Kusel
Bomben und Panzer: Wie Kusel das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte
Wenige Monate vor Ende des Zweiten Weltkrieges lebte die Kuseler Bevölkerung in ständiger Angst vor den alliierten Luftangriffen. Bei dem schwersten Angriff auf die Stadt am 6. Januar 1945 kamen zahlreiche Menschen ums Leben.
Im Frühjahr 1945 griffen amerikanische Bomber und Jagdbomber Tag und Nacht Verkehrseinrichtungen, Züge, Autos und Zivilpersonen nicht nur im Landkreis Kusel an. Ziel war es, die fliehenden deutschen Truppen an einem Widerstand gegen die schnell vorrückenden amerikanischen Verbände zu hindern. Vor allem die Jagdbomber schossen auf alles, was sich am Boden bewegte. Sie brachten damit vielen Zivilisten jeden Alters den Tod. Die ständigen Angriffe in Kusel und Umgebung flößten den Einwohnern ständig Angst und Schrecken ein.
Mehr als 300 Bomben auf Kusel
Schon im September und im Dezember 1944 waren Jagdbomber feuernd über die Stadt hinweg geflogen – mit dem Ziel, den Bahnhof zu treffen. Am 6. Januar 1945 flogen gegen Mittag 30 Bomber über den Gaisberg kommend in 4000 Meter Höhe auf Kusel zu. Ohne Vorwarnung fielen in kürzester Zeit mehr als 300 Bomben auf die Stadt. Die Menschen rannten schreiend und panisch durch die Straßen, um in Bunker und Keller zu gelangen. Noch letzte, explodierende Bomben, ein Bombentrichter neben dem anderen, zerborstene Häuser, viele Trümmerteile und tote Menschen vor allem in der Bahnhofstraße boten den Überlebenden ein Bild des Schreckens.
Ein Augenzeuge, ein Obergefreiter eines Flak-Zuges, der unterhalb des Bahnhofes stand, berichtete: „Der Angriff begann schnell und überraschend. Das Rauschen und Pfeifen der Bomben. Die Erde bebte. Nach dem Angriff rannten wir in die Stadt, um Hilfe zu leisten. Überall noch rauchende Trümmerhaufen. Mauerreste und Balken versperrten den Weg. Wir eilten zu einem Haus, das einen Volltreffer erhalten hatte. Dort waren junge Frauen des Reichsarbeitsdienstes untergebracht. Schreien und Stöhnen kamen aus den Trümmern. Dank vieler Menschen aus der Stadt gruben wir mit bloßen Händen vorsichtig in dem Schutt und konnten neun Frauen lebend bergen.“
Notizen aus dem Schultagebuch
Bei dem Angriff starben 36 Menschen und 90 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Noch herrschten Angst, Trauer und Verzweiflung über den Verlust von Hab und Gut, als am 2. März der nächste Angriff stattfand. Drei Menschen wurden getötet.
Im Schultagebuch der Volksschule Diedelkopf wurde am 18. März 1945 notiert: „Der März ist wunderschön warm. Der Unterricht findet wegen den ständigen Tieffliegerangriffen kaum statt. Teilweise ist die Schule von Militäreinheiten belegt. Amerikanische Panzer stehen zwischen Baumholder und Thallichtenberg. Den ganzen Tag kreisen Jagdbomber über der Stadt.“ Am 19. März erreichten amerikanische Truppen morgens um 6.30 Uhr Ruthweiler. Dabei wurde ein Mann erschossen, der noch schnell in seinen Schutzbunker flüchten wollte. Gegen Mittag rollten amerikanische Panzer langsam durch Diedelkopf auf Kusel zu, ist ebenfalls aus dem Schultagebuch zu erfahren.
19. März ist schwierig zu rekonstruieren
Die Amerikaner bezogen mit schweren Geschützen auf dem Mayweilerhof Stellung und richteten die Rohre auf die Stadt. Die Menschen hielten sich vorwiegend in Kellern und Bunkern auf, sodass es heute schwierig ist, das Geschehen am 19. März zu rekonstruieren. Man weiß, dass sich die Panzer nur vorsichtig von Diedelkopf kommend in die Stadt vorgetastet haben, weil sie noch deutsche Truppenverbände vermuteten. Diese hatten aber in der Nacht fluchtartig Kusel verlassen.
Ein Panzer fuhr die Trierer Straße herunter, schoss mehrmals und beschädigte drei Häuser. Der Bruder des Arztes Albert Jung, Ludwig Jung, ging mit weißer Fahne auf die heranrückenden Amerikaner zu, um einen verwundeten deutschen Soldaten zu retten. Die Amerikaner nahmen Ludwig Jung gefangen und verbrachten ihn zum Gefechtsstand auf dem Mayweilerhof. Dort versicherte er, dass sich keine deutschen Verbände mehr in der Stadt befanden. Damit verhinderte er einen vernichtenden Beschuss der Stadt und rettete viele Menschenleben.
Um 16 Uhr kommen die Menschen aus den Bunkern
Dann begann der Einmarsch. Panzer und Infanterie rückten gegen Mittag in die Stadt in Richtung Bahnhof vor. Dort sammelten sie sich und rückten auf Rammelsbach vor. Die Menschen kamen gegen 16 Uhr aus ihren Kellern und Bunkern. Viele begannen,die zurückgelassenen Wehrmachtsbestände, vor allem Nahrungsmittel, zu plündern.
Der Krieg in Kusel war vorbei!
Leseraktion
Am Donnerstag, 13. März, gibt’s für RHEINPFALZ-Leser die womöglich letzte Gelegenheit, einen Blick in einen der letzten Bunker in Kusel zu werfen. Gemeinsam mit Stadtbürgermeister Martin Heß und Klaus Schummel geht es zu einem umfunktionierten Bierkeller, in den sich im Zweiten Weltkrieg Menschen flüchteten. Los geht die kleine Tour mit nur einer Station um 10 Uhr. Wer Interesse hat, sollte sich am Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr unter der 06381 921226 anmelden und bekommt den Treffpunkt mitgeteilt. Eine Taschenlampe sollte nach Möglichkeit mitgebracht werden.