Essweiler / Rothselberg
Denkmäler: Nachdenken über Krieg und die Folgen
In Eßweiler steht das Denkmal in der Dorfmitte in einer kleinen dreiseitigen Anlage auf der Brücke, die über dem Zusammenfluss von Breitenbach und Jettenbach errichtet wurde. Vom Bach ist sie durch eine niedrige Mauer, von der Straße durch eine Buchsbaumhecke und ein Eisengitter abgetrennt.
Denkmal und Brunnen
Das Denkmal dient nicht nur zur Erinnerung an die Opfer, sondern ist gleichzeitig ein Brunnen. Aus zwei Rohren im Sockel fließt das Wasser in seitliche Schalen. Das Denkmal wurde von dem Bildhauer Karl Dick aus Kaiserslautern geschaffen und 1927 enthüllt. Dick unterrichtete an der Meisterschule, sein bekanntestes Werk ist der Löwenbrunnen auf dem Hauptfriedhof in Kaiserslautern.
Gegliedert ist das Denkmal in einen hohen Sockel und eine Säule. Auf ihr sind die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten verzeichnet, 15 aus dem Ersten und 52 aus dem Zweiten Weltkrieg. Den Abschluss der Säule bildet ein verziertes Würfelkapitell, auf dem ein halb aufgerichteter Löwe liegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden lediglich die Jahreszahlen „1939 – 1945“ und die Namen der Opfer ergänzt, ohne dass das Denkmal neugestaltet wurde.
„Fürs Vaterland“ gestorben
Typisch für die Entstehungszeit sind die Inschriften. Die Liste der Namen wurde eingeleitet durch ein eisernes Kreuz, die Jahreszahlen 1914 – 1918 und die Worte: „Fürs Vaterland starben“. Auf der Vorderseite des Sockels liest man unter dem Relief eines Helms und eines Schwertes den Vers „Sie gaben alles ihr Leben / ihr Blut / Sie gaben es hin / mit heiligem Mut / Für uns.“ Die Inschrift auf der Rückseite lautet: „Ihren Helden vom Weltkrieg 1914 - 1918 in Dankbarkeit gewidmet von der Gemeinde“.
Das Denkmal diente vor allem der Glorifizierung der Toten, die „mit heiligem Mut“ gestorben sind. Bei den abgebildeten Waffen ist das Schwert unhistorisch, denn es sollte den Eindruck erwecken, dass der Krieg ein ritterlicher Kampf war, in dem Tapferkeit und Geschicklichkeit des Einzelnen wichtig waren. Das entsprach aber nicht dem Massensterben in einem industrialisierten Krieg, in dem 17 Millionen Menschen durch Maschinengewehre, Giftgas, Granaten, Panzer oder Bomben ums Leben kamen.
Durch das Symbol des Löwen verzichtete man auf die Darstellung eines Menschen, zum Beispiel einen Gefallenen oder Trauernden. Der Löwe war seit der Antike ein Symbol von Macht und Stärke. In Eßweiler wirkt er durch seine Haltung wie ein verwundetes Tier, aber er hat den Kopf erhoben, zeigt seine Zähne und will sich gerade aufrichten. Damit sollte wohl ausgedrückt werden, dass das besiegte Deutschland in der Lage war, sich zu wehren.
Ein würdiges Bild
In Rothselberg gedenkt man der Opfer der Kriege in einem Ehrenmal, das mehrfach umgestaltet wurde und heute ein würdiges Bild bietet. Es steht in der Nähe der Kirche auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs. Der älteste Gedenkstein ist sehr kunstvoll mit Blumen und Blättern verziert. Er erinnert an den Krieg 1870/71, in dem Franz Hack am 6. August 1870 in der Schlacht bei Wörth gefallen war. Der Stein, den die Gemeinde ihm widmete, stand ursprünglich an der Nordwand im Inneren der Kirche.
Sockel und Pfeiler
Das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges stammt von dem Bildhauer Rudolf Henn (1880 - 1955). Er wurde in Olsbrücken geboren, hatte an der Kunstakademie in München studiert und anschließend in Kaiserslautern gearbeitet. 1929 wanderte er mit seiner Familie nach New York aus, wo er ebenfalls als Künstler tätig war. Eingeweiht wurde das Denkmal am 3. Oktober 1926.
Es setzt sich zusammen aus einem Sockel und einem Pfeiler mit den Namen der 27 Opfer. Das abschließende Würfelkapitell ist auf zwei Seiten mit dem Eisernen Kreuz und Eichenblättern geschmückt. Auf dem Kapitell sitzt ein Löwe, der mit seiner linken Pranke das bayerische Rautenwappen hält.
Das Relief auf der Vorderseite des Sockels zeigt einen Helm über zwei gekreuzten Schwertern, die mit Eichenlaub verziert sind. Darunter steht „Unsern im Weltkrieg 1914 - 1918 geopferten Brüdern in Dankbarkeit gewidmet Gemeinde Rothselberg“. Ergänzt wird die Inschrift durch einen pathetischen Vers auf der Rückseite: „Uns zu bewahren / vor Not und Gefahren / habt ihr euch geopfert. Deutscher / bedenke dies recht / bis in das fernste Geschlecht.“
Mehrmals neu gestaltet
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es mehrmals zu einer Neugestaltung. Zuerst stellte man zwischen Kirche und Pfarrhaus für jeden Gefallenen ein Holzkreuz auf. Aber nach dem Abriss und Neubau des Pfarrhauses suchte man eine andere Lösung. Das Denkmal von 1926 wurde versetzt, denn beim Blick vom Pfarrhaus auf die Kirche war der Löwe im Weg. Außerdem stellte man statt der Holzkreuze zwei rechteckige Stelen aus Sandstein auf. Auf ihnen sind Bronzetafeln befestigt, die lediglich die Jahreszahlen 1939 - 1945 und die Namen der Opfer nennen. Es sind 51 Tote und sieben Vermisste. Das neugestaltete Denkmal wurde am Volkstrauertag 1967 eingeweiht.
Weiterer Gedenkstein
Inzwischen hat man der Anlage einen weiteren Gedenkstein hinzugefügt, der ursprünglich am Bürgermeisteramt stand. Die Inschrift „Gedenket der Toten im Osten“ soll an die Flucht und Vertreibung von Deutschen erinnern, die keineswegs „in ordnungsgemäßer und humaner Weise“ verlief, wie es das Potsdamer Abkommen formuliert hatte. Mindestens 500.000 Menschen verloren dabei ihr Leben.
Das Ehrenmal in Rothselberg unterscheidet sich positiv von vielen anderen. Der Standort auf dem ehemaligen Friedhof war gut gewählt. Das Denkmal von 1926, das eher über die Opfer trauert als sie zu glorifizieren, ist unverändert. Der Löwe dient als Wappenhalter und nicht als Symbol eines verwundeten Deutschlands. Die drei zusätzlichen Denkmäler unterscheiden sich in ihrer Gestaltung. Damit bietet sich die Anlage an, über Krieg, die Folgen und Opfer nachzudenken.