Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Büroleiter des Kuseler Forstamts geht in Ruhestand

Hat nun mehr Zeit fürs Lesen, die Jagd und im Wald: Werner Pfaff. Seit 1986 war er für das Kuseler Forstamt tätig.
Hat nun mehr Zeit fürs Lesen, die Jagd und im Wald: Werner Pfaff. Seit 1986 war er für das Kuseler Forstamt tätig.

Den Wald im Bereich des Forstamts Kusel kennt er wie seine Westentasche: Mehr als vier Jahrzehnte lang war Werner Pfaff mit allem beruflich eng verbunden, was Forst betrifft. Jetzt geht der langjährige Büroleiter des Forstamts in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin steht in den Startlöchern.

Im Jahr 1986 kam Werner Pfaff „zur besonderen Verwendung“ ans Forstamt Kusel. Seither nahm er die unterschiedlichesten Aufgaben wahr – zuletzt war er Büroleiter. Am Dienstag, 12. Dezember, hat der Forstrat seinen letzten Arbeitstag, die Forstverwaltung verabschiedet einen geschätzten Kollegen. Pfaff wurde die Liebe zum Wald schon in die Wiege gelegt. Seine beiden Großväter waren Zimmerleute, erzählt der gebürtige Westpfälzer. „Der Holzgeruch in der Werkstatt hat mich immer angezogen, aber Handwerk war nicht so mein Ding“, sagt der Naturliebhaber. Ein Nachbar, der Förster war, habe ihm daraufhin den Tipp gegeben, sich beim Forst zu bewerben.

Die Ausbildung durchlief Pfaff in westpfälzischen Forstämtern sowie im Bienwald. Im Anschluss kam er für einige Monate ans frühere Forstamt Waldmohr. Nach dem Wehrdienst, den Pfaff bei der Luftwaffe in Hamburg und im Siegerland absolviert hatte, gab es noch eine Zwischenstation im Forstamt Idar-Oberstein. Dann ging es 1986 nach Kusel, wo er im Rahmen der Arrondierung des Staatswaldes viel mit Ankauf oder Tausch von Waldflächen zu tun hatte. „Damals haben wir noch vor Ort verhandelt“, erinnert sich der 65-Jährige. Das Thema Flurbereinigung, das auch die Bewertung von Wald mit einschloss, habe ihm stets viel Freude bereitet.

Orkane sorgen für viel Arbeit

Pfaff war im Laufe seiner Karriere „in allen Waldbereichen tätig“. Er betreute auch ein Programm zur Rettung seltener Baumarten. Dieses sei in Kusel besonders stark, denn zwei Drittel aller Samenplantagen in Rheinland-Pfalz befinden sich im Forstamtsbereich Kusel. Ein wichtiges Ziel dieser Samengärten sei die Erhaltung forstlicher Genressourcen, schildert er. Zu seinem Aufgaben gehörte zudem die Unterstützung der Revierleiter, und er war beim Verkauf von Wertholz eingebunden. Allerhand zu tun gab es für Pfaff auch nach den schlimmen Windwürfen im Jahr 1990 durch die Orkane Wiebke und Vivian. Damals wurde er ans Forstamt Otterberg abgeordnet, um dort zu unterstützen, nachdem allein dort rund 300.000 Festmeter Holz dem Wind nicht Stand hielten.

1993 wurde ihm die Betreuung des Privatwaldes im Forstamt Kusel aufgetragen – auch mit dem Ziel, junge Bäume zu wertvollen Edellaubhölzern für die Vermarktung heranzuziehen. Rückblickend bezeichnet er dies als wenig dankbare Aufgabe. Denn im Privatwald habe bei vielen Eigentümern damals das Thema Brennholz an erster Stelle gestanden. Und so landeten – für einen Holzfan wie Pfaff schwer nachvollziehbar – vielfach wertvolle Birnen-, Kirsch- und Nussbaumstämme in den Privatöfen. Als ein Jahr später die Stelle des Büroleiters in Kusel frei wurde, nutzte er die Chance.

Pfaff: Forstzweckverbände erleichtern Vieles

„Viele Förster wollen in den Pfälzerwald, ich wollte aber hier bleiben“, berichtet er. Daher habe er wenig Konkurrenz für die im allgemeinen als „unattraktiv“ geltende Stelle gefürchtet. „Zahlen sind mein Hobby“, berichtet Pfaff, dass ihm das neue Metier durchaus lag. Dafür spricht auch, dass er die Stelle als Büroleiter 31 Jahre lang ausfüllte.

2004 begleitete er die Reform der Forstämter. Seither war Pfaff auch stellvertretender Leiter in Kusel – während einer kurzen Vakanz auch Leiter – und hielt den Überblick über den Forstbereich mit aktuell 94 Waldeigentümern. „Gelassen bleiben, die Lösung lauert“ – Pfaffs Leitspruch könnte sich auch auf Neuerungen im Forstamt beziehen: „Mit der Einrichtung von Forstzweckverbänden wird Vieles erleichtert“, kommentiert er die aktuellen Bestrebungen.

Der Wecker klingelt nicht mehr um 5.30 Uhr

Neben seinem Job als Saat- und Pflanzengut-Beauftragter, kümmerte er sich um den Haushalt im Staatswald und war Ausbildungsbetreuer. „Als Büroleiter ist man der direkte Vorgesetzte der Sachbearbeiter im Forstamtsbüro“, erläutert er. So wirkte er bei der Ausbildung der Forstreferendare und Forstinspektoranwärter – darunter immer mehr Frauen – speziell für den Ausbildungsabschnitt Innendienst mit. Stolz erwähnt er, dass eine der von ihm ausgebildeten Verwaltungsangestellten landesweit die beste Prüfung ablegte. Seine Nachfolgerin, Franziska Bötte, hat Pfaff in den vergangenen Wochen eingearbeitet. Auch mit den Chefs pflegte er ein harmonisches Miteinander. Nur drei Forstamtsleiter kann er aufzählen, – zwei Männer und die jetzige Chefin Gabi Kleinhempel. „Ich bin immer gerne zu ihnen gegangen“, sagt er auch mit Blick auf deren Vierbeiner, die ihn immer freundlich begrüßt hätten.

Was er im Ruhestand machen wird? „Zuerst einmal stelle ich den Wecker nicht mehr auf 5.30 Uhr“, sagt Werner Pfaff und lacht. Dann müsse sich der RHEINPFALZ-Austräger auch nicht mehr so beeilen, von dem er hin und wieder die Zeitung persönlich in Empfang nahm. Dann wisse er früh, was läuft, und bekomme mit, „wenn ich selbst mal drin stehe“. So wie 1994, als er das WM-Tippspiel der RHEINPFALZ gewann und mit „Bertis Buben“ fünf Tage lang zum Auswärtsspiel nach Moskau reisen durfte. Und genau dies habe er damals nicht selbst in der Zeitung gelesen – „ich wurde von den Kollegen mit der Neuigkeit überrascht“. Außerdem möchte der verheiratete Pensionär künftig mehr Zeit im Wald haben, auch für seine Lieblingsbäume: Elsbeere und Eiche. Auch seine Hobbys Lesen und Jagen könne er nun intensiver pflegen, freut sich der FCK-Fan.

x