest im Impfzentrum.

Es gibt Menschen, die verändern sich im Amt. Erst recht, wenn sie unerwartet und überraschend an die Schalthebel der Macht kommen. Das gilt nicht für den Kuseler Landrat Otto Rubly. Der Landwirt aus Schönenberg-Kübelberg ist sich auch als Berufspolitiker treu geblieben. Er wird am Samstag 65.

Eine Spur hemdsärmelig, bescheiden und vor allem immer das Herz auf der Zunge, so führt Otto Rubly seit 2017 den Landkreis Kusel. Die Art und Weise, wie er stets versuchte, sich im Hinblick auf die Schadensersatzforderungen des Kreises gegenüber dem ehemaligen SPD-Landrat Winfried Hirschberger mit einem Vergleich zu einigen, ist typisch für den langjährigen CDU-Kreisvorsitzenden. Er griff die Aufforderung des Landesrechnungshofes pflichtgemäß auf, Regressforderungen gegenüber Hirschberger wegen dessen Haushaltsführung zu stellen. Er ließ aber nie einen Zweifel daran, dass ihm eine gütliche Einigung lieber war. Obwohl ihm sein Vorgänger nicht wenige Steine in den Weg legte und zum Beispiel keine Übergabe stattfand.

Rubly macht kein Geheimnis aus dem schweren Erbe, das er übernommen hat, und das auf lange Zeit den finanziellen Spielraum des Kreises und seiner drei Verbandsgemeinden einengen wird. Er hat aber auch immer den Image-Schaden gesehen, den das Nachkarten mit sich bringt, und nach vorne geblickt.

Die Skepsis besiegt

Er ist ein Landrat, der die Gemeinsamkeit und das Wir-Gefühl betont. Ihm gelingt im Kreistag ein Spagat von der AfD bis zu den Linken. Im Kreisvorstand zieht er mit SPD-Mann Jürgen Conrad, dem Freien Wähler Helge Schwab und Parteifreund Stefan Spitzer an einem Strang. Mit seiner Unnachgiebigkeit bringt er in der Verwaltung Mitarbeiter hinter sich, die anfangs mit einer Mischung aus Skepsis und Ablehnung noch versuchten zu bremsen.

Die Breitbandversorgung hat er bereits vor der Pandemie zu seinem Schwerpunktthema gemacht. Der Zuschlag für das Smart-City-Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, dass er jungen Mitarbeitern Vertrauen schenken kann in Bereichen, in denen er sich selbst nicht als Experte sieht. Und er mag davon profitieren, dass er zuweilen im ersten Moment unterschätzt wird.

Keine große Feier

Mit der Wahl zum Landrat war klar, dass der Ruhestand erst 2025 ansteht. Wer im Lager der Sozialdemokraten glauben mag, danach werde der einst so tiefrote Landkreis wieder eingenommen, der sollte vorsichtig sein. Es spricht vieles dafür, dass der Instinktpolitiker Rubly auch im Hinblick auf seine mögliche Nachfolge ein gutes Gespür haben wird.

Eine große Feier zu seinem 65. Geburtstag ist nicht geplant. Otto Rubly mag – und darf – stolz sein auf das Erreichte. Wichtig nimmt er sich deshalb als Person noch lange nicht.

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