Kreis Kusel Ästhetisch bis ins Detail

Harmonische Formen und Proportionen zeichnen das restaurierte ehemalige Mühlenanwesen aus.
Harmonische Formen und Proportionen zeichnen das restaurierte ehemalige Mühlenanwesen aus.

Warum Aulhorn ausgerechnet dieses Gebäude näher beleuchten möchte, dazu muss der Architekt aus Norddeutschland zunächst etwas klarstellen: „Die Landschaft der Pfalz fasziniert mich.“ Er sei häufig als Wanderer unterwegs – und einfach begeistert. Das Anwesen sei ein gelungenes Beispiel für Anpassungsarchitektur an die bestehende Landschaft. Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Es hat nur einen kleinen Fehler. Von außen ist es – insbesondere im Sommer – nicht so sehr sichtbar.“ Denn eine hübsche Allee von Bäumen verdeckt die wenige Meter vom Reichenbach idyllisch gelegene alte Mühle samt liebevoll gepflegtem Außengelände. „Wenn wir auf der Hauptstraße fuhren, haben meine Frau und ich uns immer die Hälse nach der Mühle verdreht“, verrät Aulhorn. Von dem Anwesen werde man regelrecht angezogen. In der ehemaligen Mühle wohnt Theo Jung. Er stammt auch von dort. Ihm bescheinigt Aulhorn ein gutes Auge für Architektur. Weil das 1905 errichtete Wohnhaus baufällig war, ließ Jung den im rechten Winkel an das langgezogene Wirtschaftsgebäude angebauten Trakt vor 17 Jahren durch den St. Wendeler Architekten Leonhard Baureis neu errichten. Der Clou: „Es sieht überhaupt nicht nach einem Neubau aus, sondern fügt sich ideal an“, lobt Aulhorn die Qualität der Rekonstruktion. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtet Baureis, was ihn damals an der alten Mühle besonders reizte: „Der Altbau ist noch intakt“, schildert er. Den Bewohnern bescheinigt er einen großen Sinn, Altes zu erhalten. Renovierungen waren auch ein Schwerpunkt des St. Wendeler Architekten. So sanierte Baureis zahlreiche Kirchen in der Region, unter anderem auf Burg Lichtenberg und in Pfeffelbach. Beim Neubau des Wohnhauses, das noch über seine alte Barocktür verfügt, sei auf die Umgebung große Rücksicht genommen worden, betont Aulhorn. Der gesamte Gebäudekomplex ordne sich ideal in das Gelände ein, weist er auf harmonische Formen und Proportionen hin. Gelungen sei auch die Übernahme der Neigung des alten Satteldaches. Als weitere ästhetische Details nennt der Altenglaner Architekt die Sprossen in den Fenstern sowie die Gauben im Dach. Das freundliche Gelb des Anstrichs passt zudem gut in die grüne Landschaft. Insgesamt sei das passende Baumaterial verwendet worden – außen, wie innen, wo Solnhofer Natursteinplatten verlegt sind. „Besser geht es nicht“, findet Aulhorn. Im Außenbereich spiegelt sich zudem das Innere wieder. Etwa in dem vom Bewohner „Keller“ genannten Gebäudeteil. Ein Stück dieser Fassade außen ist unverputzt, im Inneren sind die Originalgewölbe aus Bruchstein bestens erhalten. Hier entstand ein atmosphärisch einzigartiger Raum mit Kamin. Auch das früher landwirtschaftlich genutzte Gebäude präsentiert sich in gutem Zustand. Neben dem großen, runden Scheunentor machte die ehemalige Stalltür Platz für eine weitere, rund gestaltete Einfahrt. Dahinter versteckt sich jetzt eine Garage. Neues sei auf sensible Art ergänzt worden, sagt Aulhorn. Und es geht weiter: Denn im Inneren befindet sich ein Teil des früher landwirtschaftlich genutzten Gebäudes noch im Roh-Ausbau.

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