Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Als der Arbeitsmarkt noch richtig gut aussah – doch inzwischen sind 471 Betriebe in Kurzarbeit

Die Zahl der Betriebe in Kurzarbeit ist bekannt, noch nicht aber, wie viele Menschen es getroffen hat.
Die Zahl der Betriebe in Kurzarbeit ist bekannt, noch nicht aber, wie viele Menschen es getroffen hat.

Seit März haben 471 Unternehmen aus dem Landkreis Kusel Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angezeigt. Das hat die Agentur auf RHEINPFALZ-Anfrage mitgeteilt. Soweit die ungünstigen Nachrichten. Es gab aber auch eine Zeit vor Corona. Und da sah es am Arbeitsmarkt richtig gut aus.

Bei den 471 Unternehmen, die Kurzarbeit angezeigt haben, reicht die Palette von Kleinstfirmen bis zum Mittelständler. Bei wie vielen von ihnen dann tatsächlich kurzgearbeitet wurde und zu welchem Prozentsatz, das kann die Agentur derzeit noch nicht mitteilen. Denn dazu sind die Abrechnungen noch nicht ausgewertet. Unternehmen können Kurzarbeit anzeigen – ob sie diese dann auch tatsächlich vollziehen, stellt sich erst später heraus.

Ja, es gab auch eine Zeit vor Corona. Und da sah es richtig gut aus auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Kusel, wie die Beschäftigtenzahlen dokumentieren. Diese laufen immer mit sechsmonatiger Verspätung ein, also hat die Agentur jetzt die Zahlen von 31. Dezember 2019 vorliegen.

2019 mehr Jobs

Demnach gab es zum Jahresende erneut mehr Jobs im Landkreis, nämlich 12.612 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das war ein Anstieg um 338 gegenüber dem Vorjahr, in dem allerdings erstmals seit Jahren der Bestand leicht zurückgegangen war. Dies hatte vor allem an der Insolvenz von CS Schmalmöbel in Waldmohr gelegen.

Die erfreulichen Zahlen relativieren sich jedoch ein wenig, wenn man sich anschaut, wo die neuen Jobs im Kreis entstanden sind. Denn nach RHEINPFALZ-Informationen sind 230 der 338 neuen Jobs zwei Zeitarbeitsfirmen im Landkreis zuzuordnen, die sich im vergangenen Jahr hier neu angesiedelt haben.

Zuwächse im Handel

Stärkster Wirtschaftsfaktor ist nach wie vor das verarbeitende Gewerbe, in dem zum Jahresende 2803 Jobs registriert waren – nach der CS-Schmal-Delle im Jahr zuvor immerhin ein Anstieg um 41 Stellen.

Auf Rang zwei folgen das Gesundheits- und Sozialwesen mit 2080 Jobs. Im Jahr zuvor waren es noch 2319 gewesen; allerdings ist der Rückgang eher formaler Natur, weil mehrere Arbeitgeber hier die Branchenmeldung geändert und sich dem Bereich Erziehung und Unterricht zugeordnet haben.

Zuwächse bei der Beschäftigung verzeichnen vor allem der Handel plus die Kfz-Reparatur (von 1672 auf 1792) sowie die öffentliche Verwaltung, bei der im Jahresverlauf 2019 der Stellenbestand um 37 auf 1165 gestiegen ist. Auch das Baugewerbe legte zu: von 879 auf 905.

19 000 pendeln aus

Auch wenn die Beschäftigtenzahlen im Kreis Kusel seit Jahren leicht steigen und es hier mehr Stellen gibt – vom Sonderjahr 2018 einmal abgesehen –, ändert sich nichts daran, dass die Bewohner ein erhebliches Maß an Mobilität zeigen müssen, um ihr täglich Brot zu verdienen. Auch weiterhin pendeln rund 19.000 Menschen zu ihrer Arbeit über die Kreisgrenze Richtung Kaiserslautern, Saarland oder gar ins Rhein-Main- und ins Rhein-Neckar-Gebiet. Das wird auch nach der Corona-Krise so bleiben.

Gleiches gilt für den Kuseler Arbeitsmarkt insgesamt. Der reagiert, wie die Juni-Zahlen gezeigt haben, nach wie vor mit zeitlicher Verzögerung und leicht abgepuffert auf die allgemeine Entwicklung. Die Beschäftigten aus dem Kreis sind weniger heftig von der Corona-Krise getroffen worden, die Arbeitslosenzahlen sind nicht in dem Maße gestiegen wie in der übrigen Westpfalz. Nun erholen sie sich aber auch weniger schnell als in der Nachbarschaft. Während in mehreren westpfälzischen Städten und Kreisen die Arbeitslosenzahlen im Juni dank der Lockerungen wieder leicht zurückgingen, sind sie in Kusel nochmals leicht angestiegen. Die Quote liegt nun bei immer noch respektablen 4,9 Prozent.

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