Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Cellpack Packaging: Von der Kurzarbeit in die Vollauslastung

Mehr als ausgelastet: das Cellpack-Werk in Lauterecken.
Mehr als ausgelastet: das Cellpack-Werk in Lauterecken.

Cellpack befindet sich derzeit auf einem wirtschaftlichen Höhenflug. Es ist nicht zuletzt das Coronavirus, dem das in Lauterecken ansässige Unternehmen seine vollen Auftragsbücher zu verdanken hat. Cellpack bedruckt Folien-Verpackungen für Lebensmittel. Und verpackte Lebensmittel liegen in diesen Zeiten im Trend.

Eine längere Phase mit schlechter Auslastung und auch Kurzarbeit liegen hinter Cellpack Packaging, dem zur Schweizer BBC Gruppe gehörenden Unternehmen. Insofern zeigt sich Heiko Jung, Prokurist und Einkaufschef des Lauterecker Werks, erleichtert und erfreut über den wachsenden Auftragseingang im vergangenen und diesem Monat: „Wir sind sehr gut ausgelastet, wir schwimmen momentan auf einem Wellenkamm ganz oben“, konstatiert Jung.

Der überwiegende Teil des Cellpack-Kundenstamms ist im Bereich der Lebensmittelproduktion angesiedelt. Und in Zeiten eines erhöhten Infektionsrisikos geht der Trend weg vom frischen unverpackten zum verpackten Lebensmittel. Kunden kaufen mehr Fleisch, Wurst, Käse und Aufbackbrötchen in Folien. „Das Konsumentenverhalten hat sich in kürzester Zeit geändert. Wir profitieren davon, dass auch die Gastronomie geschlossen ist und die Menschen vermehrt verpackte Lebensmittel kaufen“, stellt Jung fest. Er weiß aber auch, dass bei vollgestopften Speisekammern die Nachfrage wieder nachlässt; die Dinge wollen erst einmal verbraucht, um dann wieder nachgekauft zu werden. Das Phänomen zeige sich gerade am Beispiel Toilettenpapier, da gehe die Nachfrage wieder zurück.

Rasante Entwicklung

Cellpack erlebt derzeit allerdings eine rasante Entwicklung von der Kurzarbeit in die Vollauslastung und das in einer Zeit, in der die betrieblichen Einschränkungen durch das Coronavirus nicht unerheblich sind. Momentan ist das Werk mehr als ausgelastet. Jung weiß kaum, die Auftragsflut zu bewältigen. Er spricht von einer Auslastung von etwa 120 Prozent. Im Schicht-Betrieb laufen die Maschinen fast ununterbrochen. Nur beim Schichtwechsel gibt es jedes Mal eine Pause, damit die Mitarbeiter sich nicht begegnen – eine Vorsichtsmaßnahme, um das Ansteckungsrisiko mit dem Virus zu verhindern. Die Schichten werden zeitversetzt um 15 Minuten gewechselt – bei vollem Lohn, wie Jung betont. Außerdem sei ein Einbahnverkehr im Werk eingerichtet, so dass sich niemand begegne, ergänzt der Leiter der Qualitätssicherung, Jan Schumacher-Blank.

Mitarbeiterschutz oberste Priorität

Da die Mitarbeiter das Wichtigste seien, genieße deren Schutz auch „oberste Priorität“, sagt Schumacher-Blank. „Anfangs wusste noch niemand, in welche Richtung das läuft“, formuliert der Qualitätsexperte. Aber: „Wir hatten schon früh Kontakt mit dem Gesundheitsamt, und wir haben schnell reagiert.“ Außer der Trennung der Schichten, sind auch die Duschen geschlossen worden. Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich arbeiten digital von zu Hause aus, außerdem herrscht Maskenpflicht im Werk. Für Außenstehende ist der Besuch der Produktion momentan absolut tabu. „Wir müssen deshalb so strikt verfahren, weil wir als Zulieferer der Lebensmittelindustrie eine hohe Verantwortung tragen“, erläutert Schumacher-Blank. Die Mitarbeiter hätten die Notwendigkeit der Sicherheitsmaßnahmen verstanden und „ziehen toll mit“, lobt Heiko Jung. Eine Mitarbeiterin habe sogar Masken genäht, der Mutterkonzern in der Schweiz habe ebenfalls Schutzmasken besorgt. Man überprüfe die Vorkehrungen immer wieder, schaue auch, welche Maßnahmen im Schwesterwerk im Elsass getroffen würden.

Tägliche Neubewertung der Lage

„Die 15-minütige Schichtentzerrung tut uns schon weh“, sagt Heiko Jung. Die Zeit stehe für die Produktion ja nicht zur Verfügung, das summiere sich im Laufe der Woche. Da es dadurch eventuell zu Verzögerungen bei der Lieferung kommen könne, sei man ständig in Abstimmungsgesprächen mit den Kunden, die durchaus verständnisvoller reagierten als noch vor der Corona-Krise, konstatiert Jung. Nicht zu vergessen, auch Cellpack sei abhängig von seinen Lieferanten. Wenn die nicht rechtzeitig liefern könnten, habe das Einfluss auf die Produktion.

Die Steuerung dieser Prozesse fordert Jung jeden Tag die ganze Aufmerksamkeit und schnelles Handeln ab. „In dieser Hochphase machen wir fortlaufend einen Lieferantencheck: Wer kann noch liefern und wenn ja auch termingerecht? Wir nehmen täglich eine Neubewertung vor, um den Laden am Laufen zu halten“, beschreibt Jung den Alltag der Produktion in Corona-Zeiten.

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