Kusel
50 Jahre Reisebüro Wirtz: „Schön, das Lebenswerk von Artur weiterführen zu können“
Am 1. Juni feiert das Reisebüro Artur Wirtz laut seinem Inhaber Thomas Schug das 50. Jubiläum. Unzählige Menschen aus dem Kreis – und darüber hinaus – haben sich in der Kuseler Fußgängerzone schon beraten lassen und ihren Urlaub dort gebucht. In diesen Tagen steht noch ein weiteres Jubiläum an: Der 54-jährige Thomas Schug aus Herschweiler-Pettersheim leitet das Reisebüro seit 20 Jahren.
Ein eigenes Reisebüro. War das schon immer Ihr Traum?
Anfangs hab’ ich vor allem den Traum meiner Eltern gelebt und auf deren Anraten hin eine Ausbildung als Sozialversicherungsfachangestellter bei der AOK begonnen. Dann habe ich schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist, die drei Jahre aber durchgezogen. Nach anschließendem Fachabitur habe ich in Wiesbaden an der Fachhochschule Betriebswirtschaftslehre studiert und anschließend im Vertrieb eines EDV-Konzerns gearbeitet.
... und hatten also nichts mit Reisen am Hut ...
(lacht) Abgesehen von den gut 60.000 Kilometern, die ich jährlich im Auto zurückgelegt habe, nein. Da reifte der Entschluss, mich selbstständig zu machen. Also hab’ ich mir die Gelben Seiten geschnappt und überlegt: In der EDV-Branche meckern die Kunden viel, wo ist das anders?
Bei Menschen, die erholt und gut gelaunt aus dem Urlaub kommen.
Genau! Reisen ist ein schönes Thema. Also hab’ ich Artur Wirtz, den Gründer des Reisebüros, einfach vorm Geschäft angesprochen, ob er schon einen Nachfolger hat. Hatte er nicht. Also habe ich mich in das Abenteuer gestürzt und mit Artur und seiner Frau Friedel zusammengearbeitet.
Artur Wirtz war ein Kuseler Urgestein, ist vor drei Jahren gestorben. War eine Namensänderung des Reisebüros nie ein Thema?
Auf keinen Fall. Das Reisebüro Wirtz ist ein fester Begriff für viele Kunden. Dazu kommt, dass eine Namensänderung eine Lawine an Formalien mit sich bringen würde – von neuem Briefpapier bis zur Website. Die Frage kommt übrigens immer wieder, meist von Menschen, die Artur noch gekannt haben.
Schön ist auch, das Lebenswerk von Artur und Friedel weiterführen zu können. Wirtz ist in der Riu-Hotelgruppe ein Name.
Inwiefern?
Ich erinnere mich an einen Besuch mit Artur in der Firmenzentrale von Riu auf Mallorca. Dort stand plötzlich der spanische Eigentümer vor uns: „Servus Artur, lang nicht mehr gesehen.“ Das hat mich beeindruckt.
Kennt die Inhaberfamilie jetzt Thomas Schug?
(lacht) Das weiß ich nicht. Aber wir gehören – und das macht mich stolz – deutschlandweit zu den erfolgreichsten TUI-Reisebüros.
Sie haben die Coronakrise also längst hinter sich gelassen?
Ja. Das war eine schlimme Zeit, die mir schlaflose Nächte und einen Privatkredit beschert hat, weil wir ja null Einnahmen hatten. Da haben mich die Banken im Landkreis gerettet – weil sie nicht nur aufs Unternehmen geguckt haben, sondern auch auf den Menschen Thomas Schug. Wir haben es überstanden und liegen mittlerweile umsatzmäßig deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.
Andere Reisebüros haben Corona nicht überstanden.
Es war eine harte Zeit für die ganze Branche, gerade für Selbstständige. Jetzt, einige Jahre danach, laufen die Geschäfte gut – aber auch, weil es weniger Konkurrenz gibt. Wir merken, dass bei uns der Einzugsbereich größer wird, Kunden sogar aus Baumholder oder Landstuhl zu uns kommen.
Und die Kunden reisen vor allem gern nach Mallorca ...
Tatsächlich ist die Insel gerade bei der Generation Ü-70 ein Lieblingsziel. Man kennt alles, ist in gut zwei Stunden dort. Aber auch Kreuzfahrten sind ein Wachstumssegment: Wie sonst lassen sich in einem Urlaub gleich mehrere Länder bereisen? Ich bin da ein großer Fan.
Nach der Umweltbilanz der Ozeanriesen frage ich jetzt besser nicht.
Können Sie aber. Zumindest bei den Kreuzfahrten, die wir vermitteln, spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. In der Regel informieren sich Kunden oft vorm Beratungsgespräch schon online, ob das für sie infrage kommt.
Gibt’s nach 20 Jahren noch Länder, in die Sie keine Reise vermittelt haben?
(Denkt nach) Nur sehr wenige. Nordkorea fällt mir spontan ein. Ansonsten müsste ich noch mal nachschauen.
Haben Sie schon mal einen Buchungswunsch abgelehnt?
Abgelehnt sehr selten, abgeraten schon öfter. Beispielsweise, wenn die Vulkane auf Island wieder sehr aktiv sind und Flüge auszufallen drohen, oder wenn die politische Lage in einem Land zu instabil ist, die Reise nicht sicher wäre. Dann würde ich auch mal Nein sagen.
Zur Person
Thomas Schug, 54 Jahre, lebt mit seiner Familie in Herschweiler-Pettersheim. Seit 20 Jahren leitet er das TUI-Reisebüro in der Kuseler Fußgängerzone. In dem Geschäft arbeitet eine Mitarbeiterin, Lisa Marie Umlauff, mit. Im Kreis Kusel gibt’s laut Schug nur noch vier oder fünf Reisebüros mit Ladengeschäft.
Kann sich das ein selbstständiges Reisebüro in Zeiten von Internet-Reiseanbietern erlauben?
Das muss ich sogar tun. Stellen Sie sich vor, den Urlaubern passiert auf der Reise etwas. Das fällt ja dann auf uns zurück, und das Vertrauen, das wir uns über Jahrzehnte aufgebaut haben, ist weg.
Bei Reisen, auf denen etwas schiefgeht, leidet der Reisebüro-Ruf auch ...
Stimmt. Deshalb freuen wir uns immer über ernst gemeinte Rückmeldungen von Kunden. Damit und durch eigene Reisen und jahrelange Erfahrung lässt sich ein Hotel wirklich beurteilen. In die Internetportale kann jeder was schreiben – ob er dort war oder nicht.
Buchen junge Menschen Ihre Reisen noch klassisch über ein Reisebüro?
Auch junge Menschen schätzen die Beratung und Betreuung rund ums Buchen und die Reise. Ein persönlicher Ansprechpartner ist vielen 25-Jährigen ebenfalls wichtig. Dass wir im Büro die gleichen Preise wie unsere Reiseanbieter online anbieten, dürfte da mit dazu beitragen.
Gibt’s mit Blick auf die nahenden Sommerferien und die Herbstferien Mitte Oktober noch einen Reisetipp vom Fachmann?
Last-Minute ist jetzt das Mittel der Wahl. Hier sollte man ziemlich genau vier Wochen vor Reisebeginn buchen. Die Anbieter versuchen nämlich, die Flugzeuge aufzufüllen. Vier Wochen vorher gibt’s da oft noch mal einen Preis, der mit Frühbuchungen vergleichbar ist. Nur die Auswahl der Reiseziele ist deutlich eingeschränkt.