Kusel
Alternative Gegenkultur: Kampf gegen Rechts und vieles mehr
Dass es diese Strömungen auch im Kreis gibt, belegen aktuelle Entwicklungen. Bei der Landtagswahl holte die rechtspopulistische AfD 11,1 Prozent der Stimmen, war in Albessen mit 25,3 Prozent die stärkste Kraft vor der SPD (24,1) und der CDU (22,8). Außerdem ist vor kurzem eine Gruppe aufgetaucht, die mehrere Personen aus der Region in E-Mails beleidigt, weil sie ihrer Ansicht nach politisch zu weit links stehen.
„Das Gesicht des Rechtsextremismus hat sich verändert“, sagt Bastian Drumm, Mitbegründer der Alternativen Gegenkultur. „Er ist bürgerlicher geworden und hat schleichend Einzug in die Mitte der Gesellschaft gehalten. Das fängt damit an, dass das Banner zur Fotoaktion ,Flüchtlinge Willkommen’ mehrfach beschädigt wurde, über die unsäglichen Aussagen in den Facebook-Kommentarspalten bis hin zu persönlichen Anfeindungen und Leuten, die mir gegenüber öffentlich den Hitler-Gruß gezeigt haben.“
Nach wie vor wichtig
„Die Aktualität der Gegenkultur und das, wofür sie steht, ist keineswegs zurückgegangen. Das Erstarken rechter Kräfte und das Vordringen eindeutig rechtsradikaler Positionen in die sogenannte Mitte der Gesellschaft ist offensichtlich und macht auch vor dem Raum Kusel nicht halt“, ist Jonas Koch überzeugt, der sich in der Gegenkultur engagiert. „Aus diesem Grund ist die Alternative Gegenkultur damals wie heute eine unerlässliche zivilgesellschaftliche Bewegung, um rechter Landnahme und rechtem Lifestyle entgegenzustehen, demokratische Strukturen zu stärken und eine Jugendkultur zu etablieren, deren Kern ein Einsatz für Demokratie und Menschenrechte ist.“
Drumm kam es bei der Gründung vor allem darauf an, Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, sich vielfältig zu informieren. „Die Gegenkultur hat absolut nichts mit politischer Indoktrination zu tun“, stellt er klar. „Ich bin der Meinung, dass es dort, wo es alternative Strukturen gibt, wo sich Jugendliche kritisch mit Sachverhalten auseinandersetzen können und Einblicke in viele verschiedene Lebenswelten haben, weniger Angriffsfläche für Rassismus und dergleichen gibt.“
Konzerte, Demos, Vorträge
Seit der Gründung organisieren die Mitglieder viele Veranstaltungen. Angefangen bei Konzerten. „Unsere ersten Konzerte fanden noch im Rolandseck in Wahnwegen statt. Beim ersten stand der ,Punk-Liedermacher’ Fidl Kunterbunt auf der Bühne. Später haben wir unter anderem das Mehrgenerationenhaus in Kusel genutzt“, erinnert sich Drumm. In der Anfangszeit habe man sich immer auf die Unterstützung des damaligen Jugendhaus-Leiters Roland Ziehmer verlassen können. „Und auch Andi Becker hat uns immer unterstützt, hat sich beispielsweise bei Konzerten oft um die Technik gekümmert.“
Für viele Jugendliche waren diese Konzerte eine Alternative beispielsweise zu Dorffesten. „Die Gegenkultur hat mir das erste Mal die Gelegenheit geboten, andere Musik zu hören als die übliche Festzeltmusik. Darüber hinaus wurde mir ermöglicht, mich in vielen Bereichen einzubringen und dazu zu lernen. Das hat nicht nur meine Berufswahl beeinflusst, sondern war auch elf Jahre lang etwas, was mich begleitet hat und mich noch heute begeistert“, sagt Jonas Seibert, der sich ebenfalls in der Gegenkultur engagiert und derzeit ein Studium in der Fachrichtung Soziale Arbeit absolviert.
Sampler in Arbeit
Unterstützt werden die Veranstaltungen der Gegenkultur auch aus der Politik. „Allen voran vom Bündnis 90/Die Grünen-Kreisverband, aber auch die SPD und die Linkspartei haben uns schon unterstützt“, berichtet Drumm. Ihm sei es wichtig, nicht nur Konzerte zu organisieren, sondern ein breites Spektrum von Veranstaltungen anzubieten – und klarzustellen, dass nicht jede Veranstaltung mit dem Thema Rechtsextremismus zu tun hat. „Wir hatten auch schon Vorträge zu Themen wie Seenotrettung, Frauenrechten in Afghanistan und haben auch schon einen Poetry Slam organisiert.“
Gerade in Arbeit ist ein CD-Sampler mit dem Titel „I have a dream – Gegen jeden Rassismus“. Der Tonträger, der 1000-mal gepresst und kostenlos verteilt werden soll, wurde durch Crowdfunding und Spenden der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie der Linkspartei finanziert. Die nächste Veranstaltung der Gegenkultur ist ein Online-Vortrag mit dem Journalisten und Publizisten Tanjev Schultz unter der Überschrift „Auf dem rechten Auge blind? Nazi-Terror und staatliches Versagen in Deutschland“. Schultz ist Professor in Mainz und Autor des Buches „NSU – Der Terror von rechts und das Versagen des Staates“.