Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Sprechstunde in Vollmontur

Christiane Leyser vor der Infektionssprechstunde in ihrer Praxis am Hofacker.
Christiane Leyser vor der Infektionssprechstunde in ihrer Praxis am Hofacker.

Interview von Astrid Böhm: Die Ärztinnen Christiane Leyser und Elena Jung bieten in ihrer Gemeinschaftspraxis eine Infektionssprechstunde an. Sie berichten von Ängsten, Unsicherheiten und Depressionen ihrer Patienten.

Frau Leyser, sie haben bei der Terminvereinbarung erwähnt, Sie hätten einiges durchgemacht, aber auch einiges gelernt in den vergangenen Monaten.
Leyser: Lassen Sie mich etwas ausholen. In der ersten Welle hat die KV (Kassenärztliche Vereinigung, Anmerkung der Redaktion) aufgerufen, dass wir uns bei Aufbau von Corona-Ambulanzen, -Sprechstunden und -Praxen beteiligen sollen, weil es so wichtig ist, Patientenströme zu trennen, infektiöse von Risikopatienten. Problematisch war, dass es so schwierig war, an persönliche Schutzausrüstung zu kommen. Deshalb haben wir die Ambulanz gegründet, die vorrangig beliefert wurde. Auch da wir über Sommer den Vorrat immer wieder aufgestockt haben, ist das jetzt überhaupt kein Thema mehr.

Inzwischen bieten Sie in Ihrer Praxis eine Infektionssprechstunde an.
Leyser: Ja. Wir können zwar eine Woche krankschreiben, wenn wir mit dem Patient telefoniert haben – das wurde auch gerade nochmal bis März verlängert. Aber es bleibt eben der Patient, der vom Arzt gesehen werden muss. Komplizierte Verläufe mit Lungenentzündung, eitrigem Nasennebenhöhlen- oder Halsinfekt. Ich finde es wichtig, diese Untersuchung anzubieten – in einer sogenannten Infektionssprechstunde mit massiv gesteigerten Hygienemaßnahmen.

Die wie aussehen?
Leyser: Wir haben im Sommer das Konzept der Corona-Ambulanz in die Praxis übertragen. Da konnte wir gut üben, es gab ja nur alle zwei, drei Wochen einen positiven Fall. Wenn wir Montag, Mittwoch und Donnerstag nach der regulären die Infektionssprechstunde anbieten, wird unten die Tür zugesperrt. Das Wartezimmer wird ausgeräumt, es kommen ein Plastiktisch und ein Plastikstuhl rein, auch ein Stethoskop und was man so braucht – die werden nur für diese Sprechstunde benutzt.

Und sie haben Schutzausrüstung an?
Leyser: Genau. Die Türen in der Praxis sind alle zu, damit sich die Aerosole nicht verteilen. Nur ich oder Frau Jung haben Kontakt zum Patienten.

Jung: Die Karte geben wir durch den Türschlitz an die Helferinnen.

Leyser: Es ist schon gespenstisch, nur dieser verkleidete Arzt.

Und dann machen Sie einen Abstrich?
Leyser: Nicht immer. Wir orientieren uns an der nationalen Teststrategie. Im Sommer sollten alle mit Erkältungssymptome getestet werden. Das RKI hat da jetzt etwas zurückgezogen, aus Sorge, dass die Tests nicht reichen. Man muss abwägen: Wenn jemand in einem Altenheim arbeitet, einer Gemeinschaftseinrichtung oder Schule, testen wir sofort. Generell teste ich sehr, sehr großzügig.

Bis das Ergebnis vorliegt, dauert es oft lange.
Leyser: Wir haben einen Kurierdienst etabliert, der Fahrer holt die Proben jetzt noch am Abend. Das ist in der ländlichen Region schwieriger als in der Stadt. In 24 bis 36 Stunden ist das Ergebnis da.

Jung: Wenn nötig, machen wir auch Schnelltests.

Über die gibt es ja unterschiedliche Meinungen.
Leyser: Bei zehn, zwölf haben wir gegengetestet, da haben alle gestimmt, positiv wie negativ. Aber was die Anwendung von Laien angeht, da steht und fällt das Ergebnis eben mit der richtigen Abnahme. Und ich habe meine Zweifel, dass Laien sich da genug quälen können.

Jung: Wir haben Mitarbeiter von Seniorenheimen und Sozialstation in die Verwendung eingewiesen, das wird gut klappen.

Leyser: Wir testen uns und die Helferinnen regelmäßig. Es gab noch keinen Corona-Fall, das Konzept funktioniert also. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Und war durch die Corona-Ambulanz auch voll im Thema drin.

Ist die Infektionssprechstunde denn nur für ihre Patienten?
Leyser: Grundsätzlich habe ich sie für meine Patienten etabliert. Man muss als Hausarzt ja überlegen, wie man über den Winter kommt. Und im Februar wird es bestimmt nochmal heftig. Aber wenn wir noch Platz haben, dann können auch andere Patienten kommen. Termine gibt es im Zehn-Minuten-Takt, nur über die Handynummer. Die wird von den Helferinnen bevorzugt angenommen.

Es ist gar nicht so einfach, bei ihnen telefonisch auf der Festnetznummer durchzukommen.
Leyser: Ja, es ist viel los. Aber das ist auch gut so. In der ersten Welle sind viele aus Angst nicht zum Arzt gegangen, obwohl sie das besser hätten tun sollen. Aber auch jetzt gibt es viele Ängste, Unsicherheiten, auch Depressionen.

Und wie halten sie es mit Hausbesuchen?
Leyser: Das hat sich schon verändert. Wir fahren nur raus, wenn es wirklich sein muss.

Jung: Und ziehen auch Vollmontur an.

Leyser: In Heimen gehe ich nur noch in Vollmontur.

Behandeln Sie auch Corona-positive Patienten mit Symptomen?
Leyser: Wenn sie nicht ins Krankenhaus wollen, untersuche ich sie. Zum EKG muss ich aber ins Krankenhaus überweisen, das geht in der Praxis wegen des Hygienekonzepts nicht. Es gibt schon einige, die lange brauchen, bis sie sich wieder erholen.

Und was haben sie in den vergangenen Monaten gelernt?
Leyser: Ich würde nie sagen: Keine Sorge, das ist eine normale Erkältung. Nicht ohne Testung. Man kann es am Anfang nicht differenzieren. Viele sagen: Es fühlt sich an wie immer. Aber die Geschmacksstörung kommt manchmal erst nach vier, fünf Tagen. Bis dahin hat man schon alle um sich angesteckt.

Info

Die Hausärztinnen Christiane Leyser und Elena Jung sind auch zwischen den Jahren zu erreichen: Am Montag und Dienstag, 28. und 29. Dezember, ist jeweils von 9 bis 11 Uhr das sogenannte Infektionshandy besetzt. Unter 0157 36175454 kann dann ein Termin vereinbart werden. Die Praxis befindet sich in Kusel, Am Hofacker 22.
Elena Jung.
Elena Jung.
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