Offenbach-Hundheim RHEINPFALZ Plus Artikel Abschiedskonzert von Roland Lißmann: Musik für Feinschmecker

Ein gelungenes Konzert: Kreiskantor Roland Lißmann (rechts) hatte Giaccino Rossinis „Petite Messe solennelle" für seinen Abschie
Ein gelungenes Konzert: Kreiskantor Roland Lißmann (rechts) hatte Giaccino Rossinis »Petite Messe solennelle« für seinen Abschied gewählt.

Mit der „Petite Messe Solennelle“ setzte Roland Lißmann am Samstagabend in der Abteikirche Offenbach-Hundheim einen würdigen Schlusspunkt seiner Tätigkeit. Nach mehr als vier Jahrzehnten, in denen er als Leiter der beiden Kantoreien Idar-Oberstein und Obere Nahe aktiv war, gab er sein Abschiedskonzert.

Noch einmal war die mächtige Altarnische der Abteikirche in Offenbach-Hundheim seine große Bühne. Noch einmal dirigierte er den großen, stimmgewaltigen Chor des Kirchenkreises Obere Nahe. Und noch einmal verschmolzen Chor und Dirigent zu einem harmonischen Ganzen. Mit Gioacchino Rossinis „Petite Messe Solennelle“ sagte am Samstagabend Roland Lißmann nach 41 Berufsjahren dem Kirchenkreis als Kantor und Dirigent Adieu.

Nach dem Konzert sagte ein älterer Herr zu seiner Ehefrau leise, aber dennoch deutlich zu hören: „Wenn ich sage, das Konzert war schön, hört es sich fast an wie eine Beleidigung.“ Nein, sein Resümee ist keine Beleidigung, sondern reiht sich sicherlich ein in die Wertschätzung der mehr als 100 Besucher des Abschiedskonzerts von Kantor Roland Lißmann.

Eine musikalische Delikatesse

Im Übrigen ging Gioacchino Rossini damals mit sich und seinem Werk selbst viel härter ins Gericht und zweifelte nach der Uraufführung im März 1864 mit einer gehörigen Portion Selbstironie an, was er da geschaffen hatte: „Lieber Gott – voilà, nun ist diese kleine Messe beendet. Ist es wirklich heilige Musik, die ich gemacht habe oder ist es vermaledeite Musik? Ich wurde für Opera buffa geboren, das weißt Du wohl! Wenig Wissen, ein bisschen Herz, ist alles …“

In der Tat, durch die Komposition geistlicher Werke ist Rossini nie hervorgetreten. Gleichwohl widmete sich der Schöpfer des „Barbiers von Sevilla“ gerade in seinen letzten Lebensjahren auch der geistlichen Musik. So erhielt er im Jahre 1863 vom französischen Grafen Alexis Pillet-Will einen Kompositionsauftrag, eine Musik zur Einweihung seiner Privatkapelle in Paris zu schreiben. Es entstand eine musikalische Delikatesse, eine „Petite Solennelle“ mit zwölf Sängern, zwei Pianos und einem Harmonium.

60 Sängerinnen und Sänger

Delikatesse trifft sicherlich auch auf die Umschreibung der vier Solisten zu, die der Kirchenkreis zum Abschiedskonzert eingeladen hatte. Die Zuhörer durften mit der Sopranistin Anne Kathrin Fetik, der Altstimme von Judith Braun, dem Tenor Michael Hasselberg sowie Jason Thoms mit seiner tiefen Bassstimme Solo-Arien genießen, die, denkt man an den auch als Gourmet bekannten Rossini, einem üppigen Menü gleich kam, genossen das ihnen Dargebotene wie Essen in einem Drei-Sterne-Restaurant.

Gleiches gilt für den 60-köpfigen Chor und die Fülle von Sätzen, die dieser überzeugend vorstellte. Ebenso hochkarätig auch die Begleitmusik am Klavier mit Thomas Layes, das Harmonium spielte Lutz Gillmann.

Strahlende Stimmen beim Gloria

Großartig oder eben nur schön, gleich der Auftakt, das „Kyrie“. Erst ein-, dann mehrstimmig entwickelte der Chor ein fast mystisches, sakrales Klangbild und zog die Besucher gleich zu Beginn des Konzertes förmlich in seinen Bann. Sehr melodiös wurde besonders der Mittelteil im „Christie Eleison“ dargebracht, der sehr an den kirchenmusikalischen Stil des 19. Jahrhunderts erinnerte und dessen Inspirationsquelle die Musik der Renaissance ist.

Strahlende Stimmen von Chor und Solisten auch beim nachfolgenden Gloria („Ehre sei Gott in der Höhe“). Und wer genau hinschaute, konnte sehen, wie der sechsstimmige Chor und Dirigent Lißmann wie ein einheitlicher Organismus agierten.

Am Ende des 90-minütigen Konzerts gab es einen frenetischen Applaus, der nochmals an Intensität zunahm, als Roland Lißmann sich in die Mitte seines Chors begab und sich mit einer tiefen Verbeugung bei Chor, Solisten und beim Publikum bedankte.

41 Jahre im Dienst der Kirchenmusik: Roland Lißmann.
41 Jahre im Dienst der Kirchenmusik: Roland Lißmann.
x