Gao RHEINPFALZ Plus Artikel Der Chef des Stabes aus Rammelsbach

Windsch im Lagezentrum.
Windsch im Lagezentrum.

Oberstleutnant Carsten Windsch aus Rammelsbach, einst in Kusel stationiert und dann mit seinem Artillerielehrbataillon 345 nach Idar-Oberstein verlegt, hat vorübergehend für die Bundeswehr einen neuen Arbeitsplatz in Afrika – sein zweiter Auslandseinsatz.

Carsten Windsch, Kommandeur des Artillerielehrbataillons 345, ist seit September in Mali. Er erhielt den Auftrag, die Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall zu begleiten. Die Bundeswehr beteiligt sich mit rund 1000 Frauen und Männern an dem Projekt Minusma der UN.

Über 11.000 Blauhelm-Soldaten aus 20 Ländern sollen den Friedensvertrag von Algier aus dem Jahr 2015 umsetzen. „Hauptaufgabe ist dafür zu sorgen, dass die Waffenruhe eingehalten und das Abkommen für Frieden und Aussöhnung umgesetzt wird. Die Bundeswehr unterstützt im Wesentlichen durch Aufklärung in der Luft und am Boden. Das heißt, sie sammelt Informationen und stellt die Aufklärungsergebnisse dem UN-Hauptquartier zur Verfügung. Gleichzeitig unterstützen wir die Bereitstellung von Lufttransportkapazitäten. Das Einsatzgebiet umfasst dabei ganz Mali sowie den Lufttransportstützpunkt Niamey im benachbarten Niger“, fasst eine Sprecherin den Einsatz zusammen.

„Die Spinne im Netz“

In Gao, in Nordmali, ist der 44-jährige Rammelsbacher als Chef des Stabes eingesetzt. „Ich bin quasi die Spinne im Netz“, sagt Windsch. Über verschiedene Stränge erhalte er täglich Informationen, die er bewerte, prüfe, den Handlungsbedarf feststelle und die weiteren Abläufe koordiniere. So hält er vor allem dem Kontingentführer Oberst Peter Eichelsdörfer den Rücken frei und vertritt ihn, wenn dieser auf Dienstreise ist.

Stammtisch mit Kameraden

Der Einsatz sei fordernd, spannend und definitiv eine Bereicherung, erklärt der gebürtige Sachse, der 2005 mit seiner Familie nach Rammelsbach zog. Sieben Kameraden aus seinem Verband in Idar-Oberstein konnte er mit in den Einsatz nehmen. Einmal wöchentlich treffen sie sich zum gemeinsamen Artillerie-Stammtisch. Zudem sei am 4. Dezember eine kleine Barbara-Feier geplant, um die Tradition aus der Heimat auch im Einsatz zu pflegen.

Windsch will als zweithöchster Soldat des Deutschen Einsatzkontingentes Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Es ist sein zweiter Auslandseinsatz. 2007 war er in Kundus in Afghanistan im Einsatz.

„Aufgrund meiner Erfahrung als Bataillonskommandeur fallen mir die Aufgaben sicher leichter. Dennoch ist es hier in Mali etwas anderes, als wenn ich mit meinem Bataillon Zuhause auf Übung fahre“, erklärt er.

Bei über 42 Grad

Die Sicherheitslage in Nordmali sei unberechenbar und erfordere bei mehrtägigen Aufklärungsoperationen höchste Konzentration und Durchhaltevermögen. Bei Temperaturen über 42 Grad keine leichte Aufgabe. Windsch ist sich seiner Verantwortung für die rund 1000 Soldatinnen und Soldaten bewusst, schließlich hängen auch von seinen Entscheidungen im Zweifel Menschenleben ab.

Das Team habe sich umfassend auf den Einsatz in der südlichen Sahelzone vorbereitet, unter anderen im Gefechtsübungszentrum Letzlingen in Sachsen-Anhalt. „Die gute Ausbildung zahlt sich hier aus“, sagt Windsch. Dazu profitierten er und seine Kameradinnen und Kameraden von den Erfahrungsschätzen der Partnernationen.

Ausgleich zum alltäglichen Dienst findet der Oberstleutnant im Sport. Einmal am Tag versucht er bei einem Spaziergang durchs Camp oder bei Fitnessübungen im Sportzelt abzuschalten. Zudem ist der Gottesdienst im Camp jeden Sonntag ein fixer Termin in seinem Kalender.

Weihnachten in Afrika

Kontakt zu seiner Familie hält er über Videotelefonie und Kurznachrichten. „Ich könnte meine Arbeit hier nicht so gut machen, wenn ich nicht die Unterstützung meiner Familie Zuhause hätte“, sagt der zweifache Familienvater. Er sei stolz, wie seine Frau und seine Kinder den Alltag in der Heimat meistern, gerade unter den derzeitigen Corona-Einschränkungen. „Im Vergleich dazu kann ich mich hier nicht beklagen“, so Windsch, der auch Weihnachten in Afrika sein wird. Sein Auslandeinsatz ist derzeit bis April geplant.

„Ich hoffe, dass wir langfristig zur Stabilisierung des Landes und zu einer Verbesserung der Gesamtsituation in Mali und im Sahel beitragen können“, sagt Windsch. Es sei jedoch klar, dass die Verantwortung für die Lösung des Konflikts bei den malischen Konfliktparteien liege – „wir werden noch viel Geduld aufbringen müssen“.

Die Blauhelme auf Erkundungsfahrt.
Die Blauhelme auf Erkundungsfahrt.
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