Westpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel 1945: Westpfalz zwischen Bombenangriffen, Zwangsarbeit und Durchhalteparolen

 Das Bild stammt aus der Kusel-Chronik von Ernst Schworm, wird aber im Bildnachweis nicht aufgeführt.
Das Bild stammt aus der Kusel-Chronik von Ernst Schworm, wird aber im Bildnachweis nicht aufgeführt.

„80 Jahre nach dem Krieg“: Zum Start unserer Serie werfen wir einen ersten Blick auf das Jahr 1945: Die Nationalsozialisten hatten der Pfalz eine besondere Rolle zugedacht.

Die ersten beiden Monate des Jahres 1945 waren gekennzeichnet durch eine militärische Atempause für die Pfalz und das Saarland. Aber es war kein Ende der Bedrohung, die jetzt vor allem durch Luftangriffe erfolgte.

Nach der Niederlage von Stalingrad bedeutete die Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 die endgültige Wende im Zweiten Weltkrieg. Die Alliierten befreiten Frankreich schrittweise von der deutschen Besatzung, und die Front näherte sich der Grenze des Deutschen Reiches. Aber der Vormarsch wurde durch die Gegenoffensiven in den Ardennen im Dezember 1944 und im Elsass im Januar 1945 kurzzeitig gebremst.

Angriffe auf Orte an der Bahnstrecke

Die Pfalz und das Saarland blieben trotzdem nicht vom Krieg verschont, denn seit Sommer 1944 nutzten die Alliierten die Flugplätze in Frankreich und ihre Luftüberlegenheit zu ständigen Angriffen. Das wichtigste Ziel waren die großen Städte, deren Industrie und Verkehrswege zerstört werden sollten. Gleichzeitig wollte man den Widerstand der Bevölkerung brechen.

Kaiserslautern wurde das Ziel von insgesamt neun Luftangriffen, die die Stadt letztlich zu 60 Prozent zerstörten. Zwischen dem 29. September 1944 und dem 2. März 1945 fielen auch mehrmals Bomben auf Kusel, die in der Bahnhof- und in der Glanstraße Ruinen und Bombentrichter hinterließen. Kleinere Ortschaften an der Bahnstrecke im Glan- und Lautertal wurden ebenfalls angegriffen. Zu ihnen gehörte Lauterecken, das zwei Bombardierungen erlebte.

Schutz in den umliegenden Wäldern gesucht

Vom Januar 1945 an verbrachte die Bevölkerung sehr viel Zeit in den Luftschutzkellern. Wo solche nicht zur Verfügung standen, suchte sie Schutz in den umliegenden Wäldern oder in abgelegenen Siedlungen. Die heute 88-jährige Luise Weber erinnert sich noch lebhaft an Bombenangriffe in Rutsweiler an der Lauter. Die Mauern in ihrem Elternhaus hatten Risse bekommen, und die Fenster waren geborsten. Deshalb brachte ihre Mutter sie und ihre drei Geschwister nachts nach Frankelbach, damit sie dort sicherer waren.

Neben den Bombern waren auch die zunehmenden Angriffe der „Jabos“ (Jagdbomber) gefürchtet. Mit ihren Bordwaffen schossen sie auf alles, was sich bewegte – auf Menschen, Tiere, Bauern auf dem Feld und sogar spielende Kinder. „Man wusste nie, wenn man von zu Hause wegging, ob man lebend zurückkommen würde“, schrieb Liesel Höh aus Fronhofen in ihren „Jugenderinnerungen aus der Westpfalz“.

Stromabschaltung an einzelnen Tagen

Um sich beim Angriff der Bodentruppen verteidigen zu können, ordneten die Behörden Vorbereitungen an. Denn Hitler hatte befohlen, dass „aus jedem Bunker, jedem Häuserblock, jedem Dorf eine Festung“ gemacht werden sollte. Auch der zwischen 1936 und 1940 errichtete Westwall sollte erneuert werden, nachdem man ihn während der Kriegsjahre vernachlässigt hatte. Dafür wurden neben Tausenden von Zivilisten auch Zwangsarbeiter und Häftlinge aus Konzentrationslagern herangezogen, die Panzergräben, Unterstände und Laufgräben anlegten. Aber es fehlte an Material, Waffen und Treibstoffen, so dass nur etwa die Hälfte der Bunker instandgesetzt werden konnte. Viele der verpflichteten Zivilisten zweifelten am Sinn der Arbeit und kehrten vorzeitig nach Hause zurück.

Eine authentische Quelle für die ersten Monate des Jahres 1945 ist die „Nationalsozialistische Zeitung (NSZ) Westmark“. Dort liest man von der Rationierung der Lebensmittel, von den knappen Vorräten an Petroleum, von der Stromabschaltung an einzelnen Tagen und von der Beschlagnahmung von Fahrrädern. Außerdem brachte die Zeitung jeden Tag etwa ein Dutzend Anzeigen von Gefallenen oder den Opfern der „Terrorbomber“. Gleichzeitig war die NSZ ein Propagandainstrument, das von den Verlusten der Feinde und den Heldentaten der deutschen Soldaten berichtete.

Immer mehr Appelle zum Durchhalten

Ab Februar 1945 änderte sich die Zeitung. Sie wurde drastisch gekürzt und erschien an den Wochentagen statt mit vier oder fünf zumeist nur noch mit zwei Seiten, bevor am 20. März die letzte Nummer gedruckt wurde. Das wichtigste Thema war immer noch das Schreckensbild einer Niederlage und die drohende Ausrottung des deutschen Volkes. Gleichzeitig gab es vermehrt Durchhalteparolen. Die Pfalz sollte „ein westwärts ausschwingendes Bollwerk“ werden und eine „geschlossene Wehrfamilie“ bilden.

Das Volk, das „mit Gottes Kraft im Bunde bleibt“, werde schließlich den Sieg erringen, heißt es in dem Gedicht „Zuversicht“, das von dem evangelischen Pfarrer Karl Rheinfurth stammt. Aber die Mehrzahl der Bevölkerung zweifelte inzwischen an einem „Endsieg“ und wünschte sich nur noch ein baldiges Ende des Krieges.

Die Serie: 80 Jahre nach dem Krieg

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind 80 Jahre vergangen. Nur wenige Zeitzeugen leben noch und erinnern sich daran. Aber das Jahr 1945 war einer der wichtigsten Abschnitte der deutschen Geschichte. Die Serie will über zentrale Themen dieses Jahres für die Pfalz berichten: über die Kampfhandlungen, die Besatzung und den politischen Neuanfang.

Mitte Februar 1945 wurde Eschenau bombardiert. Bei dem Angriff, der der Brücke beim Bahnhof (oben rechts) galt, starben zehn Men
Mitte Februar 1945 wurde Eschenau bombardiert. Bei dem Angriff, der der Brücke beim Bahnhof (oben rechts) galt, starben zehn Menschen. Das Dorf wurde fast völlig zerstört, die Brücke nicht beschädigt.
x