Kusel / Kirchheimbolanden / Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Alte Welt: Bauministerium in Berlin lässt 337.000 Euro an Alsenz, Glan und Lauter fließen

Viel Gegend und sonst herzlich wenig: Die Alte Welt, hier ein Motiv bei Waldgrehweiler, soll gestärkt werden.
Viel Gegend und sonst herzlich wenig: Die Alte Welt, hier ein Motiv bei Waldgrehweiler, soll gestärkt werden.

Der Förderbescheid strotz nur so vor Wort-Ungetümen. Unterm Strich aber steht eine Summe – 337.000 Euro. Der Bund macht Geld locker für die Alte Welt. Die Mittel gehen an die Initiative, die sich einer Stärkung des Landstrichs zwischen Glan, Lauter und Alsenz verschrieben hat. Doch was passiert nun mit diesem Zubrot?

„Alte Welt – neue Wege“: Das klingt ja noch griffig. Schwieriger wird es mit der „Stärkung der Absorptionsfähigkeit von Fördermitteln in strukturschwachen Räumen“ und mit einem „interkommunalen Fördermittelmanagement“. Diese Begriffe finden sich im Zusammenhang mit einem Schreiben, das dieser Tage aus der Bundeshauptstadt in die Westpfalz geflattert ist: Der Bescheid sichert der Initiative Alte Welt – getragen von vier Landkreisen und der evangelischen Kirche – eine weitere Förderung zu. Damit sollen Bemühungen um eine Stärkung des strukturschwachen Landstrichs verstetigt werden.

In nicht wenigen Dörfern des Nordpfälzer Berglandes herrscht akuter Mangel an so ziemlich allem. Dies ballt sich geradezu in einer Gegend, die sich Alte Welt nennt. Die zu verorten, damit tun sich viele schwer. Genau zu definieren sind die Grenzen nicht. Auch woher die Bezeichnung rührt, lässt sich nur unzureichend erklären.

Solidargemeinschaft will so einiges verbessern

Als unstrittig gilt, dass so einiges arg verbesserungswürdig sei: Jobangebot, Verkehrsanbindung, Mobilfunk- und Breitbandstruktur, ärztliche Versorgung, Gastronomie – um nur mal die wesentlichen Punkte zu nennen. Was auch andernorts in der West- und Nordpfalz zu wünschen übrig lässt, ballt sich in den Dörfern auf Anhöhen und in Tälern der Flüsschen Alsenz, Glan und Lauter. Wohlwissend um die Schwächen, hat sich eine Solidargemeinschaft gebildet, die sich Besserung auf die Fahne geschrieben und einen langwierigen Prozess angeleiert hat. Einige Lichtblicke aber gebe es schon, werden die Mitstreiter nicht müde zu betonen.

Die Förderzusage bestätige dies nun: Als „höchst erfreulich“ hat etwa Kusels Landrat Otto Rubly die Nachricht gewertet, dass in den kommenden drei Jahren 337.000 Euro in die Alte Welt fließen. Das Vorhaben in der Westpfalz ist mithin eines von nur wenigen bundesweit, denen eine solche Förderung zuteil wird. Sieben Modellregionen sind auserkoren worden, Geld aus einem Forschungsprogramm zu bekommen.

Fünf-K-Initiative als beispielgebend eingeschätzt

Rubly ist einer der Motoren der im Jahr 2018 ins Leben gerufenen Initiative „Alte Welt im Aufbruch“ und darüber hinaus Vorsitzender des im Folgejahr gegründeten Vereins Alte Welt. Erklärter Sinn und Zweck beider eng verbandelter Institutionen: die Gegend zwischen Glan, Lauter und Alsenz aus dem Dornröschenschlaf zu schütteln. Als ein Weckmittel sind nun besagte 337.000 Euro zu betrachten. Bereitstellen wird sie das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Die Fünf-K-Initiative wird demnach als beispielhaft eingeschätzt. Vier Landkreise, deren Sitzort jeweils mit K beginnt, und die Kirche (fünftes K) hatten zusammengefunden, um die als Alte Welt bezeichnete Gegend an aller Schnittstelle in den Blickpunkt zu rücken. Der Landstrich zwischen Wolfstein, Lauterecken, Meisenheim, Rockenhausen und Otterberg – begrenzt in etwa durch die Läufe von Glan, Lauter und Alsenz – verteilt sich auf die Randzonen der Landkreise Kusel, Kaiserslautern, Donnersberg und Bad Kreuznach. Damit zählen Dörfer der Alten Welt verwaltungstechnisch auch zu vier Verbandsgemeinden – Lauterecken-Wolfstein, Nordpfälzer Land, Otterbach-Otterberg und Nahe-Glan. Mit im Boot ist die Kirche, genauer das Dekanat zwischen Alsenz und Lauter. Ganz bewusst ist die Alte Welt nicht trennscharf von einem „Umland“ abgegrenzt worden.

Antrag der Strukturlotsen hat Erfolg

Einig sind sich die Beteiligten, dass die so vernachlässigt wirkende, von Strukturschwäche und damit einhergehendem Bevölkerungsschwund geprägte Gegend aufgewertet werden müsse. Einigkeit herrschte auch darüber, dass Einzelaktionen wenig erfolgsträchtig seien, dass man vielmehr an einem Strang ziehen müsse beim Bemühen, die Lage und damit die Lebensbedingungen zu verbessern.

Mit Eifer und professionellen Ansätzen sind vor drei Jahren vier Strukturlotsen ans Werk gegangen. Im Zuge eines vom Bund geförderten Modellprojekts für ländliche Entwicklung waren vier Stellen installiert worden. Vier Kräfte, angesiedelt bei Verwaltungen der beteiligten Kreise, kümmerten sich seit 2021 um die Belange der Alten Welt, um in wirtschaftlicher und infrastruktureller Hinsicht Impulse zu setzen. Wesentlicher Bestandteil ist ein Beratungsangebot, das etwa Betriebe dabei unterstützen soll, im Förderdschungel passende Programme ausfindig zu machen. Dabei gilt Handwerksbetrieben ein besonderes Augenmerk.

Neue Personalstelle beim Alte-Welt-Verein geplant

Die Strukturlotsen haben die Initiative entwickelt und den Förderantrag für den Verein „Alte Welt“ entworfen. Dies sei nun von Erfolg gekrönt. Ziel des Vorhabens sei es, weitere Fördermittel für den Aufbau und die Verstetigung einer regionalen Fördermanagement-Struktur zu erhalten, erläutert Philipp Gruber von der Kreisverwaltung Kusel, der auch dem Bürgerrat des Alte-Welt-Vereins angehört und das Projekt stützt. Mit den Fördermitteln soll nun eine Personalstelle etabliert werden. Sie soll auch bei dem Verein angesiedelt sein, der aus dem interkommunalen Solidarbündnis hervorgegangen ist und namens der inzwischen 123 Gemeinden agiert, die sich ihm angeschlossen haben.

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