Wolfstein RHEINPFALZ Plus Artikel Campinggäste surfen im Schneckentempo statt mit Highspeed-Internet

Achim Jung zeigt auf die Richtfunk-Antenne. Von hier aus hätte das Glasfaser-Internet den Gästen des Campingplatzes zur Verfügun
Achim Jung zeigt auf die Richtfunk-Antenne. Von hier aus hätte das Glasfaser-Internet den Gästen des Campingplatzes zur Verfügung stehen sollen. Die Technik wurde mit großem Aufwand erneuert.

Sie hatten ihren Gästen eine blitzschnelle Glasfaserverbindung versprochen und dafür einigen Aufwand betrieben. Doch bieten konnten Antonia und Achim Jung vom Campingplatz in Wolfstein den Campern nur eine Art Notzugang. Sehr zum Verdruss der Gäste. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, sagt der Anbieter.

Der Frust ist Antonia und Achim Jung vom Campingplatz Königsland in Wolfstein anzumerken – die beiden sind bedient. Und daraus haben sie bei der Redaktion vor Ort in dem Städtchen an der Lauter auch keinen Hehl gemacht: „Seit 22. Juni haben wir keinen Glasfaseranschluss mehr“, erzählt eine sichtlich angefressene Antonia Jung und ergänzt: „Ausgerechnet zur Hauptsaison.“ Tausende Gäste besuchen über Sommer den Campingplatz am Freibad, schlagen dort im Wortsinne ihre Zelte auf oder kommen mit Wohnmobilen und -anhängern oft von weit her in die Pfalz.

Die Campingplatzbetreiberin erzählt: „Nachdem im vergangenen Jahr klar war, dass wir ans Glasfasernetz angeschlossen werden, haben wir das für dieses Jahr in unsere Werbung aufgenommen.“ Gerade für Familien mit Kindern sei ein schneller Internetanschluss sogar ein Auswahlkriterium für einen Platz – oder dagegen. Damit möglichst viel der Bandbreite bei den Gästen ankommt, haben Achim und Antonia Jung im Frühsommer noch mal richtig Geld in die Hand genommen und ein Unternehmen damit beauftragt, dass dann – eigentlich – pfeilschnelle WLAN auf dem ganzen Platz verfügbar zu machen. Dazu wurde in Eigenleistung eine neue Richtfunkstrecke aufgebaut und die dazu notwendige Technik angemietet.

Stornierungen und schlechte Bewertungen folgen

Just als die Richtfunkstrecke in Betrieb gehen sollte, fiel plötzlich die Glasfaserverbindung aus – am 22. Juni. Es folgten mehrere Anrufe bei Inexio und Technikerbesuche, teils von verschiedenen Subunternehmen des Anbieters, erinnern sich die beiden zurück. Der Fehler sei nicht behoben worden: „Den Juni haben wir dann noch bezahlt“, sagt Antonia Jung. „Aber als im kompletten Juli, August und wohl auch im September keine Leistung erbracht wurde, haben wir die Zahlungen eingestellt.“ Ob seit Ende September der Anschluss wieder funktioniert, wie von Inexio gegenüber den Campingparkbetreibern angekündigt, dass wissen die beiden nicht. Sie haben die Glasfaser-Technik in ihrem Haupthaus auf dem Platz zurückgebaut.

Achim Jung: „Wir konnten ja nicht so lange warten. Deshalb haben wir im Sommer unsere alte Kupferleitung von der Telekom wieder aktiviert, um den Gästen wenigstens einen Notzugang bieten zu können. Und vor allem fürs Telefon und die Kartenzahlung.“ Die Gäste hätten oft wenig Verständnis für die technischen Probleme gezeigt: „Sind wir hier im Mittelalter?“ Es folgten Stornierungen, schlechte Bewertungen auf den üblichen Onlineplattformen und teils frühere Abreisen, schildern die beiden Campingplatzbetreiber. Immerhin sei der Mobilfunkempfang am Standort gut, das habe etwas geholfen.

Lange Suche nach der beschädigten Stelle

Rechnungen, Mahnungen und zuletzt Inkasso-Androhungen des Anbieters hätten sie weiter erreicht. „Das ist für uns super-ärgerlich“, sagt Antonia Jung, die die monatlichen Kosten für Internet (Glasfaser und Kupfer, jeweils Unternehmensanschlüsse) und die gemietete Richtfunktechnik für den Platz auf rund 500 Euro beziffert. „Dabei wollten wir unseren Gästen nur etwas bieten“, sagt Antonia Jung. Zwischenzeitlich habe das Ehepaar sogar überlegt, ob eine Starlink-Verbindung, also Internet via Satellit, eine Option sei – doch dann wären noch höhere Kosten auf den Betrieb zugekommen.

Wo der Fehler liege, das hätten die beiden nicht abschließend herausfinden können. Achim Jung: „Die Unterbrechung muss in Wolfstein gewesen sein, bei uns auf dem Gelände oder der Straße hoch zur B270 wurde nichts aufgegraben. Uns hat man von einer geschädigten Backbone-Leitung erzählt.“ Ein Sprecher der Deutschen Glasfaser, unter deren Dach Inexio firmiert, nennt auf RHEINPFALZ-Anfrage „gleich mehrere Faserschäden, die durch ein anderes Unternehmen verursacht worden sind“. Seit Ende September sei der Anschluss der Campingplatzbetreiber entstört.

„Umstand, den wir sehr bedauern“

Der Sprecher räumt ein: „Die Suche der Schadstellen und die Behebung der Schäden hat sich daher aufwendiger gestaltet und längere Zeit in Anspruch genommen.“ Das sei „ein Umstand, den wir sehr bedauern und der nicht unseren eigenen Qualitätsansprüchen genügt“. Deshalb sei eine Kollegin dabei, mit den Jungs in Wolfstein Kontakt aufzunehmen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Aus Datenschutzgründen, so der Sprecher, könne er dazu keine weiteren Angaben machen. „Insgesamt stellt sich der Fall für mich im Moment so dar, als ob eine ganze Zahl an unglücklichen Umständen zusammenkam“, bedauert der Inexio-Sprecher. „Leider mit den bekannten Problemen für den Kunden.“

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