Kusel
Auf Nostalgiereise: Tributeband Creedence Clearwater Review überzeugt
Das Original kennt praktisch jeder, der mit Musik großgeworden ist. Die amerikanische Band Creedence Clearwater Revival – kurz: CCR – gehörte Ende der 1960er Jahre weltweit zu den ganz großen musikalischen Abräumern. Mit ihrer Mischung aus Country, Blues und Rock’n’Roll schufen sie einen hohen klanglichen Wiedererkennungswert, der dank der markant kräftigen, fast schon röhrenden Stimme von Frontmann John Fogerty zum musikalischen Alleinstellungsmerkmal seiner Zeit avancierte.
CCR waren nur fünf Jahre im Geschäft, ehe 1972 die Auflösung folgte. Diese überaus kurze Zeitspanne reichte jedoch aus, um sich bei ihrer Fangemeinde über die Jahrzehnte hinaus bis in die Gegenwart nachhaltig ins Gedächtnis zu brennen. Die Musiker von Creedence Clearwater Review ließen diese Zeit am Freitag in Kusel in ihrer nostalgischen Zeitreise auf wunderbare Weise aufleben.
Auftakt mit „Suzie Q.“
Hut, Holzfällerhemd, halblange Haare: Auch optisch nahm die „Kopie“ glaubhafte Tuchfühlung zum Original auf. Sänger Dale Taylor, Schlagzeuger Glenn Burgess, Piers Mortimer an der Gitarre und Bob Bampton am Bass brauchten nur wenige Takte, um die musikalische Brücke zum Publikum zu schlagen. Bereits während der Eingangs-Songs „Born on the Bayou“ und „Suzie Q.“, der ehemals ersten CCR-Single, sprang der Funke zu den Fans über, die fortan im fast pausenlosen Mitklatsch-Modus unterwegs waren. Kein Zweifel: Die CCR-Mucke zieht auch noch nach über 50 Jahren und kennt scheinbar kein Verfallsdatum, was sowohl den zeitlosen Klängen des Originals als auch dem zu Recht sehr guten Ruf der Coverband zu verdanken ist.
Dass sich die Fritz-Wunderlich-Halle an diesem Abend als proppenvoller Kulturtempel präsentieren konnte, lag an einem Publikum, das erwartungsgemäß der Generation 50 Plus angehörte. Vereinzelt gab es zwar generationsübergreifende Ansätze und Zuhörende, die die Original-CCR-Musik rein rechnerisch nur aus der Konserve kennen können, doch der überragende Anteil der Musikfans dieses Abends ist mit CCR groß geworden. Und etliche von ihnen hatten gar das Alter, dass ihnen zuzutrauen war, die Original-Jungs vielleicht seinerzeit gar einmal irgendwo live erlebt zu haben.
Zu hören gab’s an diesem Abend natürlich die meisten der großen Hits der Band. „Who’ll Stop the Rain“ und „Down on the Corner“ durften hier nicht fehlen. Schade nur, dass „Hey, Tonight“, der einzige Nummer-Eins-Hit von CCR in Deutschland, an diesem Abend nicht aus den Verstärkern hallte.
Dafür gab’s reichlich Alternativen. Und Songs, die nicht primär mit CCR in Verbindung gebracht werden. Das gilt für den Screamin’ Jay Hawkins-Klassiker „I Put a Spell on You“ ebenso wie für den Gladys Knight-Titel „I Heard it Through the Grapewine“, der in der Version von Marvin Gaye 1967 weltweit ein Riesenhit war und von CCR drei Jahre später gecovert worden war.
Eine Überraschung
Eine Überraschung gab es zudem, als kurz vor der Pause „Rockin’ all Over the World“ zu hören war. Denn dass jener 1970er-Jahre-Gassenhauer, der gerne ausschließlich mit den einstigen Rock-Heroen von Status Quo in Verbindung gebracht wird, aus der Feder von John Fogerty stammt, war vermutlich nicht allen im Saal bewusst.
Nach der Pause wurde es deutlich rockiger. „Bad Moon Rising“, „Green River“ und natürlich „Have You Ever Seen the Rain“ ließen die Stimmung hochkochen. Zu diesem Zeitpunkt saßen nur noch die wenigsten im Saal auf ihren Stühlen. Die meisten waren längst stehend Teil einer großartigen musikalischen Nostalgieshow geworden, in der sich Sänger Dale Taylor als perfekter Einheizer erwies, der es verstand, jederzeit auf stimmungsvolle Weise mit seinem Publikum zu interagieren.
Irgendwann gegen Ende des musikalischen Feuerwerks war die Halle kurzzeitig in ein Meer von Handylichtern getaucht. Wunderkerzen wären hier deutlich stimmungsvoller gewesen, aber da hätte vermutlich der Brandschutz in Windeseile Takt und Rhythmus verloren.
Creedence Clearwater Review wollen im nächsten Jahr mit neuem Programm wiederkommen. Das ist eine großartige Idee! Ihre Fans im Westrich werden sie erneut mit offenen Armen empfangen.