Kusel
Bahnt sich die nächste Dürre an?
Mit Sorge blickt Kreisbauernchef Marcel Müller auf den Wetterbericht. „Wir hoffen, dass weiterer Regen fällt, damit die Ernte kein Ausfall wird.“ Die Wintergerste sei schon schlecht ins Frühjahr gekommen und stehe lückenhaft. Das Sommergetreide sei zum Teil wegen der anhaltenden Trockenheit im April nicht aufgelaufen. Einige Kollegen reagierten auf die Klima-Veränderungen, indem sie kein Getreide, sondern Ackergras als Viehfutter anbauten. Aber Grünfutter und Wiesen sind in den vergangenen Wochen auch kaum gewachsen. Immerhin habe der Regen der vergangenen Tage dem Mais wohl einen Schub gegeben, prognostiziert Müller. Wo dieser noch nicht aufgegangen sei, könne nun frisches Grün erwartet werden.
Auch in den Gärten hatten Hobbygärtner im April meist eine einzige Staublandschaft zu bewirtschaften. Wer Gemüse- und Kräuter- und Blumensaaten aufgehen sehen wollte, musste ordentlich Gießkannen heranschleppen.
Erstmals Kulturen bewässert
Die Wälder leiden unter dem trockenen Klima, wie die Kuseler Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel berichtet. „Wir haben unsere Kulturen bewässert“, berichtet sie und fügt hinzu: „Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Beruf. Es ist das erste Mal, dass wir bewässern mussten.“ Mehrere 1000 Bäumchen – darunter Trauben- und Stieleichen, Buche und Linde sowie Randkulturen wie blühende Vogelbeeren und Haselsträucher – seien gesetzt worden. Doch die Böden seien vor allem in den unteren Schichten stark ausgetrocknet. Würden junge Pflanzen nicht bewässert, vertrockneten sie im Austrieb sofort, da die feinen Wurzeln im Erdreich keine Feuchtigkeit finden könnten.
An einen Ausfall möchte Kleinhempel nicht denken. Nicht nur finanziell wäre dies bitter, „wir bekommen für ausfallende Pflanzen im Herbst sicher keinen Ersatz“, weiß sie. Der Jungpflanzenbedarf könne aktuell kaum gedeckt werden, da viele Bäumchen auf den durch Borkenkäfer geschädigten Flächen in anderen Teilen des Landes benötigt würden. Kleinhempel: „Wir müssen mit jeder Pflanze pfleglich umgehen!“
62 Prozent weniger Niederschlag
Während im Süden des Landkreises, in Richtung Bruch, die Böden noch einigermaßen feucht seien, biete sich im Norden ein anderes Bild. Dort seien die Böden anders zusammengesetzt und viel trockener. „Die Reserven im Boden sind nicht aufgefüllt“, weiß sie. Schon der Start in den Winter sei viel zu trocken gewesen, der fehlende Regen im April bei gleichzeitigem, trockenen Wind habe sein übriges getan. Helfen könne dem Wald ein leichter Landregen über mehrere Wochen.
Nach Angaben von Agrarmeteorologie Rheinland-Pfalz fielen an der Messstelle Wiesweiler im April 16,66 Millimeter Niederschlag, das sind 62 Prozent weniger als im vieljährigen Mittel. 2019 wurden dort im gleichen Monat noch 40,41 Millimeter registriert. Im März fielen 39,96 Millimeter (2019: 60,81), im Februar waren es satte 139,49 Millimeter (2019: 35,78) und im Januar 25,81 Millimeter (2019: 37,79 Millimeter). Insgesamt registrierte die Messstelle Wiesweiler in den vergangenen zehn Jahren relativ konstante Niederschlagsmengen um gut 700 Millimeter. Lediglich 2011 und 2015 fielen unter 600 Millimeter. Besonders trocken war es 2015, damals fielen nur 452 Millimeter. In den vergangenen beiden Jahren, die von vielen Seiten als zu trocken charakterisiert werden, fielen tatsächlich 641,66 Millimeter (2019) sowie 2018 sogar 740,96 Millimeter.
Waldbrandgefahr geht zurück
Der Klimawandel begünstigt auch die Population des Eichenprozessionsspinners. Die Brennhaare der Raupen sind für Mensch und Tier gefährlich und lösen allergische Reaktionen aus. Damit muss auch in dieser Saison wieder gerechnet werden, warnt Kleinhempel: „Die Eichenprozessionsspinner sind schon unterwegs“, berichtet sie, und zwar nicht nur an den Waldrändern.
Immerhin ist die Waldbrandgefahr nach den jüngsten Regenfällen zurückgegangen. Noch Ende April lag sie bei Stufe 4 von 5, an einigen Orten hatte es bereits gebrannt. Altlaub und Unterholz waren völlig ausgedörrt. Wenn es unter den Sohlen knistert, ist dies laut Kleinhempel brandgefährlich. Der Pfälzerwald mit seinen Kiefern und Sonnenhängen sei allerdings mehr gefährdet als der hiesige Wald. Dennoch weist die Forstamtsleiterin darauf hin, dass im Wald offenes Feuer ganzjährig verboten ist. „Es darf weder geraucht noch gegrillt werden.“