Kreis Kusel
Bariton Konstantin Krimmel, Stipendiat der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft, erstellt zweite CD
„Wir haben die Zeit gut genutzt und uns nicht schmollend hinters Sofa gesetzt“, erzählt Konstantin Krimmel. Der junge Bariton, der in Kusel bereits als Stipendiat der Fritz-Wunderlich-Tage Aufsehen erregte und im Februar mit einem faszinierenden Liederabend gastierte, hat zusammen mit seiner Klavierpartnerin Doriana Tchakarova das Liederalbum „Saga“ veröffentlicht. Gegenwärtig arbeiten die beiden an einem zweiten Album. Die Corona-Krise, die viele ihrer ursprünglich geplanten Auftritte platzen ließ, darunter auch Konzerte in der Kölner Philharmonie und in der Elbphilharmonie Hamburg, hat das in Stuttgart lebende Künstlerduo zu anderen Aktivitäten inspiriert.
Eigene Musikreihe
„Wir haben unsere eigene Live-aus-dem-Musikzimmer-Reihe gestartet. Wir haben Lieder von unterschiedlichen Komponisten einzeln aufgenommen. Wir posten das auch auf Facebook und Instagram und haben viele Antworten bekommen, dass da tolle Stücke dabei sind, die man so gar nicht kennt“, freut sich Konstantin Krimmel. „Zuerst haben wir uns etwas gesträubt, das zu machen, wegen der Flut an Streaming Videos. Denn wenn wir das machen, wollen wir es auch auf einem klanglichen Niveau machen, das wir vertreten können. Wir haben auch nichts geschnitten, sondern unsere Streams in einem Schwung aufgenommen.“ Auch ein Hauskonzert haben sie in Feldberg gespielt, es steht auf Youtube im Internet.
Kleine Lichtblicke
„Weitere Auftritte sind schwer zu planen im Verlauf dieses Jahres, weil man nicht weiß, wann und wie es weitergeht“, bringt der junge Bariton das Problem auf den Punkt, das viele Kunstschaffende zur Zeit beschäftigt. „Die Absagen haben uns sehr traurig gemacht, aber ein Projekt in Köln haben wir noch realisieren können. Wir haben auch noch Sachen ausstehen in den kommenden Monaten, doch wir wissen nicht, ob diese Veranstaltungen stattfinden können. Auch mein Engagement als Figaro in der Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“ Anfang September am Staatstheater Wiesbaden steht aus. Aber im Juli werden wir unsere neue CD-Aufnahme machen. Und wir hoffen, dass das Lied eine Lücke finden kann – entweder im Livestream oder als Live-Konzert, aber mit wenig(er) Publikum. Und eines unserer geplanten Konzerte Ende Juli, vielleicht ganz ohne Publikum, wird der SWR streamen und mitschneiden. Das sind kleine Lichtblicke und Sonnenstrahlen.“
Im Juli Masterabschluss
In der Zwischenzeit halten sich Konstantin Krimmel und Doriana Tchakarova fit mit Üben und dem Aufnehmen ihrer kleinen Streamingserie aus dem Musikzimmer, in der sie ganz privat und ungezwungen ihre Liedinterpretationen vorstellen.
Auf seinen Studienabschluss an der Musikhochschule Stuttgart angesprochen, zeigt sich der junge Bariton zuversichtlich. „Es ist geplant, dass ich im Juli den Masterabschluss mache, in welcher Form auch immer. Das heißt im schlimmsten Fall nur vor der Kommission. Ich mache den Gesangs- und Konzertmaster, da macht man ein Konzert mit hauptsächlich Liedern und einer Arie.“
Ganz frei ist Krimmel in der Gestaltung dieses Konzertes aber nicht, bestimmte Kriterien muss er bei seiner Stückauswahl beachten. „Es ist ein Programm von 45 Minuten und es muss Werke aus drei verschiedenen Epochen in mindestens drei unterschiedlichen Sprachen enthalten.“ Letzte Lehrveranstaltungen, die der junge Sänger noch belegen muss, finden online statt. „Es geht, es ist nicht sehr befriedigend, es ist eine Herausforderung – aber es geht. Einer spielt, der andere hört zu. Ich mache es über Skype“, erzählt Krimmel. „Allerdings ist es eine Überlastung, wenn man in dieses Mikro reinbrüllt. Dafür sind weder Mikrofone noch Lautsprecher ausgelegt“, merkt er an. „Der Klang der Stimme wird über einen Stream ja auch anders übertragen, es kann nicht so klingen wie in einem Raum. Auch Klavierunterricht geht mäßig bis schlecht, vor allem für die unteren Semester. Selbst an sich herumzudoktern ist in diesem Stadium der Ausbildung noch nicht so effektiv.“
Gerne wieder in Kusel
Aber trotz aller augenblicklichen Einschränkungen blickt er optimistisch nach vorne. Auch nach Kusel würde er gerne wieder einmal kommen. „Diese Aura von Fritz Wunderlich mitzubekommen in dieser Stadt war wundervoll. Und Veranstaltungen wie die Fritz-Wunderlich-Tage bringen einen als junger Sänger immer weiter.“