Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Das Ende des Zweiten Weltkrieges in der Westpfalz im März 1945

Am 20. März nahmen amerikanische Truppen Kaiserslautern ein. Das Foto aus dem Stadtarchiv zeigt die Fruchthalle.
Am 20. März nahmen amerikanische Truppen Kaiserslautern ein. Das Foto aus dem Stadtarchiv zeigt die Fruchthalle.

Fast alle Städte und Dörfer ergeben sich kampflos. Im übrigen Deutschland dauert der Krieg noch sechs Wochen an.

Ende Februar 1945 bereiteten die Alliierten die Eroberung des Saar-Pfalz-Dreiecks vor und erreichten am 7. März die unzerstörte Rheinbrücke von Remagen. Kurz darauf begann der Großangriff auf die Pfalz, der 13 Tage dauerte. Unter dem Codewort „Operation Undertone“ (gedämpfte Stimme) erfolgte er von drei Seiten aus.

Die Alliierten hatten mit 400.000 Mann eine erhebliche Übermacht. Sie verfügten über 2000 Panzer und hatten die Luftherrschaft. Die Kampfhandlungen begannen am 15. März, als die Amerikaner die Mosel bei Trier und Cochem überquerten. Anschließend schwenkten sie nach Osten mit der Stoßrichtung zum Rhein. Die deutschen Versuche, sie an Nahe und Glan aufzuhalten, waren erfolglos. Zur gleichen Zeit gab es Angriffe von Westen aus dem Raum Trier/Saarbrücken, während vom Elsass her eine amerikanische und eine französische Armee einmarschierten. Das gemeinsame Ziel war Kaiserslautern als „Eckpfeiler des militärischen Widerstandes“ und zugleich das Zentrum für den Rückzug der deutschen Truppen nach Osten.

Weiße Fahnen gehisst

Am 18. März, dem „schwarzen Tag der Wehrmacht“, befahl Hitler, die gesamte Zivilbevölkerung aus dem Kriegsgebiet zu evakuieren. Aber dieser Befehl wurde nicht mehr ausgeführt. Denn am nächsten Tag besetzten die amerikanischen Truppen bereits die Westpfalz, einen Tag später, am 20. März, nahmen sie Kaiserslautern ein.

Die Alliierten hatten Flugblätter abgeworfen, mit denen sie die Bevölkerung aufforderten, die Ortschaften nicht zu verteidigen, um weitere Zerstörungen und Opfer zu vermeiden. Deshalb ergaben sich fast alle Städte und Dörfer kampflos. Sie verzichteten auf Panzersperren oder Baumsperren und hissten weiße Fahnen. Uniformen oder NS-Fahnen wurden in aller Eile verbrannt oder vergraben. Dann wartete die Bevölkerung in den Schutzräumen auf die Ankunft der alliierten Truppen. Deutsche Soldaten, die sich in den Ortschaften oder ihrer Umgebung versteckt hatten, befestigten ein weißes Stück Stoff oder Papier an der Kopfbedeckung und ließen sich gefangen nehmen.

Soldaten werfen Waffen weg

Die deutsche Wehrmacht hatte kaum Widerstand geleistet, sondern nur vereinzelte Stützpunkte verteidigt. Der Grund dafür war auch ein doppeldeutiger Befehl von Albert Kesselring, der am 8. März zum Oberbefehlshaber West ernannt worden war. Er befahl am 18. März, alle Stellungen zu halten, aber gleichzeitig eine Einkesselung und Vernichtung zu vermeiden. Das wurde allgemein als ein Signal zum Rückzug verstanden, aus dem sich schnell eine chaotische Fluchtbewegung entwickelte. Die Soldaten warfen ihre Waffen weg und ließen fast alle Fahrzeuge und das meiste Heeresgut zurück. Bei dem Versuch, auf den verstopften Straßen den Rhein zu erreichen, fanden viele den Tod.

Der Historiker Ernst Christmann beschrieb den Rückzug, wie er ihn in Gönnheim erlebt hatte: „Aus den schützenden Wäldern des Haardtgebirges nahten sich die Zurückflutenden: Soldaten aller Waffengattungen in Gruppen, einzelne Versprengte, die ihre Einheit verloren hatten, Angehörige der Waffen-SS, Arbeitsdienstler, Funktionäre der NSDAP in ihren braunen Uniformen; ein unablässiger Strom sucht auf den Feldwegen und Wingertszeilen entlang über den Rhein zu kommen. Erbarmungswürdig der Zustand: abgehetzt, todmüde, die Füße wundgelaufen, die Uniformen oft zerfetzt, manche verwundet.“

90.000 in Gefangenschaft

Eine neue Front am Fuße der Haardt kam nicht mehr zustande. Der Rhein wurde für die deutschen Soldaten zu einem weiteren Hindernis, da die Brücken in Mainz, Worms, Ludwigshafen, Speyer und Germersheim gesprengt worden waren. Bei Germersheim und Maximiliansau gab es noch Widerstand, bis auch dort die Alliierten den Rhein erreichten. Am 25. Mai überquerten ihn die letzten deutschen Einheiten.

Über die Anzahl der Opfer des Feldzuges gibt es keine genauen Angaben. Man schätzt aber, dass 55.000 deutsche Soldaten starben und 90.000 in Gefangenschaft gerieten, während die Alliierten nur etwa 1600 Todesopfer verzeichneten.

Für die Bevölkerung in der Pfalz war es vor allem wichtig, dass für sie der Krieg beendet war. „Es ist vorbei. Ganz gleich, was nun auch kommt, wie ungewiss unsere Zukunft sein wird“, beschrieb eine Frau aus Bad Dürkheim die Lage. Im übrigen Deutschland sollte der Krieg noch weitere sechs Wochen dauern.

Ziel einer chaotischen Fluchtbewegung: der Rhein. Allerdings waren dort die Brücken – wie hier bei Maximiliansau – weitestgehend
Ziel einer chaotischen Fluchtbewegung: der Rhein. Allerdings waren dort die Brücken – wie hier bei Maximiliansau – weitestgehend nicht mehr passsierbar.
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