Breitenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Auf Kosten der BASF: 200 Jahre alter Stollen soll aufgefüllt werden

Werner Specht begutachtet eines der Löcher, die zur Verortung des Stollens gebohrt wurden. Hinter ihm: die große Bohrmaschine.
Werner Specht begutachtet eines der Löcher, die zur Verortung des Stollens gebohrt wurden. Hinter ihm: die große Bohrmaschine.

Um knapp 20 Zentimeter hat sich der Boden im Keller von Werner Spechts Haus abgesenkt. Der Grund: ein über 200 Jahre alter Bergbaustollen. Vor fünf Jahren hat Specht das bemerkt, seit vier Wochen wird nun auf seinem Grundstück gebohrt. Zuständig ist die BASF.

Gemeinsam mit einem Bekannten hat Specht vor etwa fünf Jahren die Absenkung im Lehmboden entdeckt. Er zeigt auf eine Ecke dahinter: „Das war Zufall. Wir waren hier im Keller, dort hatte ich den Selbstgebrannten gelagert. Als der Bekannte den Boden gesehen hat, hat er gefragt, was da los ist.“ Ihm selbst sei das nicht aufgefallen, denn an dieser Stelle lagerten lange Zeit Kartoffeln, die die Absenkung verdeckten.

Seit 1956 ist das Haus in der Fronhofer Straße im Besitz seiner Familie. Ein Jahr vor dem Kauf durch seinen Großvater sei der Giebel eingestürzt und renoviert worden – ebenfalls wegen des Stollens unter dem Haus. Dass davon einige unter der Siedlung verlaufen, sei bekannt gewesen: Die Neubauten in der Nachbarschaft seien daher zum Beispiel mit verstärkten Fundamenten gebaut worden. „Hier im Nachbarhaus war einst die Grubenverwaltung und ein paar Häuser weiter ein Eingang zur Grube Labach“, sagt Specht, der in dem Haus 1956 geboren wurde.

BASF: Hier nie abgebaut

Als er die Absenkung vor fünf Jahren entdeckte, habe er um Amtshilfe bei der Verbandsgemeindeverwaltung gebeten. Es folgte ein Treffen mit Behörden, unter anderem mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) und dem Umweltministerium. Das Ergebnis: Die BASF ist zuständig.

Die Gründe dafür erklärt Carsten Toppel, der bei der BASF für die Untersuchungen um Spechts Haus verantwortlich ist. Die Schürfrechte für das Steinkohlebergwerk in Breitenbach habe einst die IG Farben erworben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen aufgelöst: Die BASF war neben einigen anderen Firmen Teil der IG Farben. Bei der Auflösung erhielt sie die Schürfrechte, da sie geografisch am nächsten an Breitenbach liegt. Die BASF selbst habe hier nie selbst Kohle abgebaut. Dennoch trage sie, als Inhaber der Rechte, die Kosten, bestätigt Unternehmenssprecherin Ursula von Stetten auf Anfrage. Die Grube in Breitenbach sei das einzige Bergwerk, das dem Chemiekonzern gehöre.

Wo verläuft der Stollen?

Nachdem klar war, dass die BASF zuständig ist, hat sich Specht vor fünf Jahren an die Firma gewandt. „Auf meinen ersten Brief bekam ich eine negative Antwort. Stichwort: historischer Bergbau“, erzählt er. Hinter dieser Bezeichnung steckten illegale Grabungen, die es etwa in der Nachkriegszeit vielerorts gegeben habe. Doch damit habe der Stollen unter seinem Haus nichts zu tun: „Das ist alles belegt, es gibt viele offizielle Dokumente.“

Im Auftrag der BASF ist nun – vor etwa vier Wochen – die Essener Firma DMT angerückt, um ein Gutachten zu erstellen, erläutert BASF-Sprecherin von Stetten. Dafür müsse zunächst geklärt werden, wo der Stollen konkret verläuft, ergänzt Heinz-Jörg Benning von DMT – um den Stollen letztendlich auffüllen und so stabilisieren zu können.

„Die Pläne haben offiziell eine Genauigkeit von 20 Metern. Ich glaube, sie sind besser“, sagt Benning. Er zeigt auf eine rot markierte Strecke mit zwei Abzweigungen, die unter Spechts Haus auf dem Plan eingezeichnet ist: „Hier müsste der Stollen verlaufen. Wir überprüfen, ob das so stimmt.“ Dazu werden mit einem großen Bohrer Löcher in den Boden gebohrt, bis die Arbeiter auf den Stollen treffen. Von außen bohren sie schräg unter das Haus. 23 Löcher sind dafür bereits entstanden, einige haben den etwa zwölf Meter tiefen Stollen getroffen. Auf einem Laptop zeigt Benning ein Video. Ein Hohlraum unter der Erde ist zu sehen. „Das ist der einzige ganz leere Hohlraum“, erklärt er. Die anderen Bereiche, die sie gefunden haben, seien mit Schlamm zugesetzt.

Stollen auch unter Straße

Das sei nicht verwunderlich, schließlich ist der Stollen laut Benning über 200 Jahre alt. Um mehr über die Grube zu erfahren, hat er sich mit der Dorfgeschichte auseinandergesetzt: 1776 sei sie entstanden, mit nur vier bis sechs Arbeitern betrieben. „Kein Vergleich zu heutigen Abbaugebieten“, sagt er. Auf einem weiteren Plan zeigt er, wie die Stollen durch die verschiedenen ehemaligen Kohlegruben laufen. Das Haus steht laut Plan auf einem Stollen zwischen zwei Abbaugebieten, die im Laufe der Zeit zusammengeschlossen wurden, die Grube Breitenbach. Spätestens 1869 wurde sie stillgelegt: „Seither wurde sie nirgends mehr erwähnt“, sagt Benning. Der Abbau im gesamten Gebiet sei 1912 zum ersten Mal vollständig eingestellt worden. In der Nachkriegszeit seien einige Gruben noch einmal reaktiviert worden, 1953 dann aber endgültig stillgelegt.

Wie Carsten Toppel von der BASF erläutert, muss noch einiges getan werden, um das eigentliche Ziel zu erreichen: die sogenannte Standsicherheit wiederherzustellen. Das bedeutet, dafür zu sorgen, dass der alte Stollen nicht einstürzen oder noch mehr Absenkungen verursachen kann. Dafür gebe es bereits einen Plan, der aber zunächst gemeinsam mit BASF, SGD und Hausbesitzer Specht besprochen werden müsse. Da die Stollen unter anderem unter der Fronhofer Straße verlaufen, werde auch das Landesamt für Mobilität bei den nächsten Besprechungen dabei sein.

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